DeichBlick-Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

Schaaf, Zladdi und der letzte Cent

Von Sebastian Prödl. Zum Anfang ein Satz, der von Herzen kommt: Glückwunsch zum Klassenerhalt, Werder Bremen!

Jetzt bin ich gespannt, wie es in der neuen Saison weitergeht. Die Ausgangssituation bewerte ich als solide und hoffnungsvoll. Viel hängt jedoch davon ab, welche Personalentscheidungen die Bremer in den kommenden Wochen treffen werden.

Dass Zladdi Junuzovic den Club verlassen wird, hat sich schon länger abgezeichnet. Es wurde lange ohne Einigung verhandelt – da ist es verständlich, dass ein Spieler mit fast 31 Jahren nicht mehr bis zur Sommerpause warten will und sich anderweitig umschaut. Ein logischer Schritt, und ich denke, dass er sich einen schönen Abschied verdient hat. Zladdi hat in seiner langen Zeit bei Werder große Leistungen gezeigt, war an vielen wichtigen Toren beteiligt, wurde zum Kapitän. Irgendwann wird er die Bilder mit der Kapitänsschleife an seinem Arm voller Stolz seinen Kindern zeigen.

Auch mir ist der Abschied von Werder sehr schwer gefallen

Natürlich tut so ein Abschied weh, aber Werder hat nicht bis zum letzten Cent um Junuzovic gekämpft – das ist legitim und muss man akzeptieren. Mit Juno verlieren sie zwar einen Großverdiener, bekommen aber auch keine Ablöse. Bei Thomas Delaney liegt der Fall anders: Er ist fünf Jahre jünger als Zladdi und kann Werder bei einem Transfer in die Premier League viel Geld einbringen. Der Verein ist ja nach wie vor auf gewinnbringende Transfers angewiesen.

Auch mir ist 2015 der Abschied von Werder sehr schwer gefallen, und ich habe lange alle Argumente abgewogen, bevor ich nach England gewechselt bin. Der Drang, etwas Neues zu erleben und mich als Profi und Mensch weiter zu entwickeln, war für mich ausschlaggebend. Heute weiß ich, dass die Entscheidung richtig war. Aber ich bin auch sehr stolz, dass die vielen schönen Kontakte nach Bremen bis heute aufrecht geblieben sind. Und dann kommt es sogar vor, dass alte Kontakte eine neue Aktualität bekommen – wie jetzt mit Thomas Schaaf.

Meine Meinung dazu: Seine Heimkehr rundet seine erfolgreiche Karriere perfekt ab. Schaaf hat viel geleistet für Bremen und wird auch in Zukunft dem Verein mit seiner ganzen Erfahrung und menschlichen Qualität helfen. Mit ihm kommt eine Identifikationsfigur zurück, die für die Stimmung und das Innenleben in einem Club enorm wichtig ist. Man muss sich das mal vorstellen: Schaaf war 41 Jahre bei Werder – und jetzt werden noch einige als Technischer Direktor dazukommen.

Wir Spieler waren niedergeschlagen

Ich kann mich übrigens noch gut daran erinnern, als er 2013 gehen musste: Nicht nur der Trainer, sondern auch wir Spieler waren niedergeschlagen. Schaaf hatte uns zu Werder geholt, uns vertraut und zu besseren Spielern gemacht. Dass seine Zeit als Werder-Trainer irgendwann zu Ende gehen würde, wusste er, aber es hat ihn dennoch tief getroffen. Ich freue mich jedenfalls sehr über seine Rückkehr zu Werder, und ich weiß, dass auch in Bremen die Freude groß ist.

Sebastian Prödl

Zur Person: Sebastian Prödl hat von 2008 bis 2015 insgesamt 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. Seit 2015 verteidigt der 30-jährige Österreicher für den FC Watford in der englischen Premier League – und wurde von den Fans seines Londoner Clubs zum besten Spieler der Saison 2016/17 gewählt. Der FC Watford liegt aktuell auf Rang elf. Prödl ist natürlich Nationalspieler (66 Einsätze) – und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

- Dieser Artikel wird unterstützt von Josef Prödl Tischlerei GmbH

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