Sebastian Langkamp, ehemaliger Spieler von Werder Bremen, hat heftige Kritik am Profi-Fußball geübt - und im Umgang mit Geld Veränderungen gefordert!
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Sebastian Langkamp, ehemaliger Spieler von Werder Bremen, hat heftige Kritik am Profi-Fußball geübt - und im Umgang mit Geld Veränderungen gefordert!

Früherer Werder-Spieler mit Kritik

Ex-Werder-Spieler Sebastian Langkamp kritisiert Profi-Fußball: „Du bist eine Marionette, eine Kuh, die gemolken wird“

Bremen – Schon seit mehr als einem Jahr ist Schluss. Sebastian Langkamp hat seine Karriere als aktiver Fußballer beendet. Ein halbes Jahr nach seinem Aus beim SV Werder Bremen hatte es ihn noch nach Australien gezogen, doch die Zeit bei Perth Glory war 2021 nur ein kurzer Abstecher. Gerade einmal zwei Spiele hat der Innenverteidiger für das A-League-Team absolviert, dann zog er die Reißleine. Wohlüberlegt, gut vorbereitet und ohne Wehmut. Gegenüber „transfermarkt.de“ hat der 34-Jährige jetzt nicht nur bemerkenswert offen über sein Karriereende gesprochen, sondern auch grundsätzliche Kritik am System Profifußball geübt, das er inzwischen auch aus anderer Perspektive kennt.

„Es war natürlich ein langer Prozess, der eine Selbstreflektion beinhaltet hat“, berichtet Sebastian Langkamp. „Meine körperliche Verfassung war nicht mehr so. Wenn du mehr Zeit im MRT oder in der Reha verbringst als auf dem Platz mit deinen Teamkameraden, dann sollte man sich eingestehen, dass die Zeit als Fußballprofi zu Ende geht.“ Doch ganz so einfach ist das meistens nicht. „Natürlich hat man Angst vor dem Karriereende, möchte es hinauszögern, weil man nicht weiß, ob man ansatzweise wieder etwas findet, das einen ähnlich erfüllt wie der Profifußball. Ich glaube, weil ich im mentalen Bereich gut aufgestellt war, fiel mir der Übergang leichter, und ich bin nicht in das klassische Loch des Ex-Profis gefallen.“

Ex-Werder-Bremen-Spieler Sebastian Langkamp: „Natürlich hat man Angst vor dem Karriereende“

Schon während seiner Zeit bei Werder Bremen, als er über die Rolle als Ergänzungsspieler nicht mehr hinauskam, hat sich Sebastian Langkamp auf die Zeit nach der Karriere vorbereitet. Er begann ein Studium im Bereich Sportpsychologie. Wohl nicht zuletzt dadurch hat der Ex-Profi einen differenzierten Blick auf das Spiel und dessen Protagonisten gewonnen. Er hat festgestellt: „Viele Spieler trauen sich nicht, offen über ihre Ängste zu sprechen oder Sorgen zu äußern. Die häufigste Angst ist die Versagensangst, verbunden mit der Austauschbarkeit. Wenn man ehrlich ist, spielt man jede Woche um seinen Vertrag.“ Auch Langkamp hat das erlebt. „Als Fußballer steckst du natürlich in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite bist du eine Marionette, eine Kuh, die gemolken wird, bis es nicht mehr geht, auf der anderen Seite bekommst du extrem viel Geld.“ Langkamp fordert: Der Mensch müsse an erster Stelle stehen und nicht der Fußballer, „mit dem man machen kann, was man will“.

Ex-Werder-Bremen-Spieler Sebastian Langkamp über Zeit in Berlin: „Ich habe die Anonymität geliebt, mich hat keiner angesprochen“

Der Abwehrspieler, der für den Karlsruher SC, den FC Augsburg, Hertha BSC und Werder Bremen insgesamt 188 Mal in der Bundesliga und 50 Mal in der 2. Liga spielte, war schon während seiner Laufbahn nicht unbedingt der typische Bundesliga-Spieler – ein Star wollte er nie sein. Gerade während seiner Zeit in Berlin passte das sehr gut: „Ich muss sagen, ich habe die Anonymität geliebt. Wenn ich abends im Kiezmarkt eine Packung Kartoffelchips geholt habe, hat mich keiner angesprochen.“ Überhaupt wirkt Sebastian Langkamp nicht unglücklich, dem Profi-Geschäft inzwischen den Rücken gekehrt zu haben. An der Überflutung des Sports mit Geld übt er harsche Kritik.

Ex-Werder-Bremen-Spieler Sebastian Langkamp über den Profi-Fußball: „Das Geld macht vieles kaputt“

„In erster Linie liebe ich den Fußball, aber es läuft vieles falsch. Das Geld macht vieles kaputt“, sagt Sebastian Langkamp. „Die heutige Generation hat das große Problem, dass man ihr die Selbstständigkeit und Entscheidungsfähigkeit abtrainiert beziehungsweise abgenommen hat.“ In seiner Jugend habe der ehemalige Profi von Werder Bremen 400 Euro verdient und musste sich „um alles selbst kümmern“. Das sei jetzt anders – und hätte Folgen. „Die heutigen Jugendspieler können mit ihrem Gehalt fast schon die ganze Familie ernähren. Daraus entwickeln sich auch Profis, die satt sind. An dieser Stelle müsste ein komplettes Umdenken stattfinden, denn nur so könnte sich der Fußball wieder zu einem besseren wenden.“ (han)

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