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Seit Jahren ist Arnd Zeigler für Werder Bremen am Weserstadion am Mikrofon.

Werders Stadionsprecher über Weserstadion-Umbenennung

Zeigler im Interview: „Der Verein ist größer als einzelne Sponsoren“

Bremen/Chicago – Arnd Zeigler ist gemeinsam mit Christian Stoll seit einer gefühlten Ewigkeit die Stimme des Weserstadions. Jetzt müssen sich die beiden Stadionsprecher umstellen, der SV Werder Bremen wird zur neuen Saison den Namen seiner Arena an einen Sponsor verkaufen.

Zeigler erfuhr davon in den USA, wo der TV- und Radio-Moderator für die ARD gerade in Chicago unterwegs ist. Im Gespräch mit der DeichStube erzählt der 53-Jährige, was er als Stadionsprecher, aber auch als großer Werder-Fan von der Umbenennung des Weserstadions hält.

Arnd Zeigler, Sie werden als Stadionsprecher die Zuschauer künftig im Wohninvest Weserstadion begrüßen. Haben Sie schon ein mulmiges Gefühl, wenn Sie an die Premiere mit dem neuen Stadionnamen denken?

Ich musste erst mal etwas schlucken, als ich die Nachricht über den neuen Stadionnamen auf meinem Handy gesehen habe. Das kam für die meisten, auch mich, ja wie aus heiterem Himmel. Und meine erste Reaktion war: Mist! Ich bin schon gespannt, wie das in Zukunft für uns als Stadionsprecher wird, wie oft wir den Namen tatsächlich sagen werden. Ich denke aber, es wird sich weitaus weniger ändern als viele gerade befürchten.

Paint lässt grüßen - Netzreaktionen zum neuen Stadion-Logo und Wohninvest

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Arnd Zeigler: Werder Bremen kann nicht auf 30 Millionen Euro verzichten

Sind Sie enttäuscht, dass Ihr Verein diese Entscheidung getroffen hat?

Nein. Ich kann sehr gut verstehen, dass viele Fans emotional erst einmal große Probleme mit dieser Geschichte haben. Mir fällt es im ersten Moment auch nicht leicht. Andersherum funktioniert der Wettbewerb innerhalb der Liga nicht mehr ohne diese Einnahme, fast die ganze Bundesliga macht es. Werder gehört nicht zu den Vereinen, die es sich erlauben können, aus Liebe zur Tradition nonchalant auf 30 Millionen Euro zu verzichten.

Ich bin mir auch sicher, dass sich Werder diese Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Deshalb hat es bis zu dieser Entwicklung ja auch etliche Jahre gedauert. Wir haben uns vor zehn Jahren über das umgebaute Schmuckkästchen Weserstadion gefreut und sind Spiel für Spiel begeistert, was für eine tolle sportliche Heimat wir haben, aber es muss dann eben auch Wege geben, dieses Stadion zu finanzieren. Es ist doch so: Ich fände es persönlich auch schöner, wenn Werder ohne Trikotwerbung spielen würde. Die Trikots würden wirklich viel toller aussehen. Aber das geht eben auch nicht mehr, das weiß jeder.

Schon gelesen? Kommentar zum Verkauf des Stadionnamens: Der clevere Vornamen-Trick

Arnd Zeigler: Andere Namen als Weserstadion „für mich als Werder-Fan nicht relevant“

Machen Sie sich Sorgen, dass die Fans sich abwenden könnten?

Ich kann verstehen, dass es Kritik geben wird und sicher auch Proteste. Die gab es zu diesem Thema ja vorauseilend schon seit Jahren. Das ist vollkommen okay. Aber ich würde es total schade und verfehlt finden, wenn als Resultat dieses Unmuts die Mannschaft weniger unterstützt werden würde. Sie kann nichts dafür und hätte das nicht verdient. Man sagt ja immer so schön: Der Verein ist größer als einzelne Spieler. Was man aber jetzt ebenfalls verinnerlichen sollte: Der Verein ist auch größer als einzelne Sponsoren.

Ganz ehrlich: Wie gefällt Ihnen denn nun der neue Name Wohninvest Weserstadion?

Da hat es schon schlimmere Sachen in der Bundesliga gegeben. Und immerhin ist unser Weserstadion immer noch im Namen. Für mich bleibt es ohnehin das Weserstadion. Andere Namen sind für mich als Werder-Fan nicht relevant. Ich kann auch gut mit Frotzeleien befreundeter HSV-Fans leben, deren Stadion jetzt zwischendurch mal wieder Volksparkstadion heißt. Es geht alles weiter, egal wie das Stadion heißt. Ich freue mich einfach auf eine tolle neue Saison mit unserer Mannschaft.

Mehr Hintergründe zum Thema gibt es hier: Verkauft! Weserstadion bekommt neuen Namen. Dafür kassiert Werder 30 Millionen Euro. Nur fünf Vereine kassieren mehr als Werder Bremen für verkaufte Stadionnamen. Es gibt viele Reaktionen und Meinungen zum Thema. In der DeichStube beurteilen fünf Werder-Experten den Verkauf des Stadionnamens, Ex-Werder-Geschäftsführer Manfred Müller etwa sagt: „Mein Traum war die Beck‘s Arena.“ 

Und außerdem passt die Änderung des Stadion-Namens vielen Fans überhaupt nicht. Zahlreiche Ultra-Gruppierungen rund um Werder Bremen schlagen wegen des neuen Weserstadion-Namens Alarm. Unterdessen planen Werder-Fans sogar eine Demo gegen den Verkauf der Namensrechte am Weserstadion.

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