Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des SV Werder Bremen, ist schockiert von Fan-Gewalt und appelliert an die Ultras.
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Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des SV Werder Bremen, ist schockiert von Fan-Gewalt und appelliert an die Ultras.

Appell bei Mitgliederversammlung

Gewalt durch Werder-Fans schockiert Präsident Hess-Grunewald: „So geht es nicht weiter“

Bremen – Ein Angriff auf Polizisten nach dem Spiel gegen Atlas Delmenhorst im August, nun ein brutaler Überfall auf Fans von Schalke 04 – für Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des SV Werder Bremen, ist das Maß des Erträglichen längst überschritten.

„So kann es nicht weitergehen. Wir wollen keine Gewalt rund um unsere Spiele“, erklärte Hess-Grunewald auf der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen am Montagabend und redete vor allem den Ultras tief ins Gewissen.

Es sei aus seiner Sicht „unverständlich“, dass sie sich nach Gewalt-Eskalationen „nicht selbstkritisch äußern und klar positionieren“. Unterton: So wird Fan-Gewalt stillschweigend toleriert. Speziell nach dem Angriff auf mehrere Polizisten nach dem DFB-Pokal-Match gegen Atlas Delmenhorst, bei dem vier Beamte verletzt worden waren, hätte er ein Anti-Gewalt-Statement der aktiven Fan-Szene erwartet. Dass es bis heute nicht erfolgt ist, „ist mir unbegreiflich“, sagte Hubertus Hess-Grunewald. Die Ultras brächten sich damit „selber um den Lohn ihrer positiven Arbeit“. Der ansonsten „sensible Umgang mit sensiblen Situationen“ und der seit Jahren tolle Support stehe in einem starken Kontrast zu diesem Verhalten, so Hess-Grunewald.

Werder Bremen: Bei Gewalt hört die Toleranz auf

Das Verhältnis zwischen Werder Bremen und dem harten Kern der Ostkurven-Fans ist seit geraumer Zeit angespannt. Das hat mit den Protesten gegen Stadionsponsor Wohninvest sowie deren Folgeerscheinungen zu tun. Hess-Grunewald betonte, dass Werder weiterhin zum Dialog bereit sei und sich beim Blick auf die vergangenen Ereignisse auch nicht als unfehlbar einschätze. Der Dialog müsse aber auch angenommen werden: „Die Fähigkeit, Debatten zu führen, ist in diesen Zeiten wichtiger denn je. Das gilt für alle. Unsere Tür ist immer offen. Das macht Werder aus.“

Bei Gewalt höre die Toleranz aber auf. Hess-Grunewald gab Einblick, was im August nach dem Delmenhorst-Spiel abgelaufen war. Die vier verletzten Beamten hätten ihm bei einem Treffer auf Einladung des SV Werder von einer „fünfminütigen Gewaltszene“ berichtet: „Die Tritte gegen einen Polizeibeamten sind ein Tiefpunkt des Jahres gewesen. Wie wir jetzt wissen, war das Erschreckende an diesem Abend aber nicht der eine feige Tritt, sondern die Intensität der Gewalt insgesamt.“

Werder Bremen entsetzt: Attacke auf Fans von Schalke 04

So wurde einer Polizistin ein Pflasterstein „aus kurzer Distanz und mit voller Wucht“ Richtung Kopf geworfen. Zum Glück habe sie Sekunden vorher den Helm aufgesetzt, das Visier wehrte den Stein ab. Einer der damals verletzten Polizisten ist heute immer noch nicht wieder dienstfähig.

Am Samstag hatten 20 bis 30 teils vermummte Werder-Fans zwei Gäste-Fans des FC Schalke überfallen und verprügelt. Ein 47-Jähriger wurde schwer verletzt und musste stationär im Krankenhaus aufgenommen werden. (csa)

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