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Ailton weinte, nachdem sein Wechsel zum FC Schalke 04 feststand, quasi wochenlang.

Wechsel-Hick-Hack zwischen Werder und Schalke

Eine Transfer-Historie mit fadem Beigeschmack

Bremen/Gelsenkirchen - Werder Bremen und Schalke 04 verbindet eine kleine, unschöne Tradition: die der geräuschvollen Spielertransfers! Ailton, Krstajic, Rost, Reck und Ernst – alles Spieler, die mit einigem Getöse aus Bremen nach Gelsenkirchen wechselten.

Zum Teil waren es sogar Transfers mit anrüchiger Note, eine Männer-Freundschaft zerbrach. In umgekehrter Richtung – also von Schalke zu Werder – liefen Spielerwechsel eher gesittet ab, hatten aber durchaus große Konsequenzen. Ein Blick zurück auf eine Auswahl besonderer Wechsel.

Es begann mit Klaus „Zickzack“ Matischak. Im Jahr 1964 holte Werder den Torjäger vom Revierclub. Zusätzlich zum gängigen Handgeld wurde Matischak damals auch die Herausgabe des Bremer Stadionheftes versprochen, eine zu dieser Zeit ebenfalls übliche Form der Bezahlung. Ohne den treffsicheren Stürmer landeten die Schalker in der darauffolgenden Saison abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz und vermieden den Abstieg nur dank einer Liga-Aufstockung. Werder wurde 1965 mit Matischak Meister.

Assauer-Wechsel sorgt für Kuriosum

Das nächste Kapitel der blau-grün-weißen Historie spielte sich etwa 17 Jahre später ab, nämlich im Mai 1981. Dieses Mal mit den Schalkern in der Rolle des Buhmanns. Sie angelten sich den Bremer Manager Rudi Assauer zur Unzeit. Das Pikante an dem Transfer: Werder, zu diesem Zeitpunkt in Liga zwei spielend, befand sich mitten im Saisonendspurt und steckte im Aufstiegskampf. Kurios: Der Neu-Schalker Assauer arbeitete in der Folge tatsächlich einige Wochen gleichzeitig (!) für beide Vereine.

Unter Assauers Führung wechselte 1984 etwa Klaus Fichtel von Werder zurück zu seinem Herzensclub Schalke. Mit 39 Jahren war Fichtel damals ältester Spieler der Bundesliga-Geschichte – seine Karriere beendete der Defensivspieler allerdings erst vier Jahre später endgültig. Während Assauers zweiter Amtszeit bei den Schalkern (1993-2006) begann dann eine echte Episode der Transferfehden zwischen Werder und Schalke. Im Jahr 1998 schnappte der Manager Werder den Torhüter Oliver Reck weg. Vier Jahre später wiederholt sich das Ganze – nur Reck hieß nun Frank Rost. 

Frank Rost (hier im Schalke-Trikot gegen Bremen) wechselte wie auch schon sein Vorgänger Oliver Reck von der Weser zu den Knappen.

Zeitgleich verpflichteten die Königsblauen auch Bremens damaligen Amateur-Trainer Frank Neubarth als Chefcoach für die Bundesliga-Mannschaft. Eine Maßnahme, die nur von mäßigem Erfolg gekrönt sein sollte, denn bereits neun Monate später entließ Assauer den ehemaligen Bremer Topstürmer wieder.

Der vierte Akt und vorläufige Höhepunkt des Transfer-Hick-Hacks zwischen Werder und Schalke spielte sich im Oktober des Jahres 2003 ab. Werder, zu diesem Zeitpunkt sensationell Bundesliga-Spitzenreiter, befand sich auf Kurs Herbstmeisterschaft, als Assauer innerhalb kürzester Zeit zwei Bomben platzen ließ: Erst Ailton, dann Mladen Krstajic. 

Ailton weint bittere Tränen

Zwei Säulen der angehenden Meister-Mannschaft wurden mit millionenschweren Handgeldern in den Pott gelockt. Die beiden Wechsel sorgten für ein Zerwürfnis zwischen dem damaligen Bremer Aufsichtsratsboss Franz Böhmert und Assauer.

Ailton gab Jahre später zu, dass er sich von Assauer ein Stück weit hatte übertölpeln lassen. Beim Abschied von Werder weinte er bittere Tränen und bezeichnete den Wechsel zu Schalke Jahre später als großen Fehler. Sein Berater hatte sogar noch versucht, den Transfer nachträglich zu annullieren.

Fabian Ernst versagen die Nerven - ausgerechnet gegen Schalke

Zwischen beiden Vereinen knisterte es auch in der Folgezeit. Nur ein Jahr nach Ailton und Krstajic folgte auch Nationalspieler Fabian Ernst dem Schalker Ruf. Anekdote zu seinem Wechsel: In einem seiner letzten Spiele in Grün und Weiß traf Ernst auf seinen künftigen Arbeitgeber.

Ex-Nationalspieler Fabian Ernst (hier im Duell mit dem ewigen Claudio Pizarro) wechselte im Jahr 2005 von Werder zu Schalke.

Es war das DFB-Pokal-Halbfinale auf Schalke, und es ging nach Toren von Tim Borowski (für Werder) und Ailton (für Schalke) ins Elfmeterschießen. Ernst trat als letzter Bremer Schütze an, rutschte aus, verschoss. Ebenfalls prekär: Der Ex-Bremer Frank Rost parierte Ernsts Schuss und verwandelte anschließend den entscheidenden Elfmeter. Und es schien, als sei der ganze Trubel zwischen Schalke und Werder in dieses eine Spiel gepackt worden.

Die folgenden drei Transfers in der Bremen-Schalke-Historie nahmen den umgekehrten Weg. Erst Sebastian Boenisch im Sommer 2007, vier Jahre später Lukas Schmitz – und dazwischen Mesut Özil. Fünf Millionen Euro zahlte Werder im Januar 2008 für den damals 19-Jährigen an die Schalker – es war rückblickend viel mehr war als eine Revanche für Ailton, Krstajic und Ernst. 

Mesut Özil zauberte sich in seiner Zeit bei Werder zu einem der besten Spieler der Bundesliga.

Özil entwickelte sich in den folgenden zweieinhalb Jahren bei Werder zu einem echten Glücksfall, steuerte in 109 Pflichtspielen sagenhafte 54 Torvorlagen bei. Özil wurde ein Weltstar, und Schalke hatte nichts davon als die vergleichsweise schmalen fünf Millionen Euro. Werder kassierte von Real Madrid 18 Millionen Euro – selbst das entsprach nicht wirklich Özils damaligem Marktwert.

Vom Publikumsliebling zum Söldner

Das vorerst letzte Kapitel des Bremer und Schalker Transfer-Zwists war dann wieder eins mit Krach und Zoff. In der Hauptrolle: Franco Di Santo! Nach einer starken Saison bei Werder mit 14 Toren wechselte er im Sommer 2015 dank einer Ausstiegsklausel nach Gelsenkirchen – urplötzlich und ausgerechnet am Bremer „Tag der Fans“. Minuten vor Bekanntgabe des Transfers hatte Di Santo noch behauptet, von nichts zu wissen. Argentinisches Schmierentheater.

In bislang 70 Bundesligaspielen für Schalke hat Di Santo nur fünf Tore erzielt – ein sportlicher Volltreffer sieht anders aus. Doch gemessen an dem, was das Transfer-Hick-Hack bisher an Geschichten produziert hat, muss fast schon davon ausgegangen werden, dass Di Santo seine Quote ausgerechnet am Samstagabend ausbaut. Dann ist der SV Werder mal wieder zu Gast auf Schalke. 

(mwi)

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