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Das Eigengewächs und der Rekordeinkauf – trotz unterschiedlichen Werdegangs bewegen sich Maximilian Eggestein (l.) und Davy Klaassen auf Augenhöhe.

Maxi Eggestein kann noch mehr / Klaassen schlägt ein

Werder-Saisonzeugnis - Mittelfeld: Ein Mann auf dem Weg zur Weltklasse

Bremen – „Eggenstein“ – der Bundestrainer hatte den Namen nicht drauf. „Eggenstein“, sagte er – immer wieder. Joachim Löw hatte Maximilian Eggestein von Werder Bremen tatsächlich ein weiteres „N“ im Nachnamen angedichtet.

Fast so, als hätte der DFB-Coach nicht gewusst, mit wem er es zu tun hatte. Was natürlich nicht stimmte. Denn hätte Löw den Herrn Eggestein ohne „N“ ansonsten eingeladen, Teil der DFB-Auswahl zu sein? „Maxi“, wie sie ihn bei Werder nennen, verbuchte mit der ersten Berufung in die A-Nationalmannschaft einen großen persönlichen Erfolg – auch ohne Einsätze gegen Serbien und die Niederlande.

Eggestein setzte in der Saison 2018/19 seinen Weg in die nationale Spitze fort. Im Mittelfeld des SV Werder lief er dabei in 34 Partien insgesamt 409,24 Kilometer und darf ganz offiziell den Titel „Dauerläufer der Saison“ führen. Ein weiterer Mitstreiter aus dem Mittelfeld wäre seinen Titel dagegen gerne losgeworden. Doch Philipp Bargfrede ist und bleibt ein Pechvogel. Das ist das Saisonzeugnis der Mittelfeldspieler.* Teil 1 mit dem Saisonzeugnis für Torwart und Abwehr gibt es hier: Der Beste ist noch besser geworden

Philipp Bargfrede

Philipp Bargfrede hat etwa die Hälfte der Saison bei Werder Bremen verletzt verpasst.

Nach der beinahe störungsfreien Saison 17/18 lief es auch danach zunächst rund für Philipp Bargfrede. Mit speziellem Training und dosierter Belastung setzte er seinen Lauf fort. Sechs Startelf-Einsätze an den ersten sieben Spieltagen mit den gewohnt stabilen Leistungen, aber dann: Muskelfaserriss, Achillessehnenprobleme – bis zur Winterpause folgten nur noch zwei weitere Spiele für den dienstältesten Werder-Profi.

Und in der Rückrunde kam es noch schlimmer. Werder begründete den Ausfall des Mittelfeld-Abräumers lange mit Oberschenkel-Problemen, bis am Saisonende die nächste Knie-OP folgte – es war bereits die achte in Bargfredes Karriere. Der Sechser fällt nun für unbestimmte Zeit aus. Leider hat sich bestätigt, was Kritiker seit Jahren sagen: Auf Bargfrede zu bauen, ist riskant.

Außerdem gilt ein ungeschriebenes Werder-Gesetz nicht mehr: Mit Bargfrede auf dem Platz punkten die Bremer mehr als ohne den Mittelfeld-Abräumer? Diese Regel hat das Team in der abgelaufenen Saison außer Kraft gesetzt. In den 15 Partien mit „Bargi“ sammelte Werder 22 Punkte ein, was einen Punkteschnitt von 1,46 ergibt. Ohne den 30-Jährigen sprangen in 19 Spielen aber 31 Punkte heraus – der Punkteschnitt liegt bei 1,63. Schlussfolgerung: Die Mannschaft löst sich immer mehr aus der Abhängigkeit von einzelnen Spielern. 

Spiele/eing./ausg.: 15/2/8

Tore/Vorlagen: 0/0

Minuten gespielt: 1083

Note: 3,31*

Nuri Sahin

Nuri Sahin spielte bei Werder Bremen wohl so defensiv wie nie zuvor in seiner Karriere.

An dem Ex-Dortmunder scheiden sich die Geister. Guter Sechser oder nicht? Unstrittig ist, dass Nuri Sahin Zeit benötigte, um sich an das Bremer Spiel zu gewöhnen. Mit jedem Spiel, das der ehemalige Real-Madrid- und FC-Liverpool-Profi absolvierte, schlug das Pendel jedoch öfter in die positive Richtung aus. Sahins Tempodefizit wurde zwar immer wieder offenkundig, wurde aber als bekannte und einkalkulierte Schwäche hingenommen. Sahins Bericht von der ersten Kontaktaufnahme mit Trainer Florian Kohfeldt ist da eindeutig: „Das Erste, was er mir gesagt hat, war, dass ich nicht der Schnellste bin.“

Geholt wurde Sahin, der die Planstelle des Bargfrede-Backups übernehmen sollte, wegen seiner Spielintelligenz und -übersicht. Sowie eigentlich auch wegen seiner gefürchteten Pässe. Doch die hat er kaum gezeigt. Seine Saisonstatistik weist nur eine Torvorlage aus. Was aber auch daran gelegen haben mag, dass der Last-Minute-Transfer des letzten Sommers in seiner Karriere wohl noch nie so defensiv agiert hat wie bei Werder. Oft spielte Sahin sogar den zentralen Verteidiger in einer Dreierkette.

Spiele/eing./ausg.: 20/1/13

Tore/Vorlagen: 1/1

Minuten gespielt: 1486

Note: 3,53

Maximilian Eggestein

Maximilian Eggestein von Werder Bremen lief vergangene Saison so viel wie kein anderer Bundesliga-Spieler.

Es ist eine Zahl, die beeindruckt: 409,24 Kilometer ist Maximilian Eggestein in der Saison gelaufen – das macht einen Schnitt 12,04 Kilometern pro Partie. Kein anderer Spieler der Bundesliga kommt auf diese Distanzen, Eggenstein – pardon: Eggestein – ist damit der Rekordmann der Liga.

Doch das läuferische Vermögen („Das gehört einfach zu meinem Spiel“) als seine einzige Stärke herauszustreichen, würde dem 22-Jährigen bei weitem nicht gerecht. Sein Tor beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt gehörte zum Besten, was die Bundesliga-Saison zu bieten hatte. Und für eine Torvolage beim 3:1 in Leverkusen verlieh Eurosport-Experte Matthias Sammer dem Bremer sogar das Prädikat „Weltklasse“.

Bis dieses Urteil für Eggesteins gesamtes Spiel gilt, ist allerdings noch ein Weg zu gehen. Die Richtung ist aber absolut richtig. Siehe das Lob von Werder-Coach Kohfeldt: „Maxi macht kaum Fehler, nach einem Stellungsfehler muss man bei ihm schon suchen. Das ist überragend für einen jungen Spieler.“

Diese Qualität gepaart mit einer durch fünf Tore und fünf Assists dokumentierten Offensivpower machte Eggestein auch für andere Clubs interessant. Doch er verlängerte (wie sein Bruder Johannes) bei Werder – das war eine der Top-News der Saison.

Spiele/eing./ausg.: 34/0/1

Tore/Vorlagen: 5/5

Minuten gespielt: 3053

Note: 3,31

Davy Klaassen

Davy Klaassen überzeugte in seiner ersten Saison bei Werder Bremen.

Thomas Delaney ging, Davy Klaassen kam. Mit 13,5 Millionen Euro Ablöse, zahlbar an den FC Everton, avancierte der Niederländer zum teuersten Einkauf der Werder-Geschichte. Wie sich herausstellte, war es gut investiertes Geld. Das Loch, das Delaneys Abgang gerissen hatte, hat Klaassen schnell gestopft. Zwar mit einer anderen, nicht so hemdsärmelig-kriegerischen Art wie der Däne, aber mindestens genauso effektiv. Klaassens Fleiß und die mannschaftsdienliche Art sind seine größten Stärken.

An normalen Tagen sorgt er für die Balance zwischen Offensive und Defensive, an guten Tagen entscheidet er die Spiele auch noch. Wie Nebenmann Eggestein kommt er auf fünf Tore sowie fünf Assists – und dass diese Bilanz identisch ist, ist der auffälligste Beweis dafür, dass sich die beiden Achter im häufig praktizierten Bremer 4-3-3-System auf dem gleichen Niveau befinden. Zudem gilt für Klaassen, was im Gefüge einer Mannschaft nicht zu unterschätzen ist: Er ist ein super Typ. Ein Leader, aber kein lauter.

Spiele/eing./ausg.: 33/0/7

Tore/Vorlagen: 5/5

Minuten gespielt: 2825

Note: 3,38

Kevin Möhwald

Kevin Möhwald erwies sich bei Werder Bremen als zuverlässige Kraft, wenn Not am Mann war.

Der Mann, der aus der Zweiten Liga kam, hatte zunächst schwer mit Anpassungsproblemen zu kämpfen. Bis zum zwölften Spieltag hatte Kevin Möhwald gerade mal etwas mehr als eine halbe Stunde für Werder auf dem Platz gestanden. Doch am Saisonende steht da eine Zahl, die die Startschwierigkeiten nur noch erahnen lässt. Auf 23 Einsätze kommt Möhwald, in sieben Partien stand der Neuzugang aus Nürnberg in der Startelf. Der 25-Jährige erwies sich als zuverlässige Kraft, wenn Not am Mann war. Mutig seine Distanzschüsse, erfrischend sein unkompliziertes, fröhliches Auftreten. Ein Gewinn für Werder – auch wenn es zur Stammkraft wegen der starken Konkurrenz noch nicht reicht.

Spiele/eing./ausg.: 23/16/3

Tore/Vorlagen: 3/1

Minuten gespielt: 860

Note: 3,32

*Die Saisonnote der DeichStube errechnet sich durch die Summe der Noten geteilt durch die Anzahl der benoteten Spiele. Eine Durchschnittsnote erhalten nur Spieler, die in mindestens fünf Spielen benotet wurden. Die Daten der absolvierten Spiele, Tore und gespielten Minuten sind „kicker.de“ und „transfermarkt.de“ entnommen.

Auch Ihr habt Bilanz gezogen. Nach der Saison hatten wir Euch nach dem besten Bremer gefragt, inzwischen auch das Ergebnis unserer Umfrage da. Lest hier: Das ist euer Werder-Spieler der Saison! Checkt auch unser Saison-Alphabet: von A wie Altmeister bis Z wie Zielsicher.

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