Niklas Schmidt macht nach seiner Einwechslung gegen Eintracht Frankfurt ein gutes Spiel. Im Mittelfeld des SV Werder Bremen sorgte er mit guten Pässen für kreative Momente. Darf er bald auch mal von Beginn an ran?
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Niklas Schmidt macht nach seiner Einwechslung gegen Eintracht Frankfurt ein gutes Spiel. Im Mittelfeld des SV Werder Bremen sorgte er mit guten Pässen für kreative Momente. Darf er bald auch mal von Beginn an ran?

Ist Werder zu ausrechenbar?

Systematischer Überraschungseffekt: Werder Bremen will unberechenbar bleiben – doch die Voraussetzungen sind knifflig

Bremen – Niklas Schmidt hat es schon wieder getan. Nein, getroffen hat der Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen nicht, für eine Belebung des Spiels sorgte er nach seiner Einwechslung gegen Frankfurt dennoch. Wie schon zuvor in Dortmund. Gleich mehrere schöne Pässe spielte er, bereitete sehenswert eine Großchance von Lee Buchanan vor. Noch so ein junger Mann, der in der Liga bislang nur von der Bank kam. Und dann ist da noch Oliver Burke, der als Joker momentan die Fans begeistert. Jetzt, wo Werder das erste Mal echte Schwächen offenbarte, könnte sich eine neue Chance für die Reservisten auftun, was zudem mehr Unberechenbarkeit schaffen würde. Aber können die Kurzarbeiter auch mehr?

Speziell im Fall von Niklas Schmidt macht Trainer Ole Werner kein Geheimnis daraus, dass er bei seinen wöchentlichen Überlegungen auch einen Startelfeinsatz des 24-Jährigen in Erwägung zieht. „Das spielt immer eine Rolle“ betont er. „Er macht es gut von der Bank, aber es sind natürlich immer Spielsituationen, die man bewerten muss.“ Und das tut Werner. Bei Schmidts beiden bisherigen Einsätzen stand Werder Bremen stets mit dem Rücken zur Wand, musste beim BVB und gegen die Eintracht Rückstände aufholen. Die Stärken eines Offensivspielers fallen da während einer Drangphase automatisch auf – zumindest sollen sie das. Bei einem Einsatz von Beginn an ist das aufgrund der Statik des Spiels anders. Da zählt nicht nur der Vorwärtsgang. Und so lautet Werners Erklärung, warum Schmidt bisher nicht begann: „Er kann sicherlich sein Defensivverhalten noch verbessern – trotzdem würde ich der Aussage nicht widersprechen wollen, dass er seine Sache wieder gut gemacht hat.“

Werder Bremen: Rücken Niklas Schmidt oder Romano Schmid gegen den VfL Bochum in die Startelf?

Ob das für einen Sprung in die Startelf reicht, wird sich zeigen. Durch die Verletzung von Leonardo Bittencourt (Zerrung im Rippenbereich) scheint es für das Spiel des SV Werder Bremen am Samstag beim VfL Bochum (15.30 Uhr im Live-Ticker der DeichStube) einen freien Platz zu geben. Normalerweise dürfte Romano Schmid, der auch jetzt für Bittencourt eingewechselt wurde, erster Vertreter sein. Der 22-Jährige war ein wichtiger Faktor in der Zweitliga-Saison, rutschte aktuell jedoch durch die Verpflichtung von Jens Stage auf die Bank. Die Physis des Dänen braucht Werder Bremen nämlich im Zentrum, nach einem gefälligen Start war die Neuverpflichtung zuletzt aber nicht mehr ganz so auffällig.

Mitunter mangelt es noch an der Abstimmung mit den Nebenleuten, auch deshalb klaffte vor dem 0:1 gegen Frankfurt ein großes Loch an der Strafraumgrenze. Dieser Nachholbedarf ist verständlich, aber aus Mangel an Alternativen auch ein Risiko. Bei Lee Buchanan, der vielversprechende Ansätze zeigt, aber das Bremer Spiel erst noch weiter verinnerlichen soll, kann ein anderer Weg gewählt werden, weil in Anthony Jung eine erprobte Option auf dieser Position existiert.

Ole Werner muss aufpassen, dass Werder Bremens Überraschungsmomente nicht vorschnell verpuffen

Nun ist Ole Werner ohnehin nicht dafür bekannt, ein großer Freund der Rotation zu sein. Er setzt auf ein festes Gerüst, nimmt bislang allenfalls punktuelle Veränderungen vor. Die Eingespieltheit einer größeren Gruppe soll im Idealfall verbesserte Automatismen und mehr Kompaktheit garantieren. Für den Chefcoach des SV Werder Bremen ergibt sich so eine schwierige Aufgabe. Auf der einen Seite soll er seiner Mannschaft eine offensive spielerische Identität verpassen, die nicht nur zum Verein passt, sondern – und das ist fast noch wichtiger – auch von den anwesenden Profis umgesetzt werden kann.

Bislang vertraut er dabei vorrangig einem konstanten Kreis. Auf der anderen Seite erfordert die Bundesliga aber ein hohes Maß an Unberechenbarkeit. Wer Überraschendes kreieren kann, überrumpelt nicht selten den Gegner. Werder Bremen hat das an den ersten Spieltagen oft gut hinbekommen. Vor allem gegen Wolfsburg und Dortmund ist der Aufsteiger in einer Art und Weise aufgetreten, die viele so nicht erwartet hatten. Doch die Bremer müssen aufpassen, dass diese Überraschungseffekte nicht vorschnell verpuffen.

So wie zuletzt. Ob es nun die feine englische Art war, dem Gegner so demonstrativ den Spiegel vor die Nase zu halten – darüber lässt sich vortrefflich streiten. Aber zumindest war es schonungslos ehrlich, was Oliver Glasner getan hat. Der Trainer von Eintracht Frankfurt konnte es sich nämlich nicht verkneifen, auf einen ganz elementaren Grund für den Auswärtssieg hinzuweisen: „Wir haben Bremen im 3-5-2 erwartet, so wie sie immer spielen“, betonte er. „Wir wollten sie deshalb Mann auf Mann anlaufen. In den Umschaltmomenten wussten wir, dass wir mit Randal Kolo Muani und Jesper Lindström sehr viel Speed und Tiefe haben.“ Das Vorhaben funktionierte. Die Hessen hatten insbesondere in der ersten Halbzeit quasi auf jede Bewegung der Werder-Profis die passende Antwort. „Wir haben der Mannschaft das Video gezeigt und aus der Analyse heraus haben die Jungs selbst einen Plan kreiert und diesen dann großartig umgesetzt“, lobte Glasner.

Werder Bremen nach der Niederlage gegen Eintracht Frankfurt: „Werden jetzt nicht unsere Spielidee über den Haufen werfen“

Selbstverständlich entscheiden mehrere Variablen über Sieg und Niederlage – und Werder Bremen hätte trotz des Frankfurter Wissens mit etwas Glück beinahe noch den Ausgleich geschafft. Weil die Bremer von der Bank Spieler bringen können, die Akzente setzen. Auch das ist eine Qualität. „Wir werden jetzt nicht grundsätzlich unsere komplette Spielidee umstellen“, betont Clemens Fritz als Leiter Profifußball deshalb. „Es geht darum, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann man als Mannschaft geordnet ist, vorne draufgehen kann oder lieber mannschaftlich nach hinten schiebt, um die Kompaktheit wiederherzustellen. Da müssen wir auch besser miteinander sprechen – und das war gegen Frankfurt nicht gegeben.“

So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den VfL Bochum aussehen!

Also ist Werder Bremen doch nicht berechenbar geworden? „Das glaube ich nicht“, bekräftigt Fritz. „Wir haben jetzt und in der vergangenen Saison sicherlich immer im 3-5-2 gespielt, aber es ist nicht auszuschließen, dass wir da auch mal Veränderungen vornehmen.“ Werders Reservisten werden das genau beobachten. Und die Liga-Konkurrenten sowieso. (mbü) Werder Bremen live im TV und im Live-Stream gegen den VfL Bochum – alle Infos hier!

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