Prödl schreibt für die DeichStube

„Keiner wünscht sich Feuer unterm Arsch!“

Nachdem wir in London mit einem aufregenden 3:3 gegen Liverpool sehr ordentlich in die neue Saison gestartet sind, geht's jetzt auch für Werder so richtig los.

Ich habe mich sehr gefreut, dass Werder ohne Probleme die erste Pokalhürde genommen hat. Das war sehr wichtig. Das sind Momente, von denen jeder ausgeht, aber die nicht so selbstverständlich sind. Es zeigt, dass der Konzentrationslevel in Bremen sehr hoch ist.

Die Ergebnisse in der Vorbereitung waren in Ordnung, und jetzt wartet in der TSG Hoffenheim gleich ein Aspirant auf die Champions League. Ich finde es gut, wenn du zum Start gleich einen großen Gegner vorgesetzt bekommst, der ein echter Gradmesser ist. Zum Saisonbeginn ist der Druck auf uns Profis noch nicht so groß. Das kommt erst so richtig bei negativen Erlebnissen. Werder konnte damit in der letzten Saison gut umgehen. Wir wünschen uns alle eine sorgenfreie Spielzeit, und keiner wünscht sich, Feuer unterm Arsch zu haben.

Echte Typen verloren gegangen

Die Transfers kann ich noch schwer einschätzen. Es gab namhafte Abgänge. Vor allem in Clemens Fritz und Claudio Pizarro sind echte Typen verloren gegangen. Das waren Führungspersönlichkeiten, die in der Kabine gesagt haben, in welche Richtung es gehen muss. Jetzt müssen andere in ihre Fußstapfen treten und an den neuen Herausforderungen wachsen. 

Frank Baumann wird sicher versuchen, den Kader insgesamt noch zu verkleinern. Für die Abwehr wird, denke ich, aber noch ein Backup gesucht, denn Moisander, der ohnehin gerade verletzt ist, und Sane hatten in der vergangenen Saison immer mal wieder mit Wehwehchen zu kämpfen. Falls da weitere Verletzungen dazu kommen, könnte es eng werden.

Viele fragen mich als Ex-Bremer, warum Werder fast schon traditionell jede Saison viele Gegentore bekommt. In Bremen hat sich schon unter Thomas Schaaf die Philosophie etabliert, dass du immer ein Tor mehr schießen musst, als der Gegner. Werder steht für Spektakel – und der großartige Support im Weserstadion treibt dich nach vorne. Alle wollen offensiven Fußball sehen, da ist es oft schwer, nicht mitgerissen zu werden. Aber durch die Änderung des Systems auf eine Dreierkette spürt man, dass Trainer Nouri und die Jungs an einer Verbesserung im Defensivverhalten arbeiten.

Wiedwald medial mit der Mistgabel durch den Stall getrieben

Was den neuen Torhüter Jiri Pavlenka betrifft, muss man noch abwarten. Torhüter hatten es in Bremen seit Tim Wiese immer schwer – und auch Felix Wiedwald wurde im Herbst medial mit der Mistgabel durch den Stall getrieben. In der Rückrunde hielt er dann sehr konstant und hätte eigentlich eine Chance verdient gehabt. Aber man muss die Entscheidung der Verantwortlichen akzeptieren.

Ich bin eigentlich sehr optimistisch, dass Werder in Hoffenheim punkten kann. Viele Mannschaften, die erstmals international spielen, haben in der Liga Probleme. Oft sind die Spieler von Teams wie Liverpool so fasziniert, dass es ihnen dann schwerfällt, den Schalter wieder umzulegen. Und Hoffenheim hat, wie man gegen Liverpool sehen konnte, noch Schwierigkeiten, den Abgang von Rudy und Süle zu kompensieren. Jedenfalls freue ich mich auf ein heißes Duell zweier Mannschaften, die mit großen Ambitionen in die Saison gehen. Wie wir aus der Vergangenheit wissen, gab es da oft sehr spektakuläre Partien mit vielen Toren.

Sebastian Prödl

Sebastian Prödl: Der 30-Jährige hat von 2008 bis 2015 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. Seit 2015 verteidigt der Österreicher für den FC Watford in der englischen Premier League - und wurde von den Fans seines Clubs zum besten Spieler der Saison 2016/17 gewählt. Prödl ist natürlich Nationalspieler (63 Einsätze) - und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

– Dieser Artikel wird unterstützt von Josef Prödl Tischlerei GmbH.

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