Sebastian Langkamp macht bei der 1:2-Niederlage des SV Werder Bremen gegen Schalke 04 in einer Szene eine besonders unglückliche Figur. Sein Bock oder ein Schiedsrichter-Fehler?
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Sebastian Langkamp macht bei der 1:2-Niederlage des SV Werder Bremen gegen Schalke 04 in einer Szene eine besonders unglückliche Figur. Sein Bock oder ein Schiedsrichter-Fehler?

Knifflige Szene bei Werder gegen Schalke

Fehler oder Foul? Werder-Verteidiger Langkamp kritisiert Schiedsrichter: „Er hat keine Linie“

Bremen – Benito Raman war längst jubelnd abgedreht, ließ sich ausgiebig für sein Tor zum 2:0 feiern, während Sebastian Langkamp noch immer mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen lag – und für einen kurzen Moment, da wirkte es so, als versuche der Innenverteidiger des SV Werder Bremen irgendwie im Boden zu versinken.

Schließlich hatte Sebastian Langkamp in der Szene zuvor, 53. Minute im Heimspiel des SV Werder Bremen gegen Schalke 04, alles andere als gut ausgesehen. Ein Stockfehler, ein folgenschwerer Aussetzer – so hatte er dem schnellen Raman den Weg zum Tor geebnet. Langkamp selbst hatte die Szene aber ganz anders wahrgenommen, wie er nach dem Spiel zu Protokoll gab. Tenor: Foul statt Fauxpas!

Werder Bremen: Sebastian Langkamp hadert mit dem Schiedsrichter

„Meiner Meinung nach trifft er mich. Der Kontakt ist da“, sagte Sebastian Langkamp – und äußerte Kritik an der Leistung von Schiedsrichter Benjamin Cortus: „Er ist pingelig im Pfeifen und hat keine Linie. Wenn er so pfeift, dann muss er diese Szene auch pfeifen.“ Cortus tat es nicht, verzichtete auch darauf, sich die Situation am Monitor noch einmal anzusehen – was ganz sicher kein Fehler des Unparteiischen war. Ein klares Foul von Raman lag nicht vor.

Das räumte auch Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach der Partie ein. „Es ist keine klare Fehlentscheidung“, sagte der 37-Jährige, erinnerte aber an Werders Auswärtsspiel in Gladbach, als den Bremern nach vermeintlichem Foul von Milot Rashica an Denis Zakaria ein Tor von Yuya Osako aberkannt wurde. „Dieses Mal war es eine ähnliche Situation. Dementsprechend kann sich jeder seinen eigenen Reim darauf machen“, sagte Kohfeldt, der allerdings auch Sebastian Langkamp nicht komplett freisprechen wollte: „Er nimmt mit Sicherheit einen Ballkontakt zu viel.“ Der Trainer hatte dem 1,91-Meter-Mann den Vorzug vor Christian Groß gegeben. „Basti hatte eine gute Trainingswoche. Das hat den Ausschlag für ihn gegeben.“

Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit hatte Raman den Innenverteidiger mit hohem Tempo angelaufen, ihn damit unter Druck gesetzt – und auf diese Weise eine Art Blaupause der Bremer Probleme an diesem Spieltag gezeichnet. „Schalke kommt mit Tempo, wird sind passiv“, monierte Sportchef Frank Baumann – und forderte: „Wir müssen es dem Gegner schwerer machen, durchzukommen.“ Es waren Sätze, die der 44-Jährige auch auf Werders ersten Gegentreffer, erzielt von Amine Harit, bezog. Alles unglücklich gelaufen, irgendwie. Wieder einmal. Sebastian Langkamp fasste es folgendermaßen zusammen: „Solche Tore kriegst du halt, wenn du die Scheiße am Fuß hast. Wir sind unten angekommen.“

Werder Bremen: Das sagt Florian Kohfeldt zur Langkamp-Szene

Das weiß freilich auch Trainer Florian Kohfeldt. Und er weiß, dass es in „unserer schweren Situation“ nichts bringt, sich beim SV Werder Bremen gegenseitig die Schuld daran zuzuweisen. Deswegen auch sein Schlusswort, mit dem er die öffentliche Diskussion um die Langkamp-Szene inklusive Nicht-Eingreifen des Video-Schiedsrichters beendete: „Wir müssen damit leben. Es ist nicht die Zeit nach Entschuldigungen zu suchen. Es ist die Zeit, sich der Situation zu stellen und gemeinsam da durch zu gehen.“ (dco)

Zur letzten Meldung vom 23. November 2019:

Sebastian Langkamp: Plötzlich für Werder wieder unverzichtbar

Sebastian Langkamp ist lange genug dabei, kennt das Geschäft, weiß, wie es läuft. Und deshalb, nun ja, fiel die persönliche Zukunftsprognose des Innenverteidigers von Werder Bremen zum Thema Einsatzchancen an diesem Abend im Oktober auch eher trist aus.

Update: Sebastian Langkamp steht wie erwartet in der Startelf. Hier gibt es Werder Bremen gegen Schalke 04 im Liveticker.

„Meine Chancen sind nicht gerade gestiegen“, sagte Sebastian Langkamp nach der 0:1-Testspielniederlage beim FC St. Pauli. Und in der Tat: Nach der Verpflichtung von Ömer Toprak und nach dem steilen Aufstieg von U23-Aushilfe Christian Groß schien der 31-Jährige in der Innenverteidiger-Hierarchie des SV Werder Bremen auf den letzten Platz abgerutscht zu sein. Sechs Wochen später, an diesem Samstag, wird er nun für Werder gegen Schalke 04 sehr wahrscheinlich in der Startelf stehen - zum zweiten Mal in Folge in dieser Saison.

Werder Bremen: Sebastian Langkamp musste sich nach Verletzung hinten anstellen

„Basti war für mich zu jedem Zeitpunkt der Saison ein ganz wichtiger Ansprechpartner“, sagt Werder-Trainer Florian Kohfeldt - und hebt hervor: „Er hat von mir zu keinem Zeitpunkt das Gefühl bekommen, dass ich ihn nicht mehr brauche.“ Und dennoch: Rosig sah es für den 1,91-Meter-Mann lange nicht aus. Während der Saisonvorbereitung fiel er mit einem Muskelfaserriss nahezu komplett aus und musste bis zu seinem Comeback gegen St. Pauli mit ansehen, wie die Konkurrenten vorbeizogen. Dann kam auch noch Toprak, dann kam dieser Langkamp-Satz in Hamburg - und dann kam doch irgendwie alles anders.

Nach seiner Genesung stellte sich Langkamp zunächst hinten an, saß in Frankfurt, gegen Hertha und in Leverkusen 90 Minuten auf der Bank, ehe er im Pokalspiel gegen Heidenheim erstmals wieder auflief. „Das war kein Zufall“, sagt Kohfeldt, „Basti ist im Mannschaftsrat und ein Führungsspieler.“ In der Bundesliga spielte der Verteidiger erstmals gegen Freiburg, vier Minuten lang.

Werder Bremen: Sebastian Langkamp profitiert von Ömer Topraks und Niklas Moisanders Verletzungen

In Gladbach dann der erste Einsatz in der Startelf, nachdem sich Toprak beim Aufwärmen verletzt abgemeldet hatte. Da der Neuzugang für den Rest des Jahres ausfällt, und auch die Rückkehr von Kapitän Niklas Moisander weiter auf sich warten lässt, ist Langkamp plötzlich wieder mittendrin - und am Samstag im Spiel von Werder Bremen gegen Schalke 04 wohl in der Startelf.

„Basti hat immense Erfahrung in der Bundesliga, er ist ein gestandener Spieler, weiß um seine Fähigkeiten, und er strahlt auf dem Spielfeld auch etwas aus“, lobt Kohfeldt. Sebastian Langkamp dürfte aber noch etwas wissen - nämlich dass es für ihn wieder eng wird, wenn eines Tages alle Innenverteidiger zur Verfügung stehen. Auch das hatte er vor sechs Wochen, an diesem Oktoberabend in Hamburg, bereits gesagt: „Wenn alle fit sind, muss ich um meinen Platz kämpfen.“ (dco)

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