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An Fußballspielen ist für Ex-Werder-Bremen-Keeper Sebastian Mielitz aufgrund des Coronavirus vorerst nicht zu denken.

Torhüter reist zum Training über die dänische Grenze

Ex-Werder-Torwart Sebastian Mielitz: Ein Grenzgänger in der Corona-Krise

Bremen/Glücksburg – Wenn Sebastian Mielitz zum Training fahren will, dann muss er über die Grenze. Das ist für den ehemaligen Profis des SV Werder Bremen allerdings längst Normalität. Schließlich spielt er schon seit fast drei Jahren für den dänischen Club SönderjyskE, lebt aber mit seiner Familie im 70 Kilometer entfernten Glücksburg in Deutschland.

Wegen der Coronakrise ist die Grenze nun jedoch dicht, der Fußball ruht auch in Dänemark. Sebastian Mielitz pendelt trotzdem weiter, weil im Nachbarland unter besonderen Bedingungen wieder trainiert werden darf.

„So eine Situation hatten gwir doch noch nie, deswegen kann es das perfekte Rezept dafür gar nicht geben. Ich halte die Maßnahmen, die getroffen wurden, für angemessen“, sagt Mielitz. Mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern (ein und vier Jahre alt) versucht er, die sozialen Kontakte so gering wie möglich zu halten: „Das ist gerade bei den Kleinen gar nicht so einfach. Aber wir haben einen Garten, das geht. Obwohl der Rasen schon ganz schön mitgenommen aussieht.“ Denn Sohn Moritz ist so etwas wie sein Privattrainer geworden, schießt dem Keeper die Bälle um die Ohren.

Ex-Werder-Bremen-Keeper Sebastian Mielitz durfte in Dänemark nicht mit Team trainieren

Der Ligabetrieb wurde bereits in der vergangenen Woche unterbrochen. Dann wurde diskutiert, ob und wie die Mannschaften weiter trainieren können. Ein Vorschlag: Die Teams sollten in zwei Gruppen geteilt werden und sich in verschiedenen Kabinen umziehen. „Maximal zwei Profis sollten gleichzeitig duschen“, erzählt der Ex-Bremer. Doch dazu kam es nicht. Am Samstag untersagte die zuständige Divisionsvereinigung jegliches Training.

Inzwischen wurde das Verbot wieder aufgehoben. „Es darf in Gruppen mit bis zu fünf Spielern trainiert werden. In einer Gruppe müssen aber immer dieselben Spieler sein“, berichtet Mielitz. Der 30-Jährige bildet dabei eine kleine Spezialgruppe – mit dem zweiten Keeper und dem Torwarttrainer. Es wird auch nicht auf dem Gelände von SönderjyskE geübt, sondern auf einer Anlage, die für alle Beteiligten logistisch günstiger liegt.

Dafür muss Mielitz trotzdem über die Grenze, die inzwischen von beiden Seiten dicht gemacht worden ist, „Als Pendler darf ich rüber“, erzählt Mielitz. Er weist sich mit seiner dänischen Krankenversichertenkarte aus – und sein Club habe ihm empfohlen, die Gehaltsabrechnung als Beleg immer dabei zu haben. „Die Zahlen habe ich aber geschwärzt“, schmunzelt der Ex-Werder-Profis, der von 2005 bis 2014 für die Grün-Weißen gespielt hat und dabei 62 Mal in der Bundesliga zum Einsatz gekommen ist.

Ex-Bremer Sebastian Mielitz hat Verständnis für die Ungewissheit wegen des Coronavirus

Wie lange die dänische Superliga wegen des Coronavirus pausiert, ist völlig offen. „Es kann doch auch keiner wissen, wie es wirklich geht“, hat Mielitz Verständnis für diese Ungewissheit. Die sportliche Situation spielt deshalb erst mal eine Nebenrolle. Wenngleich der Torwart natürlich unbedingt die Klasse mit seinem Club halten möchte. Kurz vor Ende der regulären Saison droht die Abstiegsrunde mit vier Clubs, von denen der Tabellenletzte absteigt und der Vorletzte in die Relegation muss. Die Liga soll von 14 auf zwölf Clubs verkleinert werden. Auch deshalb will der Verband die Saison unbedingt zu Ende spielen.

Vor der Unterbrechung gab es schon Geisterspiele. Wie beim 1:1 von SönderjyskE gegen Odense. „Keine Zuschauer, Regen, Wind – alles, was du nicht willst“, erinnert sich Mielitz nur ungerne an die Partie. Eine gute Lösung sei das nicht. Aber er will sich da nicht zu sehr einmischen und wird so lange den Grenzgänger geben, wie es vertretbar ist. „Das Wichtigste ist doch unsere Gesundheit“, sagt Mielitz und denkt dabei vor allem auch an seine Familie. (kni)

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