Rouven Schröder, Sportvorstand bei Mainz 05, arbeitete einst bei Werder Bremen an der Seite von Thomas Eichin.
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Rouven Schröder, Sportvorstand bei Mainz 05, arbeitete einst bei Werder Bremen an der Seite von Thomas Eichin.

Vor dem Bundesliga-Spiel am Samstag

So viel Werder steckt in Mainz 05: Macher Rouven Schröder und die Bremer Prinzipien

Ganz nach oben wollte er. In die erste Reihe, an die Spitze des Top-Managements. Daraus hat Rouven Schröder nie ein Hehl gemacht, als er bei Werder Bremen wirkte.

Sozusagen im Halbschatten, an der Seite des Geschäftsführers Thomas Eichin als Direktor Profifußball und Scouting, wie der offizielle Titel lautete. In Bremen ergab sich für den als Videoanalyst und Scout in Nürnberg und später als Sportlicher Leiter in Fürth aufgestiegenen Ex-Profi nicht die Möglichkeit, eine Ebene hoch zu rücken und den erhofften Karrieresprung zu bewältigen. In Mainz indes schon, als sich 2016 Christian Heidel mit der Aussicht eines lukrativen Jobs auf Schalke verabschiedet hatte. „Die Chance für mich“, witterte Schröder, damals seit gut drei Jahren an der Weser. Er nahm den Lockruf aus Rheinhessen an und heuerte dort an.

Wie viel Werder Bremen steckt in Mainz 05? Die Frage beantwortet sich somit von selbst. Der Boss kommt aus Bremen, wo er seine Schulung im Fußball-Management vollendet hat. Der erste Mann des oft als Karnevalsverein bezeichneten Erstligisten, der ins 15. Bundesligajahr geht und sich im Oberhaus etabliert hat, ist sozusagen mit Weser-Wasser gewaschen und agiert in mancher Beziehung auch so. Die Werder-Schule merkt man dem 45-Jährigen an, der es geschafft hat, binnen kurzer Zeit zu dem Gesicht der Mainzer zu werden.

(Verfolgt das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen Mainz 05 im Live-Ticker der DeichStube!)

Werder Bremen-Gegner: Mainz 05-Gen ging zwischenzeitlich verloren

Einige Prinzipien, die von den Grün-Weißen als Handlungsrichtlinie bekannt sind, bestimmen auch das Handeln des gebürtigen Westfalen am Rhein. In erster Linie handelt Rouven Schröder nach dem Grundsatz, dass auch ein Proficlub eine Identität haben muss, das ganze Tun und Lassen sich danach ausrichten muss. In der Hauptstadt von Rheinland-Pfalz ist dies das 05-Gen, zwischenzeitlich mal in den Hintergrund gedrängt, wie Kritiker meinen. Aus „Meenz 05“, wie der Verein in der aus der Fassenacht bekannten Mundart genannt wurde, war „Mayence 05“ geworden, eine Anspielung auf die Vielzahl von Akteuren aus dem französischen Sprachraum.

Es war nicht immer gewinnbringend und zielführend, wie inzwischen auch Schröder und das Präsidium erkannt haben. Vor allem in der letzten Saison, in der die Mainzer in arge Abstiegsängste gerieten, zeigte sich eine negative Grüppchenbildung, die Kapitän Danny Lanza so beklagte: „Nicht immer waren wir eine Mannschaft.“

Macher Schröder, zunächst als Sportdirektor installiert, nur ein Jahr später zum Sportvorstand befördert, mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet und somit auch nach außen hin als der Entscheider deklariert, hatte dies erkannt. Seine Sofortmaßnahme: In den letzten Spielen setzte er sich nach seinem zwischenzeitlichen Rückzug auf die Tribüne wieder auf die Bank, um die Elf zu pushen. „Als klares Zeichen an die Mannschaft“ wertete er diese Maßnahme, die von Erfolg gekrönt war: Die zum Klassenerhalt führenden Erfolge waren laut Schröder „auch Siege des Kollektivs und der Gemeinschaft.“

Werder Bremen-Gegner: Rouven Schröder setzt bei Mainz 05 auf Ausbildung von Talenten

Weitere Veränderungen setzten beim Umdenken bezüglich der Personalauswahl an. Motto: Zurück zu den Wurzeln, indem mit Daniel Brosinski (32) und Stefan Bell (28), zwei alten Haudegen, zudem zwei Profis mit dezidierter Mainz-DNA, verlängert wurde. Ein Signal ausgerechnet an dem Standort, wo in jüngster Vergangenheit häufig Spieler aus dem Ausland verpflichtet wurden, die nur geraume Zeit blieben, um dann woanders anzuheuern. Legionäre halt, die 05 als Durchgangsstation auf dem weiteren Karriereweg betrachtet haben. Eine Fluktuation, die Routinier Bell öffentlich angeprangerte: Es habe „der Mannschaft, der Hierarchie, der Spielweise geschadet und es für die Fans ein Stück schwerer gemacht, sich zu identifizieren.“

Vorbei, korrigiert: In Mainz wird wieder vermehrt Deutsch gesprochen. Der Sprachunterricht für die Spieler aus dem Ausland wurde ausgebaut. Die Kommunikation in der WhatsApp-Gruppe erfolgt nur noch auf Deutsch, nicht mehr in Französisch, Spanisch und Englisch. Wichtige Signale, zur Förderung der Integration gedacht. Auch ein Indiz: Zum Premium-Transfer avancierte mit Luca Kilian ein deutscher Junioren-Nationalspieler aus Paderborn.

Viel Arbeit für Rouven Schröder, den Ex-Bremer, der ein aus dem Norden bekanntes Geschäftsmodell an seiner neuen Wirkungsstätte entwickelt hat und nun reagieren musste. Schließlich hatte sich sein Konzept, die Arbeit und Ausbildung der Talente aus dem Ausland nach Werder-Muster, ausgezahlt. Lukrativ für die Mainzer waren die Aktivitäten des Experten Schröder, dem Thomas Eichin, sein früherer Vorgesetzter, „ein gutes Auge für Talente“ bescheinigt hat, in jeder Hinsicht: Zweimal erwirtschaftete der 05-Boss ein Transferplus von über 20 Millionen Euro, weil er 2018 Abdou Diallo und ein Jahr später Jean-Philippe Gbamin, beides zuvor günstig erworbene Akteure, bestens verkaufen konnte.

Werder Bremen-Gegner Mainz 05: Erfolge mit teuren Transfers - nun aber Ärger in den letzten Monaten

In diesem Transfersommer, von Corona infiziert, funktionierte die Schröder-Methode nicht mehr so gut. Moussa Niakhate, der Star in der Defensive, und Jean-Philipp Mateta, der Star in der Offensive, wie die letzten Spiele bewiesen haben, konnten nicht gewinnbringend an den Mann gebracht werden. Nur Ridle Baku, der aufregende Löw-Aspirant, wechselte nach Wolfsburg – Erlös rund zehn Millionen Euro.

Dies mag mit dazu beigetragen haben, dass neuerdings Schröder nicht mehr so unumstritten ist wie zu Beginn seiner Tätigkeit. Dazu die Affäre um den suspendierten Adam Szalai, die miserable Kommunikation beim Thema Gehaltsverzicht sowie das unrühmliche Kapitel mit Trainer Achim Beierlorzer. Minuspunkte für den lange Zeit so erfolgreichen Funktionär, der sagt: „Alle haben wir Fehler gemacht, ich auch.“

Aufregung und Ärger beim missratenen Start in die Saison. Präsident Stefan Hofmann lobt zwar die Tatkraft und den nimmermüden Einsatz seines leitenden Angestellten („von morgens 6 bis Mitternacht für Mainz 05 unter Strom“), denkt indes dennoch über neue Strukturen nach, will einen Sportdirektor installieren. Rouven Schröder begrüßt diese Maßnahme, ihn beschleicht nicht das Gefühl, er solle entmachtet werden.

Werder Bremen-Gegner Mainz 05: Rouven Schröder setzt auf jungen Trainer Jan-Moritz Lichte

Aktuell ist Schröder gefordert. Bewertet wird seine Arbeit in erster Linie, wie die Auswahl der Trainer funktioniert. Längst vorbei sind die Zeiten, als alle Welt der Mainzer Trainerschule tiefe Anerkennung zollte. Erst Jürgen Klopp, dann Thomas Tuchel, zwei Spitzenkräfte aus den eigenen Reihen, die sich bewährt haben und nun international Glanzlichter setzen. Eigengewächse, denen Vertrauen geschenkt wurde, die Machart wie bei Werder Bremen.

Daran mag sich Schröder erinnert haben, der nach dem schnellen Aus für den von ihm installierten Achim Beierlorzer einen Kandidaten aus dem eigenen Stall präsentierte: Jan-Moritz Lichte, seit einem Jahrzehnt als Co-Trainer im Geschäft, seit 2017 bei Mainz 05 in dieser Funktion. Die Beförderung des 40-Jährigen auf dessen erste Cheftrainerstelle mag ein Risiko sein, doch es schwingt die Hoffnung mit, dass der Novize ähnlich gut einschlägt wie die Vorgänger mit dem Mainzer Gen.

Auch Martin Schmitt (von 2015 bis 2017) und Sandro Schwarz (von 2017 bis 2019) brachten vorübergehend Stabilität. Sie agierten jedenfalls erfolgreicher als die Kollegen aus der Fremde. Kasper Hjulmand scheiterte nach nur sieben Monaten, Achim Beierlorzer wurde nie heimisch und wurde im September entlassen. Unter Lichtes Kommando legte die 05-Elf mit dem Ex-Bremern Levin Öztunali und Gerrit Holtmann in Nebenrollen einen Stotterstart hin, doch inzwischen sieht es hoffnungsfroher aus: sechs Punkte aus den letzten sechs Spielen. (hgk) Lies auch: So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen Mainz 05 aussehen. Auch interessant: So seht Ihr das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen Mainz 05 live im TV und im Live-Stream.

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