Uwe Hünemeier hat im Zweitliga-Hinspiel mit seinem SC Paderborn gegen Werder Bremen deutlich gewonnen. Vor dem Rückspiel warnt er aber.
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Uwe Hünemeier hat im Zweitliga-Hinspiel mit seinem SC Paderborn gegen Werder Bremen deutlich gewonnen. Vor dem Rückspiel warnt er aber.

Vor Werder gegen Paderborn

„Füllkrug war nur noch ein Schatten seiner selbst“ - Paderborns Uwe Hünemeier im Interview

Paderborn - Für Uwe Hünemeier gibt es keine Zweifel. „Werder ist die Mannschaft der Stunde in der 2. Liga“, lobt der frühere Kapitän des kommenden Bremer Gegners SC Paderborn. Der 36-Jährige, der seit 2018 wieder für die Ostwestfalen aktiv ist, begründet sein Kompliment in Richtung Weser wie folgt: Die aktuelle Mannschaft des SV Werder Bremen habe rein gar nichts mehr gemein mit der Elf, gegen die Paderborn in der Hinserie 4:1 gesiegt hatte. Der Trainerwechsel habe alles verändert.

Gehörigen Respekt hat Uwe Hünemeier, der an den beiden Erstliga-Aufstiegen der Paderborner beteiligt war, vor allem vor dem Sturmduo Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug. „Beide sind ein Faustpfand für Bremen“, betont der Routinier im Interview mit der DeichStube.

Herr Hünemeier, der Auftakt ins Jahr 2022 brachte kürzlich einige nicht so zu erwartende Resultate in der 2. Liga. Was war aus Ihrer Sicht die größte Überraschung?

Es ist nun mal das Merkmal dieser Spielklasse, dass alle Spiele sehr eng sind. Auch die Mannschaften, die unten stehen, können gegen die vermeintlichen Favoriten punkten. Wie am letzten Wochenende geschehen. Natürlich hatte auch ich angenommen, dass Schalke zu Hause Kiel schlägt und St. Pauli gegen Aue gewinnt. Doch nicht immer haben die Favoriten in der 2. Liga leichtes Spiel.

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Und es war auch nicht unbedingt abzusehen, dass sich Ihre Paderborner beim Tabellennachbarn Nürnberg durchsetzen, oder?

Es war ein ganz wichtiger Sieg für uns. Enorm wichtig, dass wir den Start ins neue Jahr so gemeistert haben. Nach unserer eigentlich ganz guten Hinserie haben wir gegen Ende doch schlechte Resultate erzielt. Von daher war der gute Auftritt gegen die Nürnberger, die eine stabile Hinserie abgeliefert haben, auch für die weiteren Partien bedeutungsvoll.

Paderborn hat sich in Philipp Klement, dem Leihspieler aus Stuttgart, und Florent Muslija, dem Kauf aus Hannover, in der Winterpause verstärkt. Was bedeuten diese beiden Transfers?

Es sind zwei Offensivleute, die bei uns die Kreativität erhöhen und unserem Angriffsspiel mehr Durchschlagskraft verleihen. Wie wichtig diese beiden Kollegen für uns werden können, hat sich schon in Nürnberg gezeigt. Sie sind ballsicher und beleben unserer Offensivspiel. Vor allem entlasten sie die beiden Stürmer, die zuletzt doch meist auf sich allein gestellt waren

(Verfolgt das Zweitliga-Duell des SV Werder Bremen gegen den SC Paderborn im Live-Ticker der DeichStube!)

Vor dem Duell mit Werder Bremen: Uwe Hünemeier lobt „bärenstarken“ SC-Paderborn-Knipser Sven Michel

Sven Michel hat aufgetrumpft im letzten Spiel – ein Tor und eine Vorlage. Befindet sich der Torjäger, der nun schon 14 Treffer auf dem Konto hat, in Topform?

Es spricht viel für Sven, auch die Vorstellung in Nürnberg. Er hat eine bärenstarke Hinrunde gespielt. Wir sind froh, ihn in unseren Reihen zu haben, wir sind glücklich, dass er regelmäßig seine Leistung abrufen kann.

Fast alle Spitzenteams in der 2. Liga leben von ihren treffsicheren Schützen. Sven Michel reiht sich da gut ein. Oder?

Einen Knipser dieser Kategorie wünscht sich natürlich jede Mannschaft. Bei uns kommt noch hinzu, dass Felix Platte eine gute Ergänzung zu Sven ist. Mit seiner Robustheit schafft es Felix immer wieder, Räume für Sven zu schaffen. Die beiden harmonieren bestens.

Ein Sturmduo, vergleichbar mit dem, wie es Bremen besitzt mit Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug?

Werder kann auf dieses Tandem bauen. Die beiden verstehen sich sehr gut, treffen seit neuestem kontinuierlich. Ducksch und Füllkrug sind ein Faustpfand für Bremen.

„Werder Bremen ist ganz klar die Mannschaft der Stunde“ - Paderborn-Kapitän Uwe Hünemeier

Nicht nur dank der beiden Angreifer kommt Werder immer besser in Form. Wie beurteilen Sie die Lage von Werder?

Werder ist ganz klar die Mannschaft der Stunde. Seit dem Trainerwechsel geht es aufwärts. Die Elf ist momentan in der Lage, jeden Gegner gut zu bespielen, gegen jeden Konkurrenten ihr eigenes Spiel durchzubringen. Werder im Januar 2022 ist nicht mehr mit der Truppe zu vergleichen vom letzten Jahr. In der Hinrunde haben wir sie besiegt. Wir trafen dabei auf eine komplett verunsicherte Mannschaft. Festzumachen an der Person Füllkrug: Der war damals unzufrieden, komplett von der Rolle, nur noch ein Schatten seiner selbst. Das hat sich seit einigen Wochen geändert.

Pech für Paderborn, ausgerechnet in dieser Hochphase auf die Bremer zu treffen?

Es wird eine interessante Partie. Die Aufgabe gegen eine Mannschaft, die wieder in die Spur gefunden hat, ist mehr als anspruchsvoll. Doch wir sind ja auch ganz gut dabei, siehe die Leistung in Nürnberg. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.

Sie haben den Beitrag angesprochen, den Ole Werner, der neue Trainer bei Werder, zum Aufschwung geleistet hat. In Lukas Kwasniok ist ein neuer Coach zu Saisonbeginn nach Ostwestfalen gekommen. Was zeichnet ihn aus?

Unser Trainer agiert sehr variabel, er lässt in verschiedenen Formation spielen, er wechselt auch bei den Aufstellungen. Ausschlaggebend für ihn ist dabei immer, dass wir viel Kreativität auf dem Platz bringen sollen, egal in welcher Grundordnung, egal mit welchem Personal. In Nürnberg beispielsweise haben wir mit einer Raute gespielt. Ich weiß nicht, ob wir das gegen Werder mit dem bekannten 3-5-2 beibehalten werden.

Werder Bremen gegen den SC Paderborn: Kapitän Uwe Hünemeier stieg in die Bundesliga auf

Von den wirtschaftlichen Möglichkeiten her zählt Paderborn eher zu den Clubs aus dem unteren Mittelfeld der Liga. Wie ist es möglich, dass der Verein stets an der Spitze mitmischt?

Ich denke, unsere Leistungen in den letzten Jahren sind nicht hoch genug zu bewerten. Es ist ein Verdienst, dass es die Führung mit den eher beschränkten Mitteln unseres Etats stets schafft, einen so konkurrenzfähigen Kader auf die Beine zu stellen. Sie findet immer wieder Spieler, die sich beweisen wollen. Sie findet immer wieder Ersatz für Spieler, die wir gezwungenermaßen aus finanziellen Gründen Jahr für Jahr abgeben müssen. Es ist schon bemerkenswert, dass sich Paderborn in den Top 25 des bundesdeutschen Fußballs etabliert hat. Es ist nicht selbstverständlich. Auch die beiden Aufstiege in die Bundesliga nicht, die eine Nummer zu groß gewesen sein könnten.

Was ist das Erfolgsrezept?

Eine gute Idee, wie der Fußball aussehen soll. Und gute Jungs, die das umsetzen. Wenn beides passt, kommt das Momentum hinzu. Und am Ende kommt eine gute Spielzeit heraus. Es klappt auch anderswo. Regensburg beispielsweise macht es in dieser Saison genauso. Oder auch Heidenheim, wo indes bessere Voraussetzungen bestehen. Vor der Arbeit, die dort vor allem vom Trainer geleistet wird, habe ich allerhöchsten Respekt.

Sie sind mit Paderborn 2014 und 2019 jeweils in die höchste Spielklasse aufgestiegen, dazu bei während ihres dreijährigen Gastspiel in England mit Brighton and Hove Albion in die Premier League. Was ist letztlich entscheidend, um den Aufstieg perfekt zu machen?

Es braucht eine intakte Truppe. Und es braucht Spieler, die gierig sind. Zudem ist eine Atmosphäre vorteilhaft, in der die Arbeit ohne Druck und Zwang ausgeübt werden kann. Das war unser Vorteil in Paderborn: Niemand hat etwas von uns erwartet, der Druck von außen war minimal. Mir ist bewusst, dass es an anderen Standorten anders zugeht. Dort ist es schwer, sich diese Unbefangenheit zu bewahren.

Sie zielen auf die „Großen Drei“ ab?

Sicherlich, in Bremen, Hamburg und Schalke ist das Anspruchsdenken ganz anders ausgeprägt. Aufgrund der Historie und der Tradition wird dort der Aufstieg quasi erwartet. Die sportliche Leitung und die Spieler sind permanent gezwungen, sich mit den Erwartungen und den Stimmungen aus dem Umfeld auseinanderzusetzen.

(So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den SC Paderborn aussehen!)

Werder Bremen gegen den SC Paderborn: Aufstieg? „Es wird bis zum Schluss ein enges Rennen bleiben“

Bis Platz neun, den Sie aktuell einnehmen, sind die Clubs eng beieinander. Wie wird das Aufstiegsrennen? Alle mit Chancen?

Stand jetzt haben alle Kandidaten Chancen, also quasi die Hälfte der Liga. Das bedeutet, es gibt noch viele direkte Duelle, wo alles möglich ist. Wie gesehen, lassen auch die Favoriten zahlreiche Punkte liegen. Ohne Verlust marschiert keiner durch diese enge und ausgeglichene Liga. Es ist ein langer Weg, und es wird bis zum Ende ein enges Rennen bleiben.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Sie sind 36 Jahre alt, Ihr Vertrag läuft bis 2023. Was planen Sie? Wie lange wollen Sie noch aktiv sein?

Ich bin glücklich, dass ich in diesem Alter noch auf diesem Niveau mithalten kann. Mein Körper macht mit, es macht mir Spaß, ich kann der Mannschaft noch helfen, gerade mit meiner Mentalität. Jetzt zählen erst einmal die nächsten eineinhalb Jahre.

Beenden Sie in Paderborn Ihre Karriere?

Alles andere wäre schon recht überraschend.

Und anschließend? Bleiben Sie im Fußballgeschäft? Bleiben Sie Paderborn erhalten?

So ist es angedacht. Erste Gespräche in dieser Hinsicht haben stattgefunden. (hgk)

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