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Mit drei Toren haben die Bremer bereits jetzt genau so oft nach Eckbällen getroffen wie in der gesamten Hinrunde der Vorsaison.

Werder Bremen und die Standardschwäche

Gute Ecken, schlechte Ecken: Werders wechselvolle Standardthemen

Dortmund – Heute so, morgen so und übermorgen wieder anders? Werder Bremen und die Standards – das ist in den ersten Wochen der neuen Saison eine sehr wechselvolle Geschichte.

Nach dem fünften Spieltag waren es die vier Gegentore nach Eckbällen, die zum Thema wurden. Einen Spieltag später steht wiederum der Treffer zum 2:2 bei Borussia Dortmund im Fokus. Denn der Kopfball von Marco Friedl war bereits das dritte Bremer Tor nach einem eigenen Eckball. Es ist also ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das sich die bösen und die guten Standards miteinander liefern.

Werder Bremen: Ilia Gruev soll sich um Strategien bei ruhenden Bällen kümmern 

„Es wird gerne vergessen, wie viele Tore nach Standards wir schon gemacht haben“, sagt Trainer Florian Kohfeldt, der die Diskussion natürlich gerne weglenken möchte von den kassierten Toren. Und hin zu den erzielten. Denn das tut auch seinem Co-Trainer Ilia Gruev gut. Der Bulgare war vor der Saison verpflichtet worden, um das Trainerteam zu ergänzen und um sich um offensive und defensive Strategien bei ruhenden Bällen zu kümmern. Leicht nachvollziehbar, dass für ihn nicht jedes der bisherigen Spiele ein schönes Spiel war.

Werder Bremen: Partien gegen Hoffenheim und Leipzig geprägt von Standardgegentoren

„Ilia hat in den letzten Wochen oft im Büro gesessen und gesagt: ,Das gibt‘s doch gar nicht‘“, berichtet Kohfeldt. Vor allem die Spiele gegen Hoffenheim (2:3) und Leipzig (0:3) waren geprägt von Standardgegentoren. „Ilia hat dafür viel Verantwortung gespürt. Dabei ist es in letzter Konsequenz meine Verantwortung“, erklärt der Chefcoach.

Fakt ist: Mit drei Toren haben die Bremer bereits jetzt genau so oft nach Eckbällen getroffen wie in der gesamten Hinrunde der Vorsaison. Vielleicht ist auch das ein Gruev-Effekt...

Zur letzten Meldung vom 25. September

Werder und die Schwäche bei Standards: Dortmund als warnendes Beispiel

Bremen – Als Willi Orban sich hochschraubte und den Ball per Kopf ins Bremer Tor verlängerte, war es wieder da, dieses leidige Thema Standards. Nach einem Eckball war der SV Werder Bremen gegen RB Leipzig früh in Rückstand geraten, verlor am Ende deutlich mit 0:3. Und es ließ sich ob der Entwicklung der Niederlage feststellen: Nur mit Verletzungen hat Werder in der laufenden Saison mehr zu kämpfen als mit der Verteidigung der „ruhenden Bälle“.

Bereits sechs Gegentore hat das Team von Trainer Florian Kohfeldt nach den sogenannten Standards kassiert, das ist nach fünf Spieltagen der negative Höchstwert der Bundesliga. Und um zu veranschaulichen, wie man sich mit seiner Standardschwäche eine ganze Saison versauen kann, reicht ein Blick auf den kommenden Gegner des SV Werder Bremen: Borussia Dortmund. Dass der BVB in der vergangenen Spielzeit die Herbstmeisterschaft nicht in den Titelgewinn verwandeln konnte, hatte maßgeblich auch mit Gegentoren nach Ecken und Freistößen zu tun.

In der Rückrunde mussten die Dortmunder zwölf Treffer nach Standardsituationen hinnehmen – das war beinahe die Hälfte aller Gegentore in der zweiten Saisonhälfte (26). Kein anderer Verein war in diesem Zeitraum so anfällig, wenn die Bälle per Ecke oder Freistoß in den Strafraum flogen. Das kostete Punkte, viele Punkte. Borussia Dortmund verspielte am Ende ein Polster von neun Zählern auf den FC Bayern, wurde Zweiter statt Erster. Damals wurde die Schwäche auch damit erklärt, dass Verletzungen personelle Veränderungen in der Verteidigung nötig gemacht hatten. Ist das auch die Ursache des aktuellen halben Dutzends bei Werder Bremen?

Co-Trainer Ilia Gruev wurde von Werder Bremen für Training von Standardsituationen verpflichtet

„Nein“, sagt Maximilian Eggestein, Mittelfeldspieler von Werder Bremen, „mit Verletzungen hat das nichts zu tun.“ Bei Orbans Treffer sei „die Mischung aus Raum- und Manndeckung nicht gut“ gewesen, erklärt der 22-Jährige und will das Problem nicht auf jene verlagern, die fehlen. Sondern es bei denen belassen, die auf dem Feld stehen: „Wir müssen es einfach besser machen.“

Stimmt, das müssen sie. Schon nach dem 2:3 von Werder Bremen bei 1899 Hoffenheim – mit zwei Kopfball-Gegentoren nach Standardsituationen – hatte Kapitän Niklas Moisander das Defizit als „unser größtes Problem“ bezeichnet. Danach ist die Verletzungsmisere auf der Autobahn der Sorgen zwar rasant vorbeigezogen, doch die Schwäche beim Vermeiden der einfachen Tore ist geblieben – und das obwohl in Co-Trainer Ilia Gruev im Sommer ein Mann mit angeblicher Standard-Kompetenz verpflichtet wurde.

Werder Bremen: Gegentore nach Eckbällen sind ein Problem

Viermal hat es mittlerweile nach Ecken beimSV Werder Bremen eingeschlagen, einmal per Elfmeter (Union Berlin), einmal per direktem Freistoß (RB Leipzig). Freistoß und Elfmeter sind kaum zu vermeiden, die Eckball-Gegentore dagegen schon. Zum Beispiel indem ein Spieler am Pfosten postiert wird. Das hätte zwei, vielleicht sogar drei der vier Treffer verhindert. Trainer Florian Kohfeldt lehnt diese Absicherung jedoch ab, hat den Spieler lieber zur Verteidigung im Sechzehner zur Verfügung. Maxi Eggestein sagt allerdings: „Das wird hoffentlich diskutiert werden.“ Maßgeblich sei aber Torhüter Jiri Pavlenka. „Vielleicht ist es ihm ohne Mann am Pfosten lieber“, meint Eggestein.

Klar ist: Der SV Werder Bremen muss etwas verändern, um sich nicht weiter selbst das Leben schwer zu machen. Mehr als ein Standard-Gegentor pro Partie ist nichts, was mal eben so ausgeglichen werden kann. Christian Groß, seit zwei Spielen der Ersatzmann in der Bremer Abwehr, will in der Quote aber keinen Trend sehen, sondern nur eine Momentaufnahme, eine Anhäufung von unglücklichen Szenen. „Es entscheiden immer Kleinigkeiten. Da ist Glück und Pech im Spiel. Im Augenblick ist es, wie es ist. Aber ich glaube nicht, dass es dauerhaft so bleiben wird.“ (csa)

SV Werder Bremen: Gegentore nach Standards

1. Spieltag, 1:3 gegen Fortuna Düsseldorf

Kopfball Kaan Ayhan nach Ecke zum 1:3

2. Spieltag, 2:3 bei 1899 Hoffenheim

Kopfball Ermin Bicakcic nach Ecke zum 1:1

Kopfball Pavel Kaderabek nach Ecke zum 2:3

4. Spieltag, 2:1 bei Union Berlin

Elfmeter Sebastian Andersson zum 1:1

5. Spieltag, 0:3 gegen RB Leipzig

Kopfball Willi Orban nach Ecke zum 0:1

Direkter Freistoß Marcel Sabitzer zum 0:2

Weitere News zu Werder Bremen

Dass es Maxi Eggestein aktuell nicht ins von Ausfällen und Nachnomnierungen geprägte Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw geschafft hat, erregt bei Werder Bremen zwar nicht die Gemüter, aber nach Sportchef Frank Baumann hat sich auch Coach Kohfeldt klar pro Eggestein positioniert.

Leihspieler darf nur noch in der Oberliga ran: Nach der Degradierung bei Carl Zeiss Jena kritisiert Werder-Bremen-Sportchef Frank Baumann Ole Käuper scharf. Derweil könnte das Spiel von Werder Bremen gegen Borussia Dortmund die letzte große Bühne für Christian Groß sein. Für ihn tricksten die Grün-Weißen sogar bei der Aufstellung: Mamadou Kone wurde im Geheimtest gegen Hannover 96 von Werder Bremen eingesetzt. Das Bundesliga-Topspiel am sechsten Spieltag findet mit grün-weißer Beteiligung statt – alles zur Partie von Werder Bremen gegen Borussia Dortmund.

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