Das spektakuläre Comeback ist geschafft: Oliver Burke (mitte) trifft für Werder Bremen zum 3:2-Sieg gegen Borussia Dortmund und wird von seinen Mitspielern gefeiert.
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Das spektakuläre Comeback ist geschafft: Oliver Burke (mitte) trifft für Werder Bremen zum 3:2-Sieg gegen Borussia Dortmund und wird von seinen Mitspielern gefeiert.

Werder-Wahnsinn in Dortmund

Die Spaßmacher sind zurück: Werder Bremens Sieg beim BVB verblüfft die Liga und verzückt die eigenen Fans

Dortmund – Garantiert hatte es die Stadionregie gar nicht als Scherz gemeint, ein paar Lacher auf der Tribüne gab es trotzdem. Da lief im Signal-Iduna-Park gerade die 84. Minute zwischen Borussia Dortmund und Werder Bremen, als auf der Leinwand eine kleine Statistik eingeblendet wurde: Für die meisten BVB-Torschüsse im Spiel hatte Mahmoud Dahoud gesorgt.

So weit, so normal. Absurd und unfreiwillig komisch wurde die ganze Angelegenheit jedoch dadurch, weil dort eine dicke Eins stand – und Mahmoud Dahoud bereits nach 18 Minuten verletzt ausgewechselt werden musste. Trotzdem führte Borussia Dortmund zu diesem Zeitpunkt mit 2:0. Noch. Denn das Statistik-Kuriosum war nur der Auftakt zu einer Schlussphase, die an Verrücktheiten nicht zu überbieten war. Der SV Werder Bremen drehte das Spiel beim BVB. Binnen sechs Minuten. Durch drei Joker-Tore. Das hatte die Bundesliga in ihrer Historie noch nie erlebt. Werder hat mit diesem Rekord mal wieder alle überrascht. Und begeistert.

Werder-Bremen-Trainer Ole Werner nach dem Spiel beim BVB: „Der Sieg war nicht unverdient“

„Wenn man in der Schlussphase solch ein Spiel umbiegt, braucht man sicherlich auch immer ein Quäntchen Glück“, räumte Ole Werner hinterher ein, betonte aber: „Trotzdem war der Sieg nicht unverdient.“ Und damit hatte der Chefcoach des SV Werder Bremen komplett Recht. Werder hat sich diesen wahnwitzigen Triumph beim BVB nicht irgendwie ergaunert oder gar geschenkt bekommen, Werder hat ihn sich mit großem Aufwand erarbeitet. Das belegen auch die statistischen Zahlen, die hinterher wirklich von Gewicht waren. Die Gäste hatten nämlich mehr Torschüsse zu bieten (14:6), mehr Ecken herausgeholt (5:3), überzeugten mit der größeren Laufleistung (115,28 zu 114,5 Kilometer), verfügten über mehr Ballbesitz (51:49 Prozent) und gingen auch aus mehr Zweikämpfen als Sieger hervor (53:47 Prozent). Gegen ein millionenschweres Topteam wohlgemerkt. Werder hatte dieses Spiel bei Borussia Dortmund also im allerwahrsten Sinne – und das machte es noch besonderer – gewonnen.

Werder Bremen gegen Borussia Dortmund: Etliche BVB-Fans verlassen Signal Iduna Park beim Stand von 2:0 frühzeitig

„Ich habe mich unheimlich geärgert beim 0:2, weil ich es als sehr unverdient angesehen habe. Es wäre am Ende selbstverschuldet gewesen, aus einem sehr, sehr guten Spiel zu wenig zu machen“, erklärte Ole Werner später. Der gebürtige Bremer Julian Brandt (45.+2) und Raphael Guerreiro (77.) hatten den insgesamt so enttäuschenden Favoriten mit zwei Distanzschüssen schmeichelhaft in Führung gebracht und dafür gesorgt, dass etliche Fans von Borussia Dortmund schon vorzeitig das Stadion im Gefühl des sicheren Sieges verließen, um dem vorherrschenden Verkehrschaos zumindest auf der Rückreise zu entkommen. So verpassten die BVB-Anhänger die bislang denkwürdigste Schlussphase der Bundesliga-Geschichte. Und einen unheimlich erleichterten Ole Werner: „Ich freue mich, dass ich hier jetzt nicht stehe und eine Niederlage erklären muss“, sagte der Trainer von Werder Bremen schmunzelnd.

Werder Bremen gegen Borussia Dortmund: Joker Lee Buchanan, Niklas Schmidt und Oliver Burke drehen das Spiel

Das Problem an der Sache: So richtig erklären konnte er die spektakulären Schlussminuten seiner Mannschaft bei Borussia Dortmund auch nicht. Vor allem nicht, als nach den schon erlösenden Treffern von Lee Buchanan (89.) und Niklas Schmidt (90.+3) tatsächlich noch die Krönung durch Oliver Burke (90.+5) gelang. „Ich hätte in dem Moment auch nicht gedacht, dass sich das Spiel nochmal so öffnet und beide Mannschaften nochmal Harakiri gehen“, sagte der 34-Jährige. „Es war eine Situation, die beim Gegner so leicht nicht entstehen darf und normalerweise auch nicht entsteht. Gut für uns.“ Der Rest war kollektive grün-weiße Ekstase. Was Ole Werner nach dem 3:2 durch den Kopf gegangen ist? „Eigentlich nicht viel. Da freut man sich einfach, weil es der Wahnsinn ist“, gestand er lachend. Auch Verteidiger Amos Pieper hatte hinterher Mühe, die Gefühlswelt bei Werder Bremen in Worte zu fassen: „Ich glaube, dass viele noch gar nicht checken, was hier überhaupt passiert ist“, meinte der Ex-Spieler des BVB. „Ich müsste jetzt lügen, wenn wir nach dem 2:2 gesagt hätten: ,Kommt Jungs, jetzt schaffen wir hier auch noch den Sieg‘.“

Werder-Bremen-Profi Amos Pieper nach dem BVB-Spiel: „Sind uns bewusst, dass wir gegen jeden Gegner auf drei Punkte spielen können“

Haben sie aber. Fünf Punkte aus drei Spielen hat Werder Bremen nun zum Start geholt. Nicht schlecht für einen Aufsteiger, bei dem niemand vorher so genau wusste, wohin die Reise gehen würde. Fast entscheidender als das Punkten selbst war allerdings das Wie. Die bisherigen Bremer Auftritte haben Signale gesendet, die Konkurrenz womöglich nachhaltig beeindruckt. „Wir wollen nicht zu früh zu viel Euphorie haben und schauen deshalb von Spiel zu Spiel“, mahnte deshalb Milos Veljkovic sicherheitshalber. Und auch Amos Pieper trat bei aller Begeisterung über den Coup beim BVB etwas auf die Bremse: „Das ist jetzt sehr floskelmäßig, aber im nächsten Spiel sind es wieder 90 Minuten. Wir spielen am Sonntag zu Hause gegen Eintracht Frankfurt, da beginnt alles wieder bei 0:0“, hob er hervor. „Und da können wir uns für den Respekt nichts kaufen.“ Die vitalisierende Energie, die nach diesem Saisonstart an der Weser entstanden ist, will er aber nicht missen. „Unserer Rolle sind wir uns bewusst, aber wir sind uns spätestens seit heute auch bewusst, dass wir gegen jeden Gegner, in jeder Situation, in jedem Spiel auf drei Punkte spielen können“, betonte Pieper nach dem Sieg bei Borussia Dortmund.

Das klang beinahe wie eine Drohung an die Konkurrenz. Eine, die keineswegs aus der Luft gegriffen ist. Die neue verbale und fußballerische Angriffslust erinnert ganz allmählich an verloren geglaubte Spektakel-Zeiten. Werder Bremen steht zumindest im Moment wieder für beste Unterhaltung. Auch ohne belustigende Einblendungen auf der Anzeigetafel. (mbü) Schon gelesen? Das könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt sein!

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