Der SV Werder Bremen um Leonardo Bittencourt (2.v.l., gegen Sebastian Mai) hatte gegen Dynamo Dresden einige Probleme, setzte sich aber durch.
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Der SV Werder Bremen um Leonardo Bittencourt (2.v.l., gegen Sebastian Mai) hatte gegen Dynamo Dresden einige Probleme, setzte sich aber durch.

Füllkrug trifft doppelt

Gutes Ende nach schlechtem Start: Werder Bremen müht sich gegen Dresden zum Sieg und bleibt Tabellenführer

Bremen – Für einen kurzen Moment musste man Angst um die Statik des Wohninvest Weserstadions haben. Letztlich waren die polternden Steine, die zu hören waren, dann aber doch nur von den Herzen der erleichterten Fans gefallen. Werder Bremen hatte die 25.000 Zuschauer nicht gerade verwöhnt, sich gegen Dynamo Dresden lange Zeit richtig schwergetan – und am Ende doch mit 2:1 (2:1) gewonnen. Und nicht nur das: Die Bremer verteidigten so auch ihren Platz an der Tabellenspitze der 2. Liga, das Polster auf Platz vier beträgt dank der Patzer des FC Schalke 04 (3:4 gegen Rostock) und Hamburger SV (1:2 gegen Nürnberg) nun schon angenehme sechs Punkte.

Es hätte also durchaus Anlass dazu gegeben, in eine kleine Feierlaune zu geraten. Aber Ole Werner war deutlich anzusehen, dass er bei aller Freude über den Sieg keineswegs vollumfänglich zufrieden war. Und das hatte mit dem Start in die Partie zu tun. „Wir haben sehr schlecht ins Spiel gefunden“, monierte der Cheftrainer des SV Werder Bremen. „Wir müssen im Lauf- sowie Zweikampfverhalten und von der Körpersprache her von der ersten Sekunde an auf dem Platz sein. Das ist uns eigentlich auch bekannt. Wir sind es in der Regel auch.“

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Dieses Mal aber nicht. Und das hatte Folgen. Die Sachsen rauschten unter ihrem neuen Coach Guerino Capretti durch die Anfangsphase. Das Publikum saß noch nicht richtig, da musste Jiri Pavlenka bereits nach einer Ecke einen Kopfball von Michael Sollbauer parieren, nach dem zweiten Standard wenige Sekunden später war er dann gegen Ransford Königsdörffer aber machtlos. Werder Bremen lag nach zwei Minuten bereits mit 0:1 zurück, hätte aber fast im direkten Gegenzug ausgleichen können. Oder müssen. Marvin Ducksch verfehlte das Tor von Dynamo Dresden jedoch knapp (3.). Dann musste Pavlenka schon wieder retten, dieses Mal gegen Sebastian Mai (5.).

Werder Bremen drohte also, wie schon im vergangenen Heimspiel gegen den Tabellenletzten Ingolstadt (1:1), keinen allzu glorreichen Nachmittag zu erleben. Favoritenrolle hin oder her. „Wir haben es dem Gegner immer wieder zu leicht gemacht, weil wir sehr schnell Bälle in den Halbräumen verloren haben“, kritisierte Ole Werner. „Da haben wir zu viele falsche Entscheidungen getroffen, was dazu führt, dass für den Gegner Räume entstehen und man immer wieder Kontermöglichkeiten zulässt.“

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Doch es gab da ja noch diesen Mann, der etwas dagegen hatte. Niclas Füllkrug hatte früh den Blickkontakt mit seinem Coach gesucht, motivierte seine Mitspieler zudem mit aufbauenden Gesten. Und da passte es ins Bild, dass er es war, dem nach feinem Doppelpass mit Ducksch doch noch der baldige Ausgleich gelang (16.).

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Die Bremer agierten nun sicherer, hatten durch Leonardo Bittencourt (24.) und Ducksch (38.) weitere gute Möglichkeiten, doch auch Pavlenka musste noch zweimal beweisen, was er kann (33./39.). Dass die Laune pünktlich zur Pause noch einmal stieg, lag abermals an Füllkrug. Nach einer Hereingabe von Christian Groß köpfte er zum 2:1 für Werder Bremen ein (45.).

Die Gäste ärgerten sich dabei gleich doppelt – über den Gegentreffer selbst und insbesondere über dessen Entstehung. Denn bevor der Ball noch ein paar Mal die Position auf dem Platz verändert hatte, gab es einen Einwurf für Werder Bremen. In den Augen der Dresdener zu Unrecht. „Es war genau vor meiner Nase, eigentlich war es Einwurf für uns“, bemängelte Capretti.

Werder Bremen gegen Dynamo Dresden: „Leistung von heute wird gegen Heidenheim nicht reichen“

Nach der Pause ging es zunächst ähnlich forsch weiter, Bittencourt verpasste per Kopf knapp den dritten Treffer (48.). Doch dann wurde es zäh. Pavlenka musste nochmal gegen Königsdörffer ran (59.), Werder Bremen arrangierte sich nun langsam mit der Rolle des Ergebnisverwalters. So richtig gefährdet war der Heimsieg gegen Dynamo Dresden dann auch nicht mehr, aber eben auch kein Spaziergang oder Genuss für Fußball-Ästheten. Womöglich war es aber ein Erfolg, über den in einigen Wochen gesagt werden wird, dass er ein sehr entscheidender für ein sehr gutes Abschneiden im Aufstiegsrennen war. Doch so weit denken sie bei Werder noch nicht. „Man muss neun Spieltage vor Schluss noch nicht auf die Tabelle gucken“, formulierte Ole Werner eine Variation dessen, was er schon seit Wochen betont. „Wir sind das beste Beispiel dafür, was innerhalb von neun Spieltagen alles passieren kann, denn vor neun Spieltagen standen wir noch ganz woanders.“

Satte 28 von 30 möglichen Punkten hat Werder Bremen geholt, seit Werner an der Seitenlinie steht. Das ist beeindruckend. Dieses Mal hat es vor allem die individuelle Qualität von Füllkrug und Pavlenka gerichtet. Am kommenden Wochenende würde Werner dann gerne eine gesamtmannschaftliche Steigerung sehen. Und so sagte er noch einen ganz entscheidenden Satz: „Die Leistung von heute wird gegen Heidenheim nicht reichen.“ (mbü)

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