Hannover-Trainer Christoph Dabrowski spricht im DeichStube-Interview über das Duell gegen seinen Ex-Verein Werder Bremen.
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Hannover-Trainer Christoph Dabrowski spricht im DeichStube-Interview über das Duell gegen seinen Ex-Verein Werder Bremen.

DeichStube-Interview

Hannover-Coach Dabrowski vor Duell gegen Ex-Club Werder: „Ole Werner passt gut nach Bremen“

Hannover - Mit Hochachtung spricht Christoph Dabrowski, der Interimstrainer von Hannover 96, vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen (Sonntag, 13.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) über seinen Kollegen auf der Gegenseite. „Ole Werner passt als Typ gut zu Werder“, sagt der 43-Jährige, der seit zwei Spieltagen in der Verantwortung bei den Niedersachsen steht und mit zwei Siegen beste Eigenwerbung für sich betrieben hat. Nach der letzten Partie des Jahres will die 96-Führung entscheiden, ob sie mit dem ehemaligen Werder-Profi als Chefcoach weitermachen wird. Im Interview mit der DeichStube spricht Dabrowski von seinem sportlichen Werdegang, erinnert sich an Trainerpersönlichkeiten wie Thomas Schaaf, Felix Magath und Ralf Rangnick - und beleuchtet die Situation des Absteigers Werder: „Es ist ein beschwerlicher Weg in der 2. Liga, der mit Stolpersteinen gepflastert ist.“

Wie möchten Sie angeredet werden: Chefcoach oder Interimstrainer?

Die Frage stellt sich für mich nicht. Meine Rolle bei Hannover 96 ist klar definiert. Ich bin momentan Cheftrainer, einschließlich der Partie am Sonntag gegen Werder Bremen.

Wie haben Sie Ihre Berufung nach der Entlassung von Jan Zimmermann erlebt?

Im Fußballgeschäft kann es manchmal recht schnell gehen. Es war fast eine Nacht-und-Nebel-Aktion, als ich aufgerückt bin. Zunächst war es angedacht, dass ich nur für das Spiel gegen den Hamburger SV die Verantwortung tragen sollte. Inzwischen ist diese Zeitspanne verlängert worden – die Regelung gilt bis zum Werder-Spiel.

Werder Bremen gegen Hannover 96 gibt es hier im Live-Ticker der DeichStube!

Vor Duell gegen Ex-Club Werder Bremen: Hannover-Trainer Christoph Dabrowski lobt Ole Werner

Sie haben bisher zwei von zwei Spielen gewonnen. Spricht der Erfolg für Sie?

Es hätte nicht besser laufen können. Darüber freue ich mich natürlich, für mich, aber auch für die zuvor viel gescholtene Mannschaft. Als ich übernommen habe, stand 96 auf dem Relegationsplatz. Es folgte der Sieg gegen den HSV, dann der Erfolg gegen Ingolstadt – zwei Siege, die die Lage etwas entschärft haben. Nun hat 96 einen Sicherheitsabstand zum drittletzten Rang. Es ist perfekt gelaufen in den letzten zweieinhalb Wochen.

Wie haben Sie das angestellt?

Ich habe mich sofort an die Arbeit gemacht, weil viel Zeit ja nicht blieb. Und es ist mir gelungen, die Mannschaft mit ins Boot zu holen. Die Spieler sind willig, sie haben zugehört und sie waren offen für meine Ideen. Am Ende kam es nicht zuerst auf meine Bemühungen an. Es sind die Jungs, die uns aus dieser prekären Lage befreit haben. Ich konnte nur einen positiven Impuls setzen, der die Mannschaft wieder in die Spur gebracht hat.

Wie geht es jetzt weiter? Entscheidet die Partie gegen Werder Bremen über Ihre Zukunft? Bleiben Sie Chef, sollte ein dritter Sieg in Folge gelingen?

Unser Fahrplan steht. Alles ist dezidiert abgesprochen mit Sportdirektor Marcus Mann. Die Entscheidung ist vertagt bis kurz vor Weihnachten, jedenfalls bis nach dem kommenden Wochenende. Bis dahin laufen keine Gespräche. Das ist auch gut so, weil ich meine ganze Energie so auf die Spielvorbereitung legen kann.

Ist es Ihr Traum, einmal Cheftrainer einer Profimannschaft zu sein?

Was heißt Traum? Als Spieler, als meine Laufbahn langsam zu Ende ging, habe ich eine klare Vorstellung entwickelt, wie es weitergehen soll in meinem Leben. Die Flamme, die der Fußball in mir entzündet hatte, war nicht erloschen. Ich hatte mir vorgenommen, Trainer zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, habe ich alles getan. Ich habe den Job von der Pike auf gelernt, im Nachwuchsbereich, als Co-Trainer sowie als Coach der 96-Reserve. Und ich bin ein ehrgeiziger Typ, einer, der ambitioniert ist und nach oben möchte. Insofern lautet mein Ziel: Chefcoach einer Profielf. Wobei ich Zeit und Ort offen gelassen habe. Ich bin in dieser Hinsicht kein Getriebener.

Sind Sie nicht ungeduldig?

Ich gehe in der täglichen Arbeit auf, bin extrem vertieft in meiner aktuellen Aufgabe. Es ist wichtig, seinen Job mit der nötigen Leidenschaft, jedoch auch mit Spaß zu machen.

Sehen Sie einen Unterschied bei der Arbeit zwischen einer Profimannschaft und einem Nachwuchsteam?

Zunächst einmal: Der Trainer muss immer die richtigen Worte finden, Kommunikation und Ansprache müssen stimmen. Ich sehe da keinen großen Unterschied, ob ich vor Talenten oder vor gestandenen Profispielern stehe. Am Ende ist der Fußball immer gleich. Und der Trainer steht für das Ganze in der Verantwortung. Was anders ist: Das Interesse gerade von den Medien ist größer im Profigeschäft, insofern ist auch der Druck größer. Der Erfolgszwang steht noch mehr im Vordergrund. Als Trainer eines Zweitligisten musst du Resultate liefern.

In Hannover wurde Ihr Vorgänger Jan Zimmermann gelobt und als Fachmann geadelt. Warum hat es mit ihm nicht geklappt?

Ich hatte keinen direkten Kontakt zur Profielf, von daher fällt es mir schwer und es steht mir auch nicht zu, das zu beurteilen. Ich möchte auch nicht zurückschauen, sondern mich auf die aktuelle Aufgabe konzentrieren, weitere Ansatzpunkte liefern, um der Mannschaft zu helfen. Dabei verlasse ich mich größtenteils auf mein Bauchgefühl, um den passenden Zugang zu den Spielern zu finden.

(Schon gelesen? So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen Hannover 96 aussehen!)

Werder Bremen gegen Hannover 96: So schätzt 96-Trainer Christoph Dabrowski die Lage bei Werder ein

Nun das Schicksalsspiel gegen Werder Bremen, wo sie lange gespielt haben. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in die Begegnung?

Ich hatte tolle Jahre bei Werder, sechs Spielzeiten insgesamt. Dort habe ich mich extrem wohlgefühlt. Ein Club, der immer in meinem Herzen bleiben wird. Und es war eine erfolgreiche Zeit mit den Höhepunkten Pokalsieg 1999 sowie mein erstes Bundesligator gegen Schalke im ersten Spiel unter Thomas Schaaf.

Wie bewerten Sie die Lage beim SV Werder Bremen?

Sie ist nicht einfach für den Club, in mehrfacher Hinsicht vergleichbar mit der Situation hier in Hannover. Werder muss den beschwerlichen Weg in der 2. Liga gehen, ein Weg, der mit einigen Stolpersteinen gepflastert ist, wie das Beispiel 96 zeigt.

Zu Beginn lief es für Werder nicht gut, nun mit dem Anfang-Nachfolger Ole Werner lässt die Mannschaft im Endspurt vor dem Jahreswechsel aufhorchen. Ist Werner ein Glücksgriff?

Ich kenne Ole Werner ganz gut aus seiner Zeit in Kiel, als er die U23 betreut hat. In zwei Spielzeiten trafen wir mit unseren Mannschaften aufeinander. Ich habe Werner als tollen Kollegen schätzen gelernt, sehr offen und respektvoll im Austausch bei aller Rivalität. Ein guter Trainer und ein guter Mensch. Ich denke, der Typ Ole Werner passt gut nach Bremen, auch die Art, wie er Fußball spielen lässt, passt zu Werder.

Welchen Fußball lässt er spielen?

Er spielt sehr variabel, recht flexibel, nur schwer ausrechenbar. Sein Stil ist auf Kontrolle ausgerichtet, dabei setzen seine Mannschaften jedoch auch mutige Akzente. Und das Wichtigste: Bei ihm steht meist das Spielerische im Blickpunkt.

In Ihrer langen Laufbahn haben Sie auf den Stationen Bremen, Bielefeld, Hannover und Bochum einige Trainer kennengelernt. Wer hat Sie am meisten geprägt?

Das war ganz gewiss Thomas Schaaf, erst mein Trainer bei den Amateuren und dann bei den Profis von Werder. Er hat mir außer den sportlichen Dingen vor allem die Werte vermittelt, auf die es ankommt. Aber auch einem Felix Magath bin ich dankbar, dass er mir als jungem Spieler das Vertrauen geschenkt hat. Doch auch von den anderen konnte ich etwas mitnehmen. Ob Benno Möhlmann, Ewald Lienen oder Peter Neururer, ob Marcel Koller, Friedhelm Funkel oder Ralf Rangnick - alle hatten ihre Eigenart und ganz spezielle Stärken.

Rangnick ist nach seinem Wechsel zu Manchester United wieder in aller Munde. Ist er wirklich der große Fußball-Professor, der Theorie-Papst?

Er ist ein Fachmann in jeder Hinsicht, sicherlich mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, was den Bereich Taktik betrifft. Doch darauf darf man ihn nicht reduzieren. Er besitzt auch das Vermögen, eine Mannschaft zu begeistern, zu elektrisieren, zu motivieren.

Werder Bremen: Hannover 96-Trainer Christoph Dabrowski schwärmt von Thomas Schaaf

Frage zu Thomas Schaaf: Weshalb konnte er in Hannover nicht so erfolgreich wirken wie lange in Bremen? Was sagen Sie als sein damaliger Co-Trainer dazu?

Es war eine extreme Situation bei 96, viel Unruhe, viele Probleme in der gesamten Spielzeit. Thomas Schaaf hat alles versucht, doch am Ende hat es einfach nicht gepasst. So ist es mitunter leider. Es gibt Momente, wo zwei Parteien nicht zueinanderfinden.

Auffällig in Ihrer Vita ist dies: Zu Beginn des Jahrhunderts erhielten Sie einige Berufungen in die jeweiligen B-Nationalmannschaften. Einladungen in verschiedene Reserveteams mit verschiedenen Namen: zunächst Olympia-Auswahl, dann A2, schließlich Team 2006. Der Sprung in die A-Mannschaft ist nie gelungen …

… was zu jener Zeit nicht ganz so einfach war. Es gab einige Topspieler auf meiner Position im Mittelfeld. Ich denke da an Frings und Ballack, Schneider, Jeremies, Hamann und Effenberg.

Ärgert es Sie, dass Sie nie eine Chance bekommen haben?

Überhaupt nicht, ich bin mit meiner Karriere hundertprozentig zufrieden. Mehr als 300 Spiele in der Bundesliga, darauf bin ich stolz. Sowie auf die Tatsache, dass ich in allen meinen Clubs meine Führungsqualitäten bewiesen habe. Wenn ich heute zurückkehre, werde ich überall mit offenen Armen empfangen. Und ich muss sagen: Natürlich gehört immer Glück dazu. Das richtige Spiel, der richtige Zeitpunkt, der richtige Ort – eine optimale Konstellation. Doch am Ende hat es jeder in der eigenen Hand, was aus ihm wird.

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