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Delaney und Gnabry im Training, beobachtet von Coach Nouri.

„Keiner ist größer als das Team“

Gnabry und Delaney - Promi-Profis auf der Werder-Bank

Drehen wir mal ein bisschen an der Uhr – und zwar nach hinten. Nur um ein paar Wochen, zurück in den Spätherbst und Winter. Damals wurde viel gesprochen über Serge Gnabry. Darüber, dass er Werder Bremen mit seinen Aktionen und Toren überhaupt nur am Leben hält. 

Wenig später wurde dann auch Thomas Delaney ein Bremer und in Windeseile zum nächsten „Ohne-den-geht-es-nicht“-Spieler im Kader. So war das. 

Als dann aber am Samstag vor dem Anpfiff des Spiels gegen Hertha BSC sowohl Gnabry als auch Delaney nur auf der Ersatzbank saßen, wurde dies zwar mit einiger Verwunderung zur Kenntnis genommen, auf den Gedanken, Trainer Alexander Nouri deshalb fußballerische Suizidabsichten anzudichten, kam aber niemand der Besucher im Weserstadion. 

Denn aus Werder Bremen ist durch die unglaublich erscheinende Serie von elf Spielen ohne Niederlage längst ein Team geworden, das es sich leisten kann, auch große Namen auf die Bank zu setzen. Die Siege kommen trotzdem. Wie das 2:0 gegen Hertha BSC bewies. 

Kein Risiko bei Delaney

Bei Thomas Delaney erklärte sich die Rolle als Reservist mit seiner vorangegangenen Verletzungspause. Den dänischen Mittelfeldspieler nach drei Wochen Auszeit und vier Tagen Teamtraining direkt wieder in die Startelf zu stellen, wollte Nouri nicht riskieren. Delaney solle erst wieder in den Rhythmus finden. „Auch ein Spieler wie Thomas sitzt nach seiner längeren Ausfallzeit mal auf der Bank. Das gehört halt eben einfach dazu“, sagte Sportchef Frank Baumann. 

Anders die Situation bei Serge Gnabry. Auch er war verletzt, fehlte einen Monat lang, steht aber schon seit drei Spielen wieder zur Verfügung. Allerdings nur als Joker. 

In der Startelf machen mittlerweile andere, was in der Hinrunde vor allem von Gnabry erledigt worden war. Max Kruse und Fin Bartels produzieren nun die Tore, an ihnen ist derzeit kein Vorbeikommen. Das sei für Gnabry, immerhin auch schon zehn Mal erfolgreich, „sicher nicht leicht“, meint Bartels, „aber ich glaube, dass Serge in den nächsten Spielen noch wichtig sein wird, er war es vorher enorm für uns alle.“ 

Im Moment reicht es aber nur zur Rolle als Ergänzungsspieler – was viel über die Qualität der Mannschaft aussagt. Wenn ein Maximaltalentierter wie Gnabry draußen sitzt, muss es im Team schon verdammt gut laufen. 

"Kein Spieler ist größer als das Team"

Tut es ja auch. Zuschauen zu müssen, sei für ihn dennoch „schwer zu akzeptieren“, hatte Gnabry im Interview mit der DeichStube gesagt. Er sei aber „voll entspannt. Ich spiele bestimmt noch zehn Jahre, da bringt mich ein Spiel mehr oder weniger nicht um.“ So entspannt, wie Gnabry es behauptet zu sein, so entspannt erlebt auch Robert Bauer den Kollegen. „Es ist jetzt nicht so, dass er irgendwelche Starallüren hat. Serge ordnet sich der Mannschaft unter. Kein Spieler ist größer als das Team, und das weiß er auch selber.“ 

Wenn man so will, ist Serge Gnabry derzeit ein in persönlicher Hinsicht Leidtragender des Erfolgs. Und für Coach Nouri ist es auch völlig okay, wenn der Jung-Nationalspieler deshalb etwas brummelig würde. „Natürlich darf ein Spieler unzufrieden sein, wenn er nicht spielt. Ich weiß selber, wie man sich dann fühlt. Serge möchte immer spielen und das ist ja auch völlig in Ordnung. Dann kann er seine Enttäuschung aber auch in Energie auf dem Platz umwandeln. Das wollen wir dann sehen.“ 

Nach seiner Einwechslung in der 73. Minute hat Gnabry genau das gegen die Hertha gemacht, beinahe wäre ihm mit einem akrobatischen Abschluss noch das 3:0 gelungen. „Er bringt immer frischen Wind rein“, meint Robert Bauer und fügt an, was in der Regel ein Trainer über einen Spieler in Gnabrys Situation sagt: „Er arbeitet gut im Training, seine Chance wird kommen.“

Serge Gnabry: Seine Karriere in Bildern

Serge Gnabry - ein Talent auf dem Weg zum Superstar. Das Leben des heutigen Bundesliga-Profis war früh auf Fußball ausgerichtet. Der gebürtige Stuttgarter schnürte die Fußballschuhe zuerst für den TSV Weissach, kam über mehrere weitere Stationen zum VfB Stuttgart...
Serge Gnabry - ein Talent auf dem Weg zum Superstar. Das Leben des heutigen Bundesliga-Profis war früh auf Fußball ausgerichtet. Der gebürtige Stuttgarter schnürte die Fußballschuhe zuerst für den TSV Weissach, kam über mehrere weitere Stationen zum VfB Stuttgart... © gumzmedia
... spielte dort B-Junioren-Bundesliga. Schon damals wurde der FC Arsenal auf ihn aufmerksam. Als 16-Jähriger wechselte er zum Weltklasse-Club nach London, trainierte später auch an der Seite des Ex-Bremers Per Mertesacker.
... spielte dort B-Junioren-Bundesliga. Schon damals wurde der FC Arsenal auf ihn aufmerksam. Als 16-Jähriger wechselte er zum Weltklasse-Club nach London, trainierte später auch an der Seite des Ex-Bremers Per Mertesacker. © imago
Mit 17 Jahren unterschrieb Gnabry im Sommer 2012 seinen ersten Profivertrag. Den Durchbruch schaffte der junge Dribbler beim Champions-League-Teilnehmer aber nicht. Er kam nur auf zehn Spiele (ein Tor) in der Premier League, wurde 2015/2016 zu West Bromwich Albion verliehen.
Mit 17 Jahren unterschrieb Gnabry im Sommer 2012 seinen ersten Profivertrag. Den Durchbruch schaffte der junge Dribbler beim Champions-League-Teilnehmer aber nicht. Er kam nur auf zehn Spiele (ein Tor) in der Premier League, wurde 2015/2016 zu West Bromwich Albion verliehen. © imago
Wie talentiert Gnabry aber ist, sah die Welt bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, als er mit der deutschen Auswahl Silber holte. Gnabry erzielte sechs Tore im Turnier - keiner schoss mehr.
Wie talentiert Gnabry aber ist, sah die Welt bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, als er mit der deutschen Auswahl Silber holte. Gnabry erzielte sechs Tore im Turnier - keiner schoss mehr. © imago
Plötzlich war Gnabry begehrt, sehr begehrt. Den Zuschlag bekam etwas überraschend der SV Werder. Für rund fünf Millionen Euro wechselte der Außenbahnspieler in die Bundesliga, um endlich mehr Einsatzzeiten zu bekommen und seiner Karriere mehr Schwung zu verleihen.
Plötzlich war Gnabry begehrt, sehr begehrt. Den Zuschlag bekam etwas überraschend der SV Werder. Für rund fünf Millionen Euro wechselte der Außenbahnspieler in die Bundesliga, um endlich mehr Einsatzzeiten zu bekommen und seiner Karriere mehr Schwung zu verleihen. © gumzmedia
Und Gnabry schlug voll ein, schoss alleine in der Hinrunde der Saison 2016/17 sieben Tore. Seinen ersten Doppelpack erzielte er am 22. Spieltag beim VfL Wolfsburg.
Und Gnabry schlug voll ein, schoss alleine in der Hinrunde der Saison 2016/17 sieben Tore. Seinen ersten Doppelpack erzielte er am 22. Spieltag beim VfL Wolfsburg. © gumzmedia
Gnabry zog wieder viele Augen auf sich - auch die des Bundestrainers. Joachim Löw nominierte ihn im November 2016 erstmals für die A-Nationalmannschaft. Bei seinem Debüt, einem 8:0 in der WM-Qualifikation gegen San Marino, schoss Gnabry drei Tore.
Gnabry zog wieder viele Augen auf sich - auch die des Bundestrainers. Joachim Löw nominierte ihn im November 2016 erstmals für die A-Nationalmannschaft. Bei seinem Debüt, einem 8:0 in der WM-Qualifikation gegen San Marino, schoss Gnabry drei Tore. © imago
Klarheit nach Wochen der Spekulationen: Am 8. Juni 2017 teilten Serge Gnabry und der SV Werder mit, dass der 21-Jährige den Verein nach nur einem Jahr wieder verlässt. Wenige Tage später wurde bekannt: Gnabry geht zum FC Bayern München.
Klarheit nach Wochen der Spekulationen: Am 8. Juni 2017 teilten Serge Gnabry und der SV Werder mit, dass der 21-Jährige den Verein nach nur einem Jahr wieder verlässt. Wenige Tage später wurde bekannt: Gnabry geht zum FC Bayern München. © gumzmedia
Von den Bayern wurde er allerdings direkt an 1899 Hoffenheim verliehen.
Von den Bayern wurde er allerdings direkt an 1899 Hoffenheim verliehen. © imago
Nach einem Jahr Leihe kehrte Gnabry dann zur Saison 2018/2019 zum FC Bayern zurück.
Nach einem Jahr Leihe kehrte Gnabry dann zur Saison 2018/2019 zum FC Bayern zurück. © imago

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