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SC Paderborn-Manager Martin Przondziono ist dem SV Werder Bremen auch heute noch eng verbunden, obwohl er den Durchbruch als Spieler bei den Grün-Weißen verpasste.

Paderborn-Sportchef im DeichStube-Interview

SCP-Manager Przondziono über Werder-Vergangenheit: „Rehhagel war kein Freund meines Spiels“

Bremen - Martin Przondziono ist seit dem Abgang von Markus Krösche zu RB Leipzig Geschäftsführer Sport beim Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn. Einst war der 50-Jährige als Spieler für die U23 des SV Werder Bremen am Ball. Am Sonntag (18 Uhr) trifft der Manager im Weserstadion auf seinen „Herzensverein“.

Aktuell steht das Team von Trainer Steffen Baumgart mit fünf Punkten abgeschlagen auf dem letzten Platz der Fußball-Bundesliga und will diese Ausgangslage am Sonntag (18.00 Uhr, DeichStube-Live-Ticker) im Auswärtsspiel beim SV Werder Bremen verbessern. Im Vorfeld der Partie spricht SC Paderborn -Manager Martin Przondziono, einst selbst für den SV Werder als Spieler aktiv, über das Duell seines jetzigen Clubs gegen seinen Ex-Club, über seine Zeit bei den Grün-Weißen, sein damaliges Verhältnis zur Trainer-Legende Otto Rehhagel, und über die Gründe, warum er erst kürzlich nicht zu RB Leipzig wechselte. 

Interview mit Martin Przondziono – Geschäftsführer Sport des kommenden Werder-Gegners SC Saderborn 07

Worin besteht der grundsätzliche Unterschied zwischen dem SC Paderborn 07 und Werder Bremen, Martin Przondziono?

Werder zählt zu den renommiertesten Klubs, die seit Jahrzehnten die Bundesliga geprägt haben. Der Verein spielt eine tragende Rolle im deutschen Fußball. In Paderborn sind wir dabei, etwas aufzubauen, sodass der Standort im Profifußball zukünftig auch eine Rolle spielt.

Stimmen Sie zu, dass von den Voraussetzungen her die Bremer eindeutig bevorteilt sind?

Wir als Aufsteiger sind Woche für Woche unterlegen im Vergleich zu unseren Gegnern, wir sind immer unterlegen, was das Finanzvolumen angeht. Wir müssen an unsere Grenzen gehen, um sportlich mithalten zu können. Es ist stets eine Lücke da zu unseren Gegnern.

Die angesprochene Lücke ist bei der Partie gegen Werder nicht ganz so immens wie in anderen Begegnungen. Oder?

Auf jeden Fall, wobei dies nicht daran liegt, wie in Bremen gearbeitet wird – nach meiner Auffassung ganz ausgezeichnet. Sondern an der Finanzkraft der Klubs wie Bayern oder Leipzig, wie Schalke oder Dortmund.

Werder hat nach acht sieglosen Spielen in Wolfsburg erstmals wieder gewonnen. Ein Vorteil oder ein Nachteil für Paderborn?

Es macht keinen Unterschied für mich, wie diese Partie ausgegangen ist. Ich kann auch nicht der Argumentation folgen, dass es für uns leichter wäre, hätte Bremen nicht gesiegt, weil sich dadurch der Druck im Heimspiel erhöhen würde.

Sie haben eine Bremer Vergangenheit. Haben Sie noch Kontakt zu den handelnden Personen?

Natürlich, Werder Bremen bleibt mein Herzensverein. Bis vor einem Jahr habe ich noch regelmäßig in der Traditionself gekickt, bis meine Knie nicht mehr mitmachen wollten. Ich schaue mir auch häufiger Spiele der Jugend oder der U23 an, treffe dann Thomas Schaaf und Thomas Wolter, Mirko Votava, Björn Schierenbeck und Frank Ordenewitz. Oder Frank Baumann, mit dem ich in Nürnberg in einer Mannschaft gestanden habe, bei den Managertagungen. Und am längsten kenne ich einen anderen aus der Führungsriege.

Wer ist das?

Marco Bode, der dies vor einem Jahr besonders betont hat im Gespräch mit meinem Sohn Gianluca, der in der Regionalliga in Lotte spielt. Zufällig haben wir uns auf einem Fußballplatz gesehen. „Deinen Vater kenne ich schon so lange“, sagte Marco und erinnerte an die gemeinsamen Auftritte in der Bezirksauswahl, als wir 13 oder 14 Jahre alt waren.

Werder Bremen: Junge Spieler wie Martin Przondziono hatten es unter Trainer Otto Rehhagel schwer

Vier Jahre bei Werder, zunächst bei den Amateuren und dann richtig im Profikader. Doch Ihnen ist der Durchbruch nicht gelungen. Sie hatten nicht einen Einsatz in der Bundesliga. Woran hat es gelegen?

Unglücklich gelaufen fürwahr, ärgerlich für mich. Otto Rehhagel war wohl kein Freund meines Spiels. Zudem war es für einen jungen Spieler damals sehr schwer, sich in die Truppe zu spielen. Werder war eine europäische Spitzenmannschaft. Auch Spieler wie Marinus Bester oder Andree Wiedener haben es erst geschafft, als Otto aus Bremen weggegangen ist.

Sie sind den Umweg über die 2. Liga gegangen. Die richtige Entscheidung?

Ganz sicher, in Nürnberg, aber dann auch später in Osnabrück oder Lübeck habe ich wunderbare Zeiten als Kicker erlebt. Ich bin mit mir im Reinen.

Was passierte nach dem Ende der Spielerkarriere?

Ich wollte raus aus dem Fußballgeschäft, wollte etwas anderes machen. Ich habe Marketing probiert und ins Vertriebsgeschäft hineingerochen, für mich eine Weiterbildungsmaßnahme. So habe ich ein Golf-Magazin gegründet, das im Raum Westfalen und Südniedersachsen bis an die niederländische Grenze erschienen ist.

Stichwort Golf: Ihr bestes Handicap?

Ich lag mal bei 3,5, komme nun nur noch selten dazu, einige Löcher zu spielen.

Hut ab: Diese Sportart beherrschen Sie so gut wie Fußball.

Fußball war immer mein Thema, auch beruflich habe ich mich wieder so orientiert. Zunächst als Berater, dann im Scouting in Nürnberg und Hannover.

Werder Bremen-Gegner SC Paderborn hat „Rolle als Ausbildungsverein komplett verinnerlicht“

Wie kam der Kontakt zu Paderborn zustande?

Ich wohne seit 2012 in Paderborn. Nachdem ich bei 96 freigestellt worden war, habe ich mich mit Markus Krösche auf einen Kaffee getroffen. So kam es zum neuen Job als Leiter der Sportlizenz-Abteilung. Wir haben im Aufstiegsjahr gut und eng zusammengearbeitet, wollten auch weiterhin etwas zusammen machen.

Und warum sind Sie nicht mit nach Leipzig gegangen?

Die Strukturen bei RB Leipzig sprachen dagegen. Daher habe ich zugesagt, als ich den Managerposten als Krösche-Nachfolger in Paderborn angeboten bekommen habe. Die enge Beziehung zu Markus ist geblieben.

Wie häufig sprechen Sie als Arbeitskollegen miteinander?

Schon mehrmals in der Woche, es ist ein Kontakt auf Augenhöhe. Wir reden natürlich über fußballerische Themen, aber nicht nur. In mancher Beziehung ticken wir gleich, haben die gleiche Auffassung von Fußballphilosophie oder Mitarbeiterführung. Am Samstag nach unserer knappen Niederlage gegen Leipzig haben wir gemeinsam in unserer Kabine gesessen und ein Bier getrunken.

Beim ersten Bundesliga-Aufstieg war der verstorbene Präsident und Mäzen Wilfried Finke die dominante Persönlichkeit. Hat sich der Club nun beim zweiten Anlauf in die Erstklassigkeit von diesem Übervater emanzipiert?

Das ist geschehen, schon zwangsläufig, weil sich der Förderer Finke schon vor seinem Tod immer mehr zurückgezogen hat. Der Club hat die Zeichen der Zeit erkannt, ist nun breiter aufgestellt in verschiedenen Gremien, mit denen ich zu tun habe. Es gibt halt nicht mehr den großen Geldgeber und somit auch nicht den großen Bestimmer.

Wissenswertes vor dem Heimspiel von Werder Bremen gegen den SC Paderborn: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Hat sich auch die Herangehensweise, wie das Abenteuer Bundesliga bestanden werden soll, im Vergleich zu 2014 geändert?

Wir haben die Rolle als Ausbildungsverein nun komplett verinnerlicht und angenommen. Das bedeutet, dass wir den Fokus auf andere Dinge gelegt haben. Im Gegensatz zu früher stand und steht der Abbau der Schulden im Vordergrund, was uns bis zum Jahresende auch gelungen sein wird. Somit haben wir auf teure Transfers verzichtet, weil auch kostspielige Einkäufe keine Garantie verheißen, den Klassenerhalt zu schaffen. Die meisten Spieler kamen ablösefrei, dennoch haben wir aus meiner Sicht gute Neuzugänge bekommen. Unser Ziel ist es, Paderborn in den Top 30 im Profifußball zu etablieren. Wenn es wieder runtergehen sollte, so möchten wir schuldenfrei und somit sorgenfrei in der 2 . Liga spielen.

Angst vor einem freien Fall wie in jüngster Vergangenheit beim Absturz bis ans Ende der 3. Liga haben Sie nicht?

Gefeit davor ist niemand, weil Erfolg im Fußball nur schwer planbar ist. Doch wir fühlen uns gerüstet und vorbereitet, dass es so weit nicht kommen dürfte.

Im Ranking, das die Personalkosten der Erstligisten auflistet, steht Paderborn mit acht Millionen Euro ganz am Ende …

… ich muss eine Korrektur anbringen. Unser Etat liegt bei knapp unter elf Millionen Euro, damit bilden wir mit weitem Abstand in dieser Beziehung immer noch das Schlusslicht. Wir müssen halt mit anderen Waffen kämpfen als die anderen.

Dazu zählen Tugenden wie Leidenschaft und Willenskraft, für die auch Trainer Steffen Baumgart steht. Was zeichnet den Coach aus?

Er ist ein Fußballverrückter im positiven Sinne, dem es immer wieder gelingt, die Spieler zu emotionalisieren. Steffen schafft es, in der Mannschaft stets dieses Grundgefühl zu erzeugen, dass alle für ihn und den Klub durchs Feuer gehen.

Planen Sie, im Winter auf dem Transfermarkt aktiv zu werden?

Ich habe noch finanziellen Spielraum, habe unseren Etat noch nicht ausgeschöpft. Es ist noch Luft – und wir halten die Augen offen, wenn etwas Passendes möglich ist.

Was muss passieren, damit Paderborn doch noch den Verbleib schafft?

Wir müssen unseren Weg konsequent weitergehen. Mit einem Unterschied: Die Leistung, die wir schon mehrfach auf den Platz gebracht haben, muss sich auch mal in Punkten ausdrücken und so auszahlen. Am besten fangen wir damit schon am Sonntag an, auch wenn es das Gastspiel bei meinem Lieblingsverein Werder ist.

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