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Werder Bremen überwintert mit 41 Gegentoren auf einem Abstiegsplatz - was tun? Weiter offensiv spielen oder umdenken und die Defensive stärken?

Haltungsfrage im Tabellenkeller

Zwei Meinungen zum Abstiegskampf: So muss Werder nun spielen

Bremen - 14 Punkte und 41 Gegentore in 17 Hinrunden-Spielen: Der SV Werder Bremen überwintert zurecht auf einem Abstiegsplatz. Höchste Zeit, alles auf den Prüfstand zu stellen. Auch den so oft gelobten Offensiv-Spielstil? Zwei Reporter - zwei Meinungen.

Pragmatismus geht vor Ideologie - Von Carsten Sander

Werder Bremen spielt die schlechteste Hinrunde der Vereinsgeschichte. Eigentlich ein Grund, jeden Stein umzudrehen und alles nochmal von vorne zu durchdenken. Trainer Florian Kohfeldt sagt, dass die große Analyse in der Winterpause stattfinden wird. In einem Punkt hat er sich aber schon festgelegt: Er will auch in der Rückrunde weiter an seiner Art, Fußball spielen zu lassen, festhalten. Heißt: Möglichst attraktiv nach vorne. Weil: Das passe zu seiner Mannschaft.

Schon einmal hat Kohfeldt Werder auf diesem Weg aus dem Keller geholt. In der Saison 2017/18, Werder war zur Halbzeit Tabellen-16., führte der Coach die Truppe noch ins sichere Mittelfeld. Doch das heißt nichts für die kommenden 17 Partien. In gewisser Weise ist es sogar gefährlich, eine Mannschaft, die in so vielen Bereichen große Probleme hat, in Richtung schöner Fußball zu trainieren. Wer in den zu Schlüsselspielen ernannten Partien gegen Paderborn, Mainz und Köln drei Niederlagen kassiert und dabei nicht ein einziges eigenes Tor erzielt, und wer zudem in einer Halbserie unfassbare 41 Gegentore hinnehmen muss, der sollte die Basics trainieren, bis sie endlich sitzen. Alles andere dann später.

Kohfeldt und der SV Werder dürfen jetzt einen Fehler nicht machen: Fußball-Ideologie vor Fußball-Pragmatismus zu stellen. Das kann übel schiefgehen. (csa)

Kohfeldts Fußball ist der Schlüssel - Von Björn Knips

Wer als Tabellen-17. in die Winterpause geht, muss Fehler gemacht haben. Aber der größte Fehler könnte erst noch kommen: Werder darf jetzt nicht aufhören, guten Fußball spielen zu wollen! Sich nach vorne zu kombinieren, das geht auch im Abstiegskampf – wenngleich diese Bezeichnung durchaus anderes vermuten lässt. Aber Kampf und Klasse schließen sich nicht unbedingt aus.

Es wäre doch töricht, nun alles über Bord zu werfen, was zwei Jahre lang mühsam erarbeitet wurde – und dann auch den Erfolg zurück an die Weser gebracht hat. Florian Kohfeldt würde als Trainer total unglaubwürdig, wenn er seine Linie nun komplett verlassen und eine ganz andere Spielphilosophie vertreten würde. Vertrauen ist in dieser schwierigen Situation aber absolut entscheidend. Schon einmal sind Verein und Spieler diesen Weg mit Kohfeldt gegangen – und dafür mit dem Klassenerhalt belohnt worden.

Werder Bremen: Neuzugänge in Abwehr und Angriff müssen her

Die Hinrunde hat in der ersten Hälfte gezeigt, dass auch diese Mannschaft Fußball spielen kann. Aber dafür muss sie an sich glauben. Durch die vielen und vor allem regelmäßigen Ausfälle wurde das immer schwieriger. Werder wollte unter Kohfeldt eigentlich immer auf dem Platz agieren, am Ende reagierte das Team nur noch. Und so wäre es auch, wenn jetzt die gute, alte Mauertaktik rausgeholt und vorne auf den Fußball-Gott gehofft würde.

Also: Werder muss sich in der Winterpause in der Abwehr und im Angriff – speziell dabei auf der Position des Mittelstürmer – verstärken, um die Ausfälle zu kompensieren. Auch ein robuster Sechser würde helfen, um mehr Sicherheit zu bekommen. Und dann muss Mallorca für Werder zum zweiten Algorfa werden. Dort hat Kohfeldt vor zwei Jahren seiner Mannschaft im Eilverfahren seinen Fußball eingeimpft. Jetzt braucht es dringend eine Auffrischung, damit Werder vor dem Abstieg geschützt bleibt. (kni)

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