Ein Bild mit drei Teilen: Miroslav Klose von Werder Bremen sieht die Rote Karte, Claudio Pizarro vom FC Bayern München feiert mit Champions-League-Pokal, Ailton und Thomas Schaaf jubeln
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Ein Skandal um Miroslav Klose, die Seitenwechsel von Claudio Pizarro, die Meisterschaft in München - die Geschichte zwischen Werder Bremen und dem FC Bayern kennt viele Kapitel.

Vor der Bundesliga-Partie am 8. Spieltag

So viel Werder steckt im FC Bayern: Kloses Skandal, Pizarros Offenheit und viele große Bundesliga-Momente

Aufs Maul gefallen ist er ganz gewiss nicht, der Andi. Gewürzt mit eine Prise Wiener Schmäh benennt Andreas Herzog schon immer, was ihm auf dem Herzen liegt. Dabei tritt er in seinen Kommentaren meist nicht so auf, wie es sein Spitzname „Herzilein“ vermuten lässt. So auch unlängst, als er im Podcast „Phrasenmäher“ seine Episode beim FC Bayern München so auf den Punkt brachte: „Noch ein Jahr Bayern“, erklärte der österreichische Rekordnationalspieler, der seine Glanzzeit bei Werder Bremen erlebte und die Bundesliga prägte, „und ich wäre in der Nervenheilanstalt gelandet.“

Herzog steht stellvertretend für einige Profis des SV Werder Bremen, die ihr Glück beim Branchenriesen aus München versuchten und gnadenlos scheiterten. Beim „FC Hollywood“, so der inzwischen als Trainer tätige frühere Mittelfeldregisseur, tickten nun mal die Uhren anders als im betulichen Bremen. Zitat: „Wir waren zerstritten, aber erfolgreich. Bei Bremen waren wir eine Einheit, bei Bayern nicht.“

Dass beim Rekordmeister von der Isar schon ganz spezielle Verhältnisse herrschten und in mancher Beziehung auch heute noch zu besichtigen sind, musste auch der Mann erfahren, der 1995 gemeinsam mit seinem Star Andreas Herzog die Probe aufs Exempel machte. Nach einer Epoche von 15 Jahren durchweg erfolgreichen Schaffens heuerte auch Otto Rehhagel im Süden an, wollte sein persönliches Werk dort krönen und stand postwendend als Verlierer da. „König Otto“ wurde noch schneller degradiert als der Andi, vom „Kaiser“ persönlich. Nach nur zehn Monaten kam das unrühmliche Aus für das an der Weser zum Erfolgstrainer aufgestiegene „Kind der Bundesliga“. Franz Beckenbauer, der „Ober-Bayer“, übernahm.

Verfolgt das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen den FC Bayern München im Live-Ticker der DeichStube!

Werder Bremen: Torsten Frings nur ein Jahr beim FC Bayern München

Nur ein Sommer in den Lederhosen verbracht, es trifft auch auf Torsten Frings zu. Über den Umweg Borussia Dortmund war er 2004 bei den Süddeutschen gelandet, durfte sich als Double-Gewinner feiern lassen und kehrte zurück zu Werder Bremen. Reumütig wie auch Tim Borowski, den Jürgen Klinsmann 2008 gelockt hatte. Ablösefrei wechselte der Nationalspieler damals nach München, kam indes über die Rolle eines Edelreservisten nicht hinaus und trat, nachdem Louis van Gaal, der neue Coach, keine Verwendung mehr für ihn hatte, den Rückzug an in die heimischen norddeutschen Gefilde.

Nicht gerade vom Glück begünstigt gestaltete sich auch das Intermezzo von Valerien Ismael, für acht Millionen Euro transferiert. Zunächst ein Garant für defensive Stabilität im Meisterteam von Felix Magath warf ein Bruch des Schien- und Wadenbeins den Franzosen aus dem Gleichgewicht.

Werder Bremen: Claudio Pizarro und Miroslav Klose glänzen beim FC Bayern München

Anders bei „Super-Mario“, der in neuer Umgebung in Bayern so auftrat wie schon zuvor. Der Vier-Millionen teure Einkauf zeigte auf dem Platz seine Klasse und Kunst, abseits des Rasens hingegen sein bestens entwickeltes Talent, als Querkopf und Enfant terrible aufzutreten. Eine Rangelei in einem Wirtshaus beendete seine gut zweijährige Zeit bei den Bayern, für ihn aus sportlicher Sicht die erfolgreichste seiner Karriere.

Erfolg auf der ganzen Linie – so könnte auch die Überschrift lauten bei zwei Ex-Bremern, die in München brillierten. Drei guten Jahren bei Werder ließ Miroslav Klose vier glänzende Spielzeiten dort folgen, bevor er zu Lazio Rom wechselte. Und noch eindrucksvoller gestaltete sich die Bayern-Etappe bei Claudio Pizarro, der gleich zweimal zu den Bayern ging. Acht Millionen Euro überwiesen die Münchner 2001 beim ersten Mal für den Rekordtorjäger, der insgesamt fünfmal das grün-weiße Trikot trug und heute Botschafter beim FC Bayern ist.

Werder Bremen: Miroslav Kloses Wechsel zum FC Bayern wurde zum Skandal

Pizarros Transfers liefen immer offen und ehrlich ab, Kloses Wechsel entwickelte sich zu einem Skandal. Wenige Stunden vor einem wichtigen Europacupspiel bei Espanyol Barcelona inszenierten die Bayern-Bosse ein Geheimtreffen am Flughafen in Hannover. Die Werder-Führung war nicht informiert über das Gespräch mit Manager Uli Hoeneß und Trainer Ottmar Hitzfeld. Als es publik wurde, war der Aufschrei groß. Die Deutsche Fußball-Liga schaltete sich sogar ein. Das Ergebnis: Klose unter Form, Werder schied gegen die Spanier im Halbfinale aus, wobei der Stürmer im Rückspiel einen saudummen Platzverweis kassierte, in der Bundesliga wurden alle Titelchancen verspielt.

Für zwölf Millionen Euro Entschädigung wechselte der Nationalspieler nach diesem unrühmlichen Abschied ein Jahr vor Ende seines bis 2008 laufenden Kontrakts zum Erzrivalen. Klose konnte dem Lockruf der Bayern nicht widerstehen. Nur einer tat dies. Die Ausnahme: Frank Neubarth, als Toremacher einer der Vorgänger des heutigen Co-Trainers in München, blockte alle Abwerbungsversuche von der Isar ab. Nicht die schlechteste Option, wie sich zeigte.

Werder Bremen gegen FC Bayern: Große Bundesliga-Momente und Dauerfehde zwischen Uli Hoeneß und Willi Lemke

Der Fall Klose ist ein Beispiel der meist nicht störungsfreien Beziehungen zwischen den ewigen Rivalen. Stichworte dieser Dauerfehde: Klassenkampf. Die Fehde zwischen Süd und Nord, das persönliche Duell der Streithähne Uli Hoeneß und Willi Lemke, der Zwist zwischen den Sportlehrern Udo Lattek und Otto Rehhagel, ein episches Duell zwischen den Parteien, die beide zu jener Zeit die Deutungshoheit im deutschen Fußball beanspruchten. Es ging, so hat der ehemalige Werder-Macher Lemke festgehalten, zu wie im Alten Testament beschrieben: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“

Es sind die Momente in der Liga-Historie, die unvergessen sind. Neben dem Klose-Skandal, der die ganze Republik beschäftigte, jene Augenblicke von historischem Rang: Wie das brutale Einsteigen des Münchners Klaus Augenthaler gegen Bremens Rudi Völler, von Hoeneß als „Allerweltsfoul“ deklariert; wie Michael Kutzops verfehlter Schuss beim vorentscheidenden Elfmeter 1986, der Werder womöglich die Meisterschaft gekostet hat; wie der Werder-Triumph beim spektakulären 3:1 nach Toren von Ivan Klasnic, Ailton und Johan Micoud zum Titel 2004 im Olympiastadion; wie der Sieg im Pokalfinale 1999, als Stefan Effenberg und Lothar Matthäus die Strafstöße verpassten und somit Thomas Schaaf zu seinem ersten Titelgewinn verhalfen.

Werder Bremen interessierte sich wohl für FC-Bayern-Talent Angelo Stiller

Der Beginn einer großen Trainer-Laufbahn. „Eigengewächs“ Schaaf setzte fort, was Rehhagel zuvor geschafft hatte: Werder ein Jahrzehnt lang als Nummer zwei im deutschen Fußball zu etablieren, als die Kraft, die dem Rekordmeister FC Bayern die Stirn bietet.

Lang ist es her. Seit über einem Jahrzehnt spielt Bremen nicht mehr diese hervorgehobene Rolle. Die triste Gegenwart der Beziehungen zwischen Werder und Bayern, weitgehend unter dem Radar der Fans in Fußball-Deutschland verlaufen: Im Sommer, so hieß es, habe sich Werder für ein Talent aus München interessiert. Sein Name: Angelo Stiller, 19 Jahre jung, ein defensiver Mittelfeldspieler. Er spielt für die Bayern-Reserve, die Meister geworden ist in der 3. Liga. Das sagt alles.

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