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Werder-Manager Frank Baumann war am Wochenende „not amused“. 

Werder-Sportchef kritisiert Schiedsrichter

Baumann im DeichStube-Interview: „Wir kommen nicht gut weg“

Bremen – Schon komisch: Werder Bremen ist mit vier Punkten aus zwei Spielen in die Rückrunde gestartet, dennoch kam nach dem 2:2 gegen Eintracht Frankfurt keine Freude auf. Gründe: Ausgelassene Chancen und Ärger über die Unparteiischen.

Im Gespräch mit der DeichStube äußert sich Sportchef Frank Baumann zu beiden Themen – und beklagt deutlich eine Benachteiligung durch Schiedsrichter und Videoreferee.

Herr Baumann, finden Sie nicht auch, dass die aktuelle Situation ziemlich paradox ist?

Frank Baumann: Wieso?

Weil Werder Bremen tollen Fußball spielt, als Tabellenelfter aber so schlecht dasteht wie in der ganzen Saison noch nicht.

Baumann: Das ist immer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits freut es mich extrem, dass wir fußballerisch stabiler sind, dass wir attraktiven Fußball spielen und die Spielkontrolle immer besser umsetzen. Das ist überhaupt nicht mehr mit den schwierigen fünf, sechs Jahren zu vergleichen, als wir gegen den Abstieg gekämpft haben. Diese Entwicklung macht mir Mut, dass sich das verstärkt auch in guten Ergebnissen niederschlagen wird.

Und andererseits?

Es wären deutlich mehr Punkte möglich gewesen. Man sieht ja, wie eng es in der Tabelle ist. Wenn man nur mal die Heimspiele gegen Hoffenheim und Frankfurt nimmt: Wir hätten vier Punkte mehr auf dem Konto haben können, und schauen Sie mal, wo wir dann stehen würden!

Werder wäre Sechster.

Bei dieser Vorstellung ist der aktuelle Tabellenplatz irgendwo im Mittelfeld natürlich unbefriedigend. Aber die Clubs vor uns sind immer noch in Schlagdistanz. Wir haben alle Möglichkeiten, noch einige Plätze nach vorne zu rutschen.

Wie bewerten Sie den Rückrundenstart?

Wir haben vier Punkte in den ersten beiden Spielen geholt, das ist ja nicht so schlecht. Nach Frankfurt überwiegt aber die Enttäuschung, mit einem richtig guten Spiel gegen eine richtig gute Mannschaft nur einen Punkt geholt zu haben. Aber natürlich haben wir auch immer das Grundsätzliche im Blick – und da ist eben sehr, sehr viel Positives dabei. Wobei: Ich muss auch mahnen und warnen.

Wovor?

Vor den Spielen und Gegnern, die jetzt kommen. Nürnberg, Augsburg und Stuttgart sind dabei – das werden sehr unangenehme Aufgaben. Wir treffen auf Mannschaften, die sich mitten im Abstiegskampf befinden und die über mehr Qualität verfügen, als es aktuell den Anschein hat. Da müssen für uns die Spiele in Hannover und gegen Frankfurt die Messlatte sein – Intensität, Konzentration und Leidenschaft müssen genauso hoch sein.

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Werder kassierte gegen Frankfurt einen Handelfmeter gegen sich.

Heißt das, Sie haben Sorge, die Mannschaft könnte es gegen die Gegner von unten zu leicht nehmen?

Nein. Nach dem 2:2 gegen Frankfurt sind vielleicht manche Zuschauer zufrieden nach Hause gegangen, weil sie tollen Fußball gesehen hatten. Aber die Mannschaft war nicht zufrieden, das zeichnet sie auch aus. Und es gibt keinen Grund, einen der nächsten Gegner zu unterschätzen. Wir stehen auf Platz elf, deswegen gibt es bei uns keinen Spieler, der sagt: ,Alles ist super, wir sind zufrieden.’ Das Gegenteil ist der Fall. Jeder will weiter nach vorne.

Hat Werder das Zeug, das Feld von hinten aufzurollen?

Zwischen Platz sechs und Platz elf liegen im Moment nur zwei Punkte. Da kann und wird sich in den nächsten ein, zwei Wochen viel verschieben. Die nächsten drei, vier Spiele werden für uns wichtig sein, um den Anschluss nach oben nicht zu verlieren. Wir dürfen also nicht unnötig Punkte liegen lassen. Die Mannschaft ist aber so konzentriert und fokussiert, dass ich mir da keine Sorgen mache.

Beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt hat es am Samstag viel Aufregung um die Regelauslegung bei Handspielen sowie um den Einsatz des Viedeoassistenten gegeben. Trainer Florian Kohfeldt musste am Ende auf die Tribüne. Hat er es übertrieben, hat die ganze Bank es übertrieben?

Gefühlt gehören wir auf der Bank eher noch den Zurückhaltenden in der Liga. Auch unser Trainer. Er hat ein gutes Verhältnis zu den Schiedsrichtern, ist aber natürlich emotional dabei. Das sieht man bei Toren und Gegentoren, aber auch mal bei einer Entscheidung, die wir anders wahrgenommen haben als der Schiedsrichter.

Wie am Samstag?

Wenn man die Summe der Entscheidungen in den letzten Wochen und Monaten sieht, kann man nicht sagen, dass wir von den Schiedsrichtern bevorteilt werden. Es ist eine Ansammlung von Entscheidungen gegen uns, die dann auch zu einer gewissen Unzufriedenheit bei uns führt. Samstag war es ein in jeglicher Hinsicht sehr emotionales Spiel, nach dem wir unseren Unmut auch mal geäußert haben. Aber ich glaube nicht, dass wir im Vergleich mit anderen Clubs besonders auffallen.

Dennoch musste Florian Kohfeldt kurz vor Schluss auf die Tribüne.

Er hat noch nie einen Schiedsrichter beleidigt. Auch gegen Frankfurt nicht. Wenn er dann auf die Tribüne muss, fehlt mir die Verhältnismäßigkeit. Andere Clubs sind von der Bank aus sehr viel aktiver gegenüber dem Vierten Offiziellen oder dem Schiedsrichter als wir. Aber da passiert nichts. Ohnehin können wir gerne mal über Schiedsrichter-Entscheidungen sprechen.

Bitte sehr!

Wir machen es nicht häufig, aber wir müssen schon mal sagen, dass wir am Wochenende nicht gut weggekommen sind bei wichtigen Situationen und Entscheidungen.

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Werder-Trainer Florian Kohfeldt war gegen Frankfurt an der Seitenlinie kaum zu bändigen.

Sie meinen sicherlich das nicht geahndete Jovic-Handspiel vor dem 1:1. Auf der Gegenseite blieb in der Nachspielzeit aber auch ein Handspiel von Moisander ungeahndet. Wo war da also der Ausschlag zum Negativen für Werder?

Wir können auch noch über zwei Handspielsituationen im Frankfurter Strafraum reden. Da hätte man aus meiner Sicht auch Elfmeter pfeifen können. Beim 1:1 gab es nicht nur das Handspiel bei der Annahme, das aus meiner Sicht eine klare Geschichte war. Beim Abschluss von Rebic hat auch eine Abseitsstellung von Haller vorgelegen, über die man diskutieren kann. Beim Handspiel von Niklas Moisander hatten wir Glück, das stimmt. Aber in der Summe waren es mehr Entscheidungen, die gegen uns waren – und es waren spielentscheidende Szenen. Dazu kommt noch, dass Philipp Bargfrede für ein Foul Gelb bekommt, der schon verwarnte Sebastian Rode für ein ähnliches Foul jedoch nicht bestraft wird. Das sind relevante Entscheidungen, in denen wir den Schiedsrichter nicht auf unserer Seite hatten.

Sind das nicht Dinge, die ständig vorkommen und sich im Verlauf einer Saison ausgleichen?

Wir wollen es auch nicht ständig zum Thema machen. Aber wir haben das Gefühl, dass wir immer wieder mal benachteiligt werden. Deshalb wollen wir es jetzt auch zur Sprache bringen. Wir hören von Schiedsrichtern ständig, dass man mit uns gut reden kann. Aber das hilft uns nicht.

Denken Sie an eine Beschwerde beim DFB?

Nein. Ich bin davon überzeugt, dass es langfristig mehr bringt, ein gutes Verhältnis zu Schiedsrichtern zu pflegen.

Am Donnerstag, 18.00 Uhr, schließt das Transferfenster. Sie haben zuletzt betont, dass kein Spieler mehr kommen soll. Bleibt es dabei?

Stand jetzt ist nichts geplant.

Das haben Sie einen Tag vor der Verpflichtung von Nuri Sahin im August auch gesagt.

Jetzt ist es meine Überzeugung, dass nichts mehr passiert. Wir haben in unserem Kader keinen Druck, eine Baustelle bearbeiten zu müssen. Wir haben keinen großen Bedarf und keine Notwendigkeit, unbedingt etwas machen zu müssen.

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