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Florian Kohfeldt von Werder Bremen weiß, dass er in dieser Saison von Beginn im Fokus steht - will sich aber nicht neu erfinden.

Coach von Werder Bremen will sich weiterentwickeln

Florian Kohfeldt im Fokus: „Lass dir was Neues einfallen, Trainer“

Bremen/Grassau – Plötzlich zückt Florian Kohfeldt sein Handy. „Das muss man sehen, das kann ich nicht erklären“, sagt der Werder-Coach, und die umstehenden Journalisten schauen etwas verdutzt. Denn eigentlich gibt es kaum einen, der auch schwierige Sachverhalte so gut erklären kann, wie der Coach des SV Werder Bremen.

Und welcher Trainer lässt Journalisten schon auf sein Handy blicken? Aber Florian Kohfeldt ist eben immer wieder für Überraschungen gut. Das gehört zu seinem Erfolgsrezept – und ist gerade in diesem Sommer wichtiger denn je, wie er selbst betont. Denn der 36-Jährige erlebt als Trainer etwas völlig Neues.

Florian Kohfeldt: „Nicht selbstverständlich, dass Werder Bremen fast alle Stammspieler halten konnte“

„Es ist total spannend, denn es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit einer Mannschaft weiterarbeite. Wenn du Jugendtrainer bist, wechselt jedes Jahr automatisch altersbedingt die Mannschaft. Und als ich Co-Trainer bei den Profis war, haben wir jedes Jahr gehofft, dass die Hälfte der Mannschaft neu ist, damit wir besser werden“, sagt Florian Kohfeldt, der seinen Vertrag bei Werder Bremen verlängert hat, lacht ein bisschen über seinen etwas spitz formulierten letzten Satz und fügt dann durchaus mit Stolz in der Stimme an: „Bis auf einen Spieler sind ja noch alle da.“ 

Es sei nicht selbstverständlich, dass Werder Bremen nach der guten Saison fast alle Stammspieler halten konnte. Und es ist auch ein Lob an die vorhandenen Spieler, dass Kohfeldt ihnen weiter vertraut, dieses Mal keinen Umbruch braucht, um weiter nach vorne zu kommen. Nur Max Kruse hat den Verein verlassen – auf eigenen Wunsch.

Als echter Neuzugang ist bislang einzig Niclas Füllkrug da, und so neu ist der auch wieder nicht. Der Stürmer wurde in Bremen Bundesliga-Profi und wurde von Kohfeldt schon in der Jugend trainiert. Beide kennen sich gut. Das ist natürlich ein Vorteil. Aber Kohfeldt sieht auch immer die Gefahr, dass sich seine Arbeit abnutzt. Deswegen hat er hohe Ansprüche an sich und sein Trainerteam. „Du musst neue Trainingsübungen entwickeln, neue Ansprachen halten. Das andere kennen die Spieler doch schon“, sagt der 36-Jährige und kreiert schmunzelnd sein persönliches Motto: „Lass‘ dir was neues einfallen, Trainer!“

Zu sehen gibt es das zum Beispiel im Training. Es tauchen immer wieder Übungen auf, die etwas länger erklärt werden müssen, die auch nicht immer sofort funktionieren. Die Spieler müssen sie erst kennenlernen. Da haben dann Kohfeldt und seine Co-Trainer Thomas Horsch, Tim Borowski und Ilia Gruev wieder ganze Arbeit geleistet, etwas Neues ausgetüftelt, das allerdings meistens auf alte Übungen aufbaut. Aber so wird es nie langweilig.

Werder Bremen: Coach Florian Kohfeldt will sich nicht neu erfinden, nur weiterentwickeln

Kohfeldt will sich nicht neu erfinden, er will sich weiterentwickeln – genauso wie es der Plan für die Spieler ist. Natürlich wird auf ihn in dieser Saison ganz besonders geschaut. Er ist der Shootingstar unter den Jungtrainern, wurde bereits mit Topclubs in Verbindung gebracht. Jetzt wird sich zeigen, wie nachhaltig seine Arbeit ist. „Die größte Erwartungshaltung an mich habe ich doch selbst“, sagt er: „Mir ist klar, dass es nicht einfach so weiterlaufen wird. Trainer des Jahres 2019 werde ich nicht werden. Den Titel werde ich nicht verteidigen.“ 

Kohfeldt lacht. Er baut gerne mal einen kleinen Scherz in seine Aussagen ein. Das wirkt aber keineswegs gekünstelt, sondern authentisch. Die Auszeichnung „ DFB Trainer des Jahres“ bekommt man ohnehin nur einmal im Leben. Und Florian Kohfeldt will damit auch nur ausdrücken, dass in dieser Saison durchaus andere Personen in den Fokus rücken könnten. Ihm ist das nur recht. Er bewegt sich zwar gekonnt im Rampenlicht, aber er braucht das nicht. „Ich begreife mich als letzter Helfer für die Jungs, die sind die wichtigsten. Wenn ich es schaffe, die Beziehung zu den Jungs in der Kabine weiter so hinzubekommen, dann bin ich zufrieden.“ Es klingt ein bisschen nach Understatement, etwas zu viel Demut. 

„Fördern und fordern“: Florian Kohfeldt hat bei Werder Bremen ein besonderes Miteinander geschaffen.

Doch Kohfeldt lebt dieses besondere Miteinander zu seinen Spielern. Dieses berühmte „Fördern und Fordern“ passt bei ihm. Er unterstützt seine Spieler, wo er nur kann, sucht auch während der Trainingseinheiten immer wieder den Kontakt, flachst genauso mal mit Oldie Claudio Pizarro wie kurz darauf mit Youngster Josh Sargent. Wenn der Coach dann aber die nächste Übung erklärt oder ein Trainingsspiel anpfeift, dann wird er zum akribischen Aufpasser. Da fallen auch schon mal ganz deutliche Worte. Und die Spieler gehorchen, geben Gas, wirken hoch konzentriert. Und zwischendurch geht es in Grassau ins Zelt neben dem Trainingsplatz zur Videoanalyse. Denn manche Sachen kann selbst ein Florian Kohfeldt nicht nur mit Worten erklären, dann muss ein großer Bildschirm helfen – oder aber das Handy, wie in der kleinen Journalistenrunde vor dem Abflug ins Trainingslager am Bremer Flughafen.

Kohfeldt öffnete eine spezielle App, und zeigte einige Videosequenzen, wie sie die Drohne liefert, die Werder neuerdings hoch über dem Trainingsplatz schweben lässt. „Dank dieser Bilder kann ich die Abstände zwischen den Spielern gut erkennen. Das hilft wirklich weiter“, sagte der Coach, steckte das Handy zurück in die Tasche – und hatte auch dieses Thema wieder äußerst ansehnlich erklärt. (kni/dco)

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Florian Kohfeldt hat zum Thema Transfers bei Werder Bremen eine klare Meinung: „So gehen wir natürlich nicht in die Saison“, sagt der Chefcoach und wünscht sich einen neuen Abwehrspieler. Der ehemalige Kapitän des SV Werder Bremen, Zlatko Junuzovic, lobt unterdessen Milot Rashica für dessen starke Leistung gegen SD Eibar. Derweil hat Cheftrainer Kohfeldt interessante Einblicke gegeben: Die Stammelf von Werder Bremen für die neue Saison steht so weit, nur noch zwei Positionen sind umgekämpft. Schlechte Nachrichten gibt es derweil von einem ehemaligen Grün-Weißen: Ex-Werder-Spieler Justin Eilers hat Insolvenz angemeldet.

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