Schalke-Legende Olaf Thon warnt im DeichStube-Interview: Werder Bremen ist noch nicht gerettet.
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Schalke-Legende Olaf Thon warnt im DeichStube-Interview: Werder Bremen ist noch nicht gerettet.

Vor Werder gegen Schalke

Schalke-Legende Olaf Thon im DeichStube-Interview: „Werder ist noch nicht gerettet“

Gelsenkirchen - Olaf Thon ist eine lebende Legende auf Schalke. Der Weltmeister von 1990 ist bei dem Traditionsclub in mehrfacher Hinsicht noch aktiv. Seit sechs Jahren amtiert er als Abteilungsleiter für die Traditionsmannschaft, arbeitet als Repräsentant des Vereins und kümmert sich im Marketingbereich um die Sponsoren. Der 54-Jährige, der von 1983 bis 1988 sowie von 1999 bis 2002 insgesamt 333 Bundesligaspiele (66 Tore) bestritt und zwischenzeitlich für Bayern München (148 Spiele, 30 Tore) spielte, bangt um den Klassenerhalt für Königsblau, hofft indes noch auf die Rettung. Vor dem Duell gegen Werder Bremen warnt der einstige Supertechniker auch die Norddeutschen: „Werder ist noch nicht gerettet. Im Abstiegskampf kann es ganz schnell gehen.“ Seine nicht ganz ernst gemeinte Bitte an die Bremer, weil „seine“ Schalker unbedingt mal einen Auswärtssieg benötigen: „Bitte lasst uns gewinnen!“

Im Norden ist es ein Evergreen. In den Zeiten, in denen es dem Hamburger SV besonders dreckig ging, wurde stets das Idol Uwe Seeler interviewt. Die bekannten Schlagzeilen: „Uwe sorgt sich um den HSV!“ Sind Sie der Seeler auf Schalke, Olaf Thon?

Nein, das bin ich nicht. Eher Klaus Fischer, der mit Uwe auf einer Stufe steht und sich vergleichen kann. Ich habe nur eine Gemeinsamkeit mit Uwe Seeler: Er ist der jüngste Nationalspieler aller Zeiten mit 17 Jahren und ein paar Monaten, ich folgte lange mit 18 Jahren und 229 Tagen auf Platz zwei. Bis dann eine „Zecke“ aus Dortmund mich überholte: Mario Götze.

Doch auch Sie gelten als eine Schalker Legende…

… für mich sind Personen, die noch leben, im echten Sinn keine Legenden. Wie Klaus Fischer bringe ich mich ein, versuche zu helfen, drücke natürlich die Daumen. Doch wir sind nicht im operativen Geschäft tätig, haben somit keinen direkten Einfluss. Wir können nur hoffen, dass es besser wird.

Im Moment ist es so schlecht wie nie um den Club bestellt. Zittern Sie um Schalke?

Natürlich, die Lage ist mehr als ernst. Eine Zahl macht dies deutlich: 14 Punkte hinter Werder, das ist schon ein gewaltiger Rückstand.

Vor Werder Bremen gegen Schalke 04: Olaf Thon lobt Werder-Weg

Wie sehen Sie die Lage in Bremen?

Werder ist auch noch nicht gerettet, darf sich auf keinen Fall in Sicherheit wiegen. Doch der überzeugende Sieg bei der Hertha hat die Position der Mannschaft radikal verbessert. Werder ist zunächst einmal aus dem Gröbsten raus.

Was zeichnet Werder Bremen aus? Was fehlt auf Schalke?

Die Bremer Verantwortlichen machen einen herausragenden Job. Unaufgeregt haben Frank Baumann und Florian Kohfeldt in der Spielzeit bisher agiert. Diese Ruhe ist vorbildlich, diese Ruhe im Verein, auch wenn es kritisch wird.

Und Schalke?

Ich sehe nun eine positive Tendenz. Ich registriere einen Aufwärtstrend unter Christian Gross. Er ist wie ein Fels in der Brandung, er hat der verunsicherten Mannschaft schon eine gewisse Struktur gegeben. Leider haben wir den Sieg gegen Köln nicht geschafft. In der Partie gegen Köln waren wir klar besser. Nur am Ende haben die Punkte gefehlt in diesem Sechs-Punkte-Spiel.

Wie bezeichnen Sie das Auswärtsspiel in Bremen? Auch ein Sechs-Punkte-Spiel?

Nicht ganz, ein Vier-Punkte-Spiel, so würde ich mal sagen. Weil Werder momentan kein direkter Konkurrent ist. Doch klar ist: Schalke braucht Siege, auch mal einen Sieg auswärts. Also meine Bitte an die Freunde in Bremen, natürlich nicht ganz ernst gemeint: Bitte lasst uns am Samstag gewinnen!

Wie beurteilen Sie Einkäufe in dieser Transferperiode?

Diese Transfers waren notwendig und schaffen die Basis dafür, dass wir den Klassenerhalt eventuell noch schaffen können. Mit dem Wolfsburger William wurde ein solider Rechtsverteidiger geholt. Wie wertvoll Kolasinac sein kann, hat sich beim 4:0 gegen Hoffenheim gezeigt. Mit ihm ging sofort ein Ruck durch die Truppe. Und das Holen des „Hunters“ dürfte sich auch auszahlen. Huntelaar ist zwar schon 37 Jahre alt, doch er kann wichtig werden im Mannschaftsgefüge, als Ansprechpartner für die Jungen und als derjenige, der als Vorbild in puncto Moral und Einstellung fungiert. Diese Rolle sollte mal Ibisevic übernehmen, doch der Schuss ist bekanntlich nach hinten losgegangen.

Wird das Trio in der Startelf stehen?

Es kommt darauf an, was die Verletzung von Kolasinac macht. Ich gehe davon aus, dass die Drei im Kader sind und aller Wahrscheinlichkeit nach auch von Beginn an auflaufen.

Sportvorstand Jochen Schneider ist arg in die Kritik geraten. Wie beurteilen Sie seine Arbeit?

Er hat keinen leichten Stand, doch es ist auch verdammt schwer, die Kontinuität zu erreichen, die wünschenswert ist und die beispielsweise Werder so auszeichnet. Trotz aller Probleme, trotz der aufkommenden Kritik von außen und vom Umfeld, trotz aller negativen Stimmung bleiben sie an der Weser standhaft und unbeirrt bei ihrer Linie. Ich wünschte es mir auch in Gelsenkirchen.

Warum ist es auf Schalke nicht möglich?

Schwer zu sagen. Es ist in den letzten Monaten viel weggebrochen. Häufige Trainerwechsel, der Tausch auf der Managerposition, der Weggang von Peter Peters, dem starken Mann, der Abschied vom Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies, das Aus für den Pressesprecher. Das spricht nicht gerade für den Zusammenhalt in der Spitze und im Verein.

Für die letzten Wechsel auf dem Trainerstuhl ist Jochen Schneider verantwortlich. Ihr Kommentar?

Grundsätzlich halte ich manche Entlassungen der Trainer für zu früh. Doch in Schalke musste die Reißleine gezogen werden – bei dieser Serie an Niederlagen. Was bin ich froh, dass wir gegen Hoffenheim gewonnen haben und nicht auch noch den Rekord von Tasmania geholt haben. Gegen Schneider spricht der Tabellenstand, die wenigen Punkte. Aus seinem Munde habe ich es noch nicht gehört, doch ich habe gelesen, dass er im Falle des Abstiegs von sich aus gehen wird.

War es richtig, das Angebot auszuschlagen, das Tönnies gemacht hat, um Schalke finanziell zu helfen?

Grundsätzlich ist es so: Mit neun zu zwei Stimmen ist das Angebot im Aufsichtsrat angenommen worden. Und die beiden Mitglieder, die für Nein gestimmt hatten, hätten eine erneute Kooperation auch akzeptiert. Aber die Vorgabe von Clemens Tönnies, der Einstimmigkeit gewünscht hatte, sprach dagegen. In den letzten Tagen habe ich mit Tönnies gesprochen. Dabei wurde auch thematisiert, wie doch noch eine Lösung gefunden werden kann, Schalke in dieser wirtschaftlich angespannten Situation zu unterstützen. Es ist in dieser Woche geschehen. Es gibt eine erfreuliche Soforthilfe durch die Vertragsverlängerung mit zwei Premiumpartnern: der Reinigungsfirma Stölting und dem Fleischwarenhersteller Böklunder, der zur Unternehmensgruppe Tönnies gehört.

Sollte Schalke absteigen, droht dann das Schicksal anderer ruhmreicher Traditionsclubs wie beispielsweise Lautern sowie Oberhausen oder RW Essen in der näheren Umgebung?

Ich hoffe es nicht. Und ich glaube an die Worte, die Finanzchefin Christiane Rühl-Hamers zuletzt in Interviews geäußert hat: Schalke könne ein Jahr in der 2. Liga überleben. Natürlich müssen dann rigorose Sparmaßnahmen auf allen Ebenen greifen.

Vor Werder Bremen gegen Schalke 04: Olaf Thon bittet Werder um Gnade

Glauben Sie noch an den Klassenerhalt?

Sicherlich, auch wenn momentan alle Zahlen und Statistiken gegen Schalke sprechen. Man muss daran glauben, so lange es es rein rechnerisch möglich ist. Ich bin mir indes auch bewusst, dass ein Wunder her muss, um das Unmögliche zu schaffen. Stichwort Werder: Die Bremer kennen sich doch mit Fußball-Wundern bestens aus.

Ist Platz 15 noch ein realistisches Ziel für Königsblau? Oder geht es nur um den Relegationsplatz?

Es wird schwer, den direkten Verbleib zu sichern. Doch es kann sehr schnell gehen. Wir können noch den Turnaround schaffen. Dann müssen allerdings die Big Points gemacht werden. Das wusste schon Boris Becker. Uns ist es gegen Bielefeld und Köln leider nicht gelungen, Werder in Berlin indes schon. Ich verweise auf die letzten vier Wochen, in denen sich einiges gedreht hat. Wer hat schon erwartet, dass es Werder am 18. Spieltag auf 21 Punkte bringt?

Werder Bremen gegen den FC Schalke 04 gibt es hier im DeichStube-Liveticker. Und so dürfte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen den FC Schalke 04 aussehen.

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