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Sebastian Langkamp bringt seine Teamkollegen gerne zum Lachen, spricht aber auch mal mahnende Worte.

Der dritte Innenverteidiger und seine Sonderaufgaben

Langkamp erklärt, warum sich alle Werder-Profis wohlfühlen

Bremen - Es war sein 163. Bundesliga-Spiel, also eigentlich nichts Besonderes mehr – könnte man meinen. Doch Sebastian Langkamp stand am Freitagabend gegen Wolfsburg seit Langem mal wieder in der Startelf, machte das, wofür er in erster Linie sein Geld bei Werder bekommt: verteidigen.

Der 30-Jährige hat bei den Bremern aber längst noch einen weiteren Job, Trainer Florian Kohfeldt hat ihn zum Führungsspieler ohne Stammplatz ernannt. Warum, das wird bei Langkamps Auftritt in einer Medienrunde deutlich. Langkamp hat stets auch das große Ganze im Blick und kann das sehr gut vermitteln.

„Gewisse Themen müssen wir innerhalb der Mannschaft händeln“, sagt Langkamp: „Die Trainer haben genug andere Sachen zu tun.“ Der Abwehrspieler meint damit die Stimmung innerhalb des Teams, die Hierarchie, das Einhalten von Regeln. Es müsse zum Beispiel verhindert werden, dass sich zu sehr Grüppchen bilden. Als Mitglied des Mannschaftsrats und als erfahrener Spieler schaue er da schon genauer hin. „Ich versuche, so zu sein, wie ich bin. Mal sind es mahnende Worte, mal ist es ein Spaß.“

„Ich leide, wenn ich auf der Bank sitze“

Besonders wichtig ist ihm der Umgang mit den Reservisten – und auch deren Auftreten. Schließlich ist er inzwischen selbst einer, hatte erst am siebten Spieltag seinen ersten Einsatz. „Ich leide, wenn ich auf der Bank sitze“, gesteht er: „Aber ich mache das auf eine Art und Weise, in der ich für die Mannschaft positiv bleibe und ihr helfen kann, wenn ich gebraucht werde.“

Diese Einstellung erwartet er auch von den Kollegen. Jeder müsse wissen, dass er in diesem so gut besetzten Kader auch mal nicht spielen oder sogar nur auf der Tribüne sitzen wird. Die Spieler aus der zweiten Reihe blieben auch deshalb extrem wichtig, um durch den Konkurrenzkampf das Niveau im Training hochzuhalten. Nur so könne eine Mannschaft Erfolg haben.

Dafür erwartet Langkamp aber auch eine Gegenleistung – und zwar vom Coach. Er fordert das nicht direkt, sondern drückt sich dabei ganz geschickt aus: „Das größte Lob für einen Trainer ist es doch, wenn die Spieler, die gerade nicht im Kader sind oder nicht spielen, sich trotzdem wichtig und gebraucht fühlen. Und das ist hier im Moment der Fall.“ Kohfeldt wird es gerne hören.

Genauso wie die Selbsteinschätzung von Langkamp. Der will sich mit seinen 1,91 Meter wahrlich nicht kleiner machen, als er ist, sagt aber: „Ich bin immer noch im besten Fußballer-Alter und traue mir zu, viele Spiele in einer Saison zu machen. Aber ich weiß um die Konkurrenzsituation. Wir haben nicht allzu blinde Spieler auf meiner Position.“ Gemeint sind Niklas Moisander und Milos Veljkovic. Beide sind gesetzt. Langkamp muss hoffen, dass einer ausfällt. So wie gegen Wolfsburg Veljkovic wegen seiner Gelb-Rot-Sperre.

Langkamp und die Reservistenrolle

„Ich finde mich nicht mit der Position des dritten Innenverteidigers ab, ich gebe mich damit nicht zufrieden. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen“, sagt er. Es ist die Antwort auf die Frage, ob er die Rolle als Backup immer noch ablehne. Bei seiner Verpflichtung Ende Januar hatte er noch klargestellt, dass er nicht als Ersatz nach Bremen gewechselt sei. Schließlich hatte eben diese Reservistenrolle ihn nach vielen erfolgreichen Jahren bei Hertha BSC zum Wechsel getrieben.

Sportlich gesehen, geht es ihm nicht viel besser. Doch offenbar gefällt ihm das Drumherum besser, ganz gewiss dabei auch die hohe Wertschätzung durch Kohfeldt, die besonderen Aufgaben im Team. Seine neue Heimat hat er ebenfalls schätzen gelernt. „Bremen ist eine lebenswerte Stadt. Ich habe schon sehr, sehr viele nette Menschen kennengelernt, die mich nicht in die Schublade Fußballer stecken. Mittlerweile habe ich hier auch zwei Kumpel außerhalb des Fußballs.“

Sebastian Langkamp: Seine Karriere in Bildern

Schon als 16-Jähriger wechselte Langkamp von Preußen Münster in die A-Jugend des FC Bayern München.
Schon als 16-Jähriger wechselte Langkamp von Preußen Münster in die A-Jugend des FC Bayern München. © imago
Bei den Münchnern spielte er drei Jahre in der U19 und führte sie als Kapitän fast zur Deutschen Meisterschaft.
Bei den Münchnern spielte er drei Jahre in der U19 und führte sie als Kapitän fast zur Deutschen Meisterschaft. © imago
Den nächsten Schritt in seiner Karriere wagte Sebastian Langkamp beim Hamburger SV II.
Den nächsten Schritt in seiner Karriere wagte Sebastian Langkamp beim Hamburger SV II. © imago
Nach einem Jahr beim HSV wechselte er zum Karlsruher SC und wurde dort vorerst in der zweiten Mannschaft eingesetzt. In 29 Einsätzen kam er auf drei Tore.
Nach einem Jahr beim HSV wechselte er zum Karlsruher SC und wurde dort vorerst in der zweiten Mannschaft eingesetzt. In 29 Einsätzen kam er auf drei Tore. © imago
Aufgrund der guten Leistungen in der zweiten Mannschaft wurde er in die Profimannschaft hochgezogen.
Aufgrund der guten Leistungen in der zweiten Mannschaft wurde er in die Profimannschaft hochgezogen. © imago
Auch für die Nationalmannschaft lief Langkampf auf. Zweimal spielte er für die U18, fünfmal lief er für die U21 auf.
Auch für die Nationalmannschaft lief Langkampf auf. Zweimal spielte er für die U18, fünfmal lief er für die U21 auf. © imago
Nach vier erfolgreichen Jahren beim Karlsruher SC wechselte der Innenverteidiger 2011 zum FC Augsburg.
Nach vier erfolgreichen Jahren beim Karlsruher SC wechselte der Innenverteidiger 2011 zum FC Augsburg. © imago
Nachdem er zwei Spielzeiten bei den Fuggerstädtern verbracht hatte, wechselte er 2013 zu Hertha BSC.
Nachdem er zwei Spielzeiten bei den Fuggerstädtern verbracht hatte, wechselte er 2013 zu Hertha BSC. © imago
Insgesamt absolvierte er 121 Pflichtspiele für die Herthaner - in fünf Jahren -, ehe er im Winter 2018 nach Bremen wechselte. 
Insgesamt absolvierte er 121 Pflichtspiele für die Herthaner - in fünf Jahren -, ehe er im Winter 2018 nach Bremen wechselte.  © gumzmedia
Sein Startelfdebüt gab er am 27. Spieltag beim 3:1-Erfolg über den FC Augsburg.
Sein Startelfdebüt gab er am 27. Spieltag beim 3:1-Erfolg über den FC Augsburg. © gumzmedia
Langkamp entwickelte sich bei Werder zum Ersatz-Innenverteidiger. Wenn er gebraucht wird ist er jedoch zur Stelle, wie am 13. Spieltag beim Heimspiel gegen Bayern München.
Langkamp entwickelte sich bei Werder zum Ersatz-Innenverteidiger. Wenn er gebraucht wird ist er jedoch zur Stelle, wie am 13. Spieltag beim Heimspiel gegen Bayern München. © imago

Das ist ihm wichtig. Es gibt eben auch ein Leben neben dem Fußball. Dazu gehört natürlich seine Freundin. Für die sei sein Einsatz gegen Wolfsburg allerdings nicht ganz so angenehm gewesen, wie Langkamp mit einem breiten Grinsen berichtet: „Diesen Mix aus kompletter körperlicher Erschöpfung und mentaler Müdigkeit nach 90 Minuten Fußball habe ich schon vermisst. Das ist dann nur doof für meine Freundin, denn der Tag danach ist nicht immer ganz so leicht für sie. Ich kann da selbst mit mir nicht so viel anfangen.“

Die Mannschaft konnte zuvor aber sehr viel mit ihm anfangen. Erstmals in dieser Saison spielte Werder zu null. „Das ist natürlich kein Zufall“, merkt Langkamp an und lacht. Das allein an ihm festzumachen sei „Quatsch“. Er schaut lieber aufs große Ganze: „Es war wichtig für uns als Mannschaft, diese hektischen Phasen im Spiel ohne Gegentor überstanden zu haben. Wir können also auch Spiele über die Zeit bringen. Das ist ein Attribut, das uns bislang noch ein bisschen gefehlt hat.“

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