Sascha Riether vom FC Schalke 04
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Sascha Riether, Koordinator der Lizensspielerabteilung beim FC Schalke 04, spricht im DeichStube-Interview über das Krisenduell mit Werder Bremen.

DeichStube-Interview

17 Spiele ohne Sieg? „So zähle ich nicht“ - Teamkoordinator Riether über die Schalker Negativserie und den Krisengipfel mit Werder

Gelsenkirchen – Übergangslos vom Spieler zum Funktionär: Sascha Riether, Profi bei Schalke 04, Köln und Freiburg, Meister mit Wolfsburg im Jahr 2009, Legionär beim FC Fulham, wechselte im letzten Sommer beim Gelsenkirchener Traditionsclub auf die Führungsebene. Der 37-Jährige firmiert als Koordinator der Lizenzspielermannschaft, einer ähnlichen Rolle wie sie Clemens Fritz bei Werder Bremen einnimmt.

Der erfahrene Ex-Nationalspieler ist hautnah dabei im Tagesgeschäft beim Team von David Wagner. Im Gespräch mit der DeichStube, das noch vor den Corona-Fällen bei Schalke 04 geführt wurde, beleuchtet Sascha Riether die Lage vor dem Duell am Samstag gegen Werder Bremen und skizziert die Situation des in die Kritik geratenen Trainers: „David Wagner benötigt nicht meine Ratschläge.“

Verfolgt das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen Schalke 04 im Live-Ticker der DeichStube!

Samstag 18.30 Uhr in der Veltins-Arena, Schalke 04 gegen Werder Bremen. Das Topspiel, von der Deutschen Fußball-Liga und dem TV-Sender dazu erkoren. Ist diese Etikettierung nicht ein wenig übertrieben?

Ich erwarte ein interessantes Spiel zweier Mannschaften, die das erste Liga-Spiel verloren haben. Beide werden das Ziel der Wiedergutmachung verfolgen, um die Niederlage zum Auftakt vergessen zu machen. Es wird gewiss reizvoll und spannend.

Wie würden Sie denn die Partie betiteln? Krisengipfel oder Klassiker, der sich überlebt hat?

Ich habe schon vieles gelesen. Für mich ist es schlicht Schalke gegen Bremen am zweiten Spieltag der Fußball-Bundesliga.

Beide Mannschaften haben beim Auftakt enttäuscht. Sprechen Sie von einem Fehlstart?

Es hat für beide eine Niederlage am ersten Spieltag gegeben. Die Diskussionen darüber fielen deshalb deutlich aus, weil beide Teams keine so erfolgreiche letzte Saison gespielt haben. Wobei ich festhalten möchte: Wir hatten mit Bayern, der momentan wohl besten Mannschaft der Welt, den denkbar schwersten Gegner erwischt. Natürlich darf man sich dort dennoch nicht so präsentieren, wie wir es getan haben, und acht Tore kassieren.

Werder Bremen-Gegner Schalke 04 will Trainer-Diskussion um David Wagner beenden

Überrascht es Sie, dass sofort die Debatte um die Trainer eröffnet worden ist – sowohl in Gelsenkirchen als auch in Bremen?

Es ist der Tatsache geschuldet, die ich schon erwähnt habe: Die zuletzt ausgebliebenen Erfolge haben dazu geführt, dass in der Öffentlichkeit sofort wieder Diskussionen aufkommen. Das ist normal im Fußball. Wir im Club bewahren indes weiter die Ruhe und wollen mit Siegen dafür sorgen, dass die Debatten beendet werden.

Was können Sie In Ihrer Funktion als Koordinator der Lizenzspielerabteilung dazu beitragen?

Meine Aufgabe sehe ich darin, viele Gespräche mit Spielern zu führen und diese, wenn nötig, aufzubauen. Ich kann Ihnen schildern, wie ich als Profi solche negativen Phasen erlebt und wie ich mich verhalten habe. Zudem stehe ich in ständigem Austausch mit dem Trainerteam. Wir überlegen gemeinsam, was wir machen können und was wir ändern müssen.

Stichwort: Aufbauarbeit in Einzelgesprächen. Müssen Sie auch den angeschlagenen Trainer aufbauen?

Nein. David Wagner ist weiter sehr motiviert und engagiert. Er ist sehr erfahren und benötigt in dieser Hinsicht keine Ratschläge von mir. Er weiß, worauf es nun ankommt, welche Schlüsse er ziehen muss und wird dann die richtige Ansprache ans Team finden.

Als Spieler auf Schalke haben Sie die Phase unter dem ehemaligen Trainer Domenico Tedesco hautnah verfolgt. Was unterscheidet diese Zeit von der augenblicklichen Krise?

Auch unter Domenico Tedesco hatten wir nach einer tollen Saison eine Phase, in der wir nicht erfolgreich gespielt haben – mit dem Unterschied, dass wir damals sogar noch in der Champion League vertreten waren. Grundsätzlich finde ich es aber schwierig, Vergleiche zwischen Trainern und verschiedenen Spielzeiten zu ziehen.

Sascha Riether über Werder Bremen und Schalke 04: Druck nach Auftakt-Niederlagen normal

Mit Fährmann und Rudy, Bentaleb und Uth gelten nun Akteure, die in der letzten Spielzeit aussortiert und ausgeliehen waren, als Hoffnungsträger. Was steckt hinter diesem Plan?

Fußball ist ein Tagesgeschäft, die Situationen ändern sich manchmal rapide. Außerdem muss man die Geschichten hinter den Spielern individuell betrachten, da gibt es keine pauschale Aussage zu. Fakt ist: Wir haben nun eine andere Ausgangslage. Der Trainer hatte ihnen versprochen, dass sie alle wieder bei null starten. Sie haben sich bewährt und angeboten, sie haben Gas gegeben und eine gute Vorbereitung gespielt. Das hat David Wagner registriert und gibt ihnen nun die Chance.

Ist dies auch der Tatsache geschuldet, dass Schalke – wie übrigens auch Werder – aufgrund der wirtschaftlichen Probleme keine großen Sprünge auf dem Transfermarkt machen konnte?

Die Corona-Krise hat grundsätzlich Auswirkungen auf alle Erstligisten. Unabhängig davon freuen wir uns, die zurückgekehrten Spieler wieder erfolgreich ins Team integriert zu haben.

Zur Lage bei Werder, auch ein Verein im Krisenmodus: Sehen Sie Parallelen zu Schalke?

Beide haben keine gute Saison hinter sich. Da ist es ein Stück weit normal, dass schon nach einer Niederlage zum Auftakt Druck von außen kommt. Wobei Werder am Ende der vergangenen Saison sogar noch ein kleines Erfolgserlebnis feiern konnte: Für einige waren sie schon abgeschlagen, doch die Mannschaft hat es noch in die Relegation geschafft und dort den Klassenerhalt perfekt gemacht.

Werder Bremen und Schalke 04: Sascha Riether will sich mit Clemens Fritz austauschen

Das Schalker Erfolgserlebnis liegt schon länger zurück. 17 Spiele ohne Sieg...

. . . so zähle ich nicht. Wir haben eine neue Saison und schauen nur noch nach vorne. Wir haben die abgelaufene Spielzeit abgehakt.

Wie beurteilen Sie Werders Coach Florian Kohfeldt im Vergleich zu David Wagner?

Ich hatte mit Florian Kohfeldt noch nicht so viele Berührungspunkte, kann alles nur aus der Ferne beurteilen. Dass Bremen an ihm festgehalten hat trotz der schwierigen Phase im letzten Jahr, zeigt den Stellenwert, den er dort genießt.

Ihr Konterpart in Bremen ist Clemens Fritz, in diesem Sommer auf diese Stelle gerückt. Hatten Sie mit ihm schon einen Austausch?

Grundsätzlich ist es so, dass die Position, die wir nun bekleiden, relativ neu ist. Alles muss sich erst einspielen. In der Liga ist es normal, dass man sich austauscht, gerade wenn man sich schon seit Jahren als Spieler kennt. Bislang hatte ich mit Clemens noch keinen Kontakt, doch bei Gelegenheit werde ich in Zukunft mit ihm das Gespräch suchen.

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