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Die DeichStube traf sich mit Christian Stoll in der Bremer Innenstadt.

So bereitet sich Werders Stadionsprecher „Stolli“ auf die neue Saison vor

„Manchmal dreht sich die Zunge nicht rund“

Bremen - Er ist die Stimme des Weserstadions: Christian Stoll. Nicht ganz allein. Den Job des Stadionsprechers teilt sich der 57-Jährige seit 2001 mit Arnd Zeigler (52). Das Duo ist längst Kult – nicht nur in Bremen.

Zeigler ist durch seine Fernseh-Auftritte auch bundesweit bekannt. Und Stoll war viele Jahre Stadionsprecher der Nationalmannschaft – und sogar beim WM-Finale 2006 in Berlin am Mikrofon. Jetzt betreibt er in Berlin eine Agentur für Sportpromotion. Für Werder reist Stoll regelmäßig nach Bremen, wie jetzt zum Tag der Fans. 

Der DeichStube gab er vor dem Roland auf dem Bremer Marktplatz ein Interview und bat ausdrücklich darum, wie von allen einfach nur „Stolli“ genannt zu werden.

„Stolli“, am Samstag geht es mit dem Tag der Fans auch für dich als Stadionsprecher wieder los – bist Du schon aufgeregt?

Christian Stoll: Ich freue mich unheimlich. Zumal wir auch ein bisschen was verändert haben. Endlich wird die aktuelle Mannschaft wieder draußen bei uns auf der Bühne vorgestellt. Dann kommen noch unsere Europapokalhelden von 1992. Das wird richtig gut. Ich kenne Fans, die fahren 800 Kilometer, um dabei zu sein, und dann am selben Tag auch wieder 800 Kilometer zurück.

Du bist seit 21 Jahren Stadionsprecher, ist so ein Tag überhaupt noch etwas Besonderes für Dich?

Stoll: Natürlich! Der Spaßfaktor in diesen 21 Jahren ist unbezahlbar. Die Zeit ist vergangen wie nix. Ich habe so viele Freundschaften schließen dürfen. Die Fans sind einmalig – und der Verein ist wirklich eine Familie. Das habe ich selbst gespürt, als es mir vor einigen Jahren nicht so gut ging. Ich lag noch nicht ganz im Krankenhaus, da bekam ich schon einen Brief von Willi Lemke und am nächsten Tag einen von Frank Baumann mit Genesungswünschen der Spieler.

Was hat sich verändert?

Stoll: Einiges. Inzwischen wechseln Spieler für 222 Millionen Euro. Alles ist schneller und hektischer geworden. Ich bin da ein bisschen Oldschool und sehne mich nach den etwas ruhigeren Zeiten. Aber es macht mir trotzdem großen Spaß.

Wie schwierig ist der Spagat zwischen Information und Show?

Stoll: Das ist nicht einfach. Wir haben sicher nicht immer alles richtig gemacht. Aber wir haben versucht, keine Marktschreier zu sein. Wir wollen eine gute Mischung aus Unterhaltung und Information. Dazu gehört auch ein guter DJ wie unser DJ Choco. Denn Musik kann in einem Stadion auch zerstörerisch sein. Ich denke, wir bekommen das ganz gut hin, sonst hätte uns Werder schon längst weggeschickt. Aber natürlich gibt es auch kritische Stimmen.

Wie gehst Du damit um?

Stoll: Wir machen doch nicht nur für 200 Fans in der Ostkurve unser Programm, sondern für 42 000 im ganzen Stadion. Wenn du da mit deiner Art die Mehrheit erreichst, dann kann es nicht so falsch sein.

Arnd Zeigler und Du – ihr wirkt wie ein altes Ehepaar. Wohnt ihr auch zusammen?

Stoll: Das genau ist eben nicht der Fall. Was Werder betrifft, da sind wir ein Herz und eine Seele, der eine ist grün, der andere weiß. Aber ansonsten haben wir wenig miteinander zu tun. Wir haben auch verschiedene Ansichten. Aber das ist nicht schlimm. Vielleicht macht es gerade diese Mischung: Die einen mögen lieber Arnd, die anderen lieber mich.

Arnd Zeigler und Christian "Stolli" Stoll am Tag der Fans 2016

Du bis 57 Jahre alt, wie lange willst du diesen Job noch machen?

Stoll: Ich bin ein gläubiger Mensch und wünsche mir, dass mich der liebe Gott noch ein bisschen gesund bleiben lässt. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich gerne bis 65 weitermachen. Es ist ganz schwer, wenn man so einen beglückenden Job hat, von selbst zu gehen. Man denkt, es geht immer noch weiter und weiter. Ich kenne Leute, die sind vom Rad gefallen oder aus dem Stadion gepfiffen worden. Ich hoffe, dass ich das nicht erleben muss.

Was möchtest Du im Weserstadion noch erleben?

Stoll: Ich denke da zuerst an Berlin und an das Pokalfinale. Das wäre eine tolle Sache, weil ich ja in Berlin wohne. In Bremen würde ich gerne wieder internationale Spiele erleben. Und ich hätte gerne noch einmal so ein Abschiedsspiel wie bei Torsten Frings. Vielleicht klappt das bald mit Claudio Pizarro, obwohl ich ihn gerne noch ein paar Jahre spielen sehen würde.

Wie sehr schmerzt es Dich, dass du Pizarro in dieser Saison nicht mehr ankündigen kannst?

Stoll: Für mich ist er der größte Spieler, den Werder je gehabt hat – menschlich und sportlich sowieso. Ein irrer Typ. Aber irgendwann ist halt Schluss. Ich denke, dass die Entscheidung der Verantwortlichen richtig war.

Die Werder-Profis waren erst im Zillertal, dann in Schneverdingen und ackern nun hier in Bremen. Wie hast Du dich auf die neue Saison vorbereitet?

Stoll: Man sieht es mir vielleicht nicht an, aber ich mache relativ viel Radsport. Ich war drei Wochen in den Dolomiten, bin vormittags Rad gefahren und habe nachmittags ein Fußball-Camp für Kinder betreut. Ich habe früher ja selbst in Blumenthal gespielt, gar nicht so tief. Ein bisschen geht es noch.

Hast Du schon die Namen der neuen Spieler drauf?

Stoll: Noch nicht. Ich mache es immer so, dass ich mit den Jungs erst mal rede und sie frage, wie ihr Name wirklich ausgesprochen wird. Da gibt es doch so viele unterschiedliche Varianten, nehmen wir nur unseren neuen Chinesen.

Hast du Angst vor bestimmten Namen?

Stoll: Vor ein paar Jahren beim Tag der Fans haben wir gegen Chelsea gespielt. Da gab es einen Spanier, den Namen habe ich einfach nicht rausgekriegt. Meine Güte, wir sind doch alle nur Menschen. Ich gebe mir wirklich Mühe, aber manchmal da dreht sich die Zunge nicht rund. Die Fans nehmen es meistens mit Humor.

"Stolli" im Gespräch mit Björn Knips.

Was erwartest du von Werder in dieser Saison?

Stoll: Gerne eine etwas ausgeglichenere Saison als letztes Jahr, als es erst pfui, dann hui war. Wenn am Ende Platz sieben oder acht dabei herauskommt, dann wäre ich schon zufrieden.

Die Fans diskutieren gerade ziemlich emotional, wann endlich ein neuer Innenverteidiger und wann ein neuer Stürmer kommt. Wartest Du auch so sehnlichst darauf?

Stoll: Nein, bei so etwas bin ich ein eher ruhiger Typ, weil ich die Dinge bei Frank Baumann in guten Händen weiß. Die Jungs sondieren den Markt, haben gute Leute im Auge, und es ist ja auch noch Zeit bis Ende August. Ich bin da ganz entspannt.

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