Werder-Profi über Umgang mit schwieriger Saison

Werder-Verteidiger Lars Lukas Mai und die neue Gelassenheit

Bremen – Es kommt vor, regelmäßig sogar, dass auf dem Mobiltelefon von Lars Lukas Mai nach Spielen, in denen er auf dem Platz stand, eine ganz spezielle Kurznachricht eingeht. Ihr Inhalt: Überwiegend Ziffern, die exakte Zeitangaben darstellen. Ihr Absender: Mais Vater Lars. „Er ist der Erste, der mir nach dem Spiel eine Rückmeldung gibt“, berichtet der Profi des SV Werder Bremen – und erklärt: „Er schreibt mir die Minuten, in denen es Szenen gab, die ich mir nochmal anschauen soll.“ Eine Art väterlicher Waschzettel für die Weiterentwicklung also, den Mai stets akribisch abarbeitet, was durchaus auch mal Zeit in Anspruch nehmen kann.

Schließlich gab es in der laufenden Saison schon Auftritte von ihm – Lars Lukas Mai selbst nennt sie Katastrophenspiele –, nach denen die Liste des Vaters ziemlich umfangreich gewesen sein dürfte. Umso zufriedener hält der 21-Jährige nun nach dem 2:1-Erfolg des SV Werder Bremen in Rostock fest: „Ich glaube, dass ich seit Langem mal wieder ein gutes Spiel gemacht habe und der Mannschaft helfen konnte. Darauf bin ich stolz.“ Für Lars Lukas Mai, so seine Hoffnung, könnte die Partie das Ende einer „für mich persönlich schwierigen Zeit“ markieren.

Erstmals seit Ende Oktober, seit seinem schwachen Auftritt während des 2:2 beim SV Sandhausen, hatte der Innenverteidiger in Rostock mal wieder durchgespielt. „Das hat sich sehr gut angefühlt“, sagt Lars Lukas Mai, der im Vorfeld vom Ausfall des ansonsten gesetzten Milos Veljkovic (Leistenprobleme) profitiert hatte. Okay, eine Szene dürfte es in die Liste seines Vaters geschafft haben – nämlich die aus der 83. Minute, als der Verteidiger vor dem Rostocker Anschlusstreffer eine unglückliche Figur abgab. Zuvor hatte Mai einen soliden Job gemacht und sich damit zurückgemeldet im Konkurrenzkampf in der Hintermannschaft von Werder Bremen.

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Werder Bremen: Lars Lukas Mai könnte am Samstag gegen den FC Ingolstadt erneut in der Startelf stehen

Hinter der Stammbesetzung Milos Veljkovic, Ömer Toprak und Marco Friedl wird Lars Lukas Mai vorerst zwar nur der Herausforderer bleiben, allerdings einer, der angesichts der aktuellen gesundheitlichen Probleme des gesetzten Trios schon im kommenden Spiel des SV Werder Bremen gegen den FC Ingolstadt (Samstag, 13.30 Uhr) auf seinen nächsten Einsatz hoffen darf. Zumal Ömer Toprak am Dienstag das Training mit einer Verletzung frühzeitig beenden musste.

„Was am Wochenende passiert, weiß ich nicht“, sagt Lars Lukas Mai, lobt die Qualität der Kollegen, von denen er sich im Training als junger Spieler noch einiges abschauen könne und garniert das Ganze mit einem Klassiker unter den Fußballer-Sätzen: „Wer am Ende spielt, entscheidet der Trainer.“ Wie eine Kampfansage klingt das nicht unbedingt, dabei hatte sich Mai im Sommer, bei seiner Vorstellung als Neuzugang des SV Werder Bremen während des Trainingslagers im Zillertal, noch mehr als kämpferisch präsentiert.

Werder Bremen: FC Bayern-Leihgabe Lars Lukas Mai sieht sich als ehrgeizigen Typen auf dem Feld

„Egal, wer da vorne drin steht, er wird es schwer haben“, hatte Lars Lukas Mai damals über die Stürmer der 2. Bundesliga gesagt. Und noch so eine Aussage, die bis heute einen gewissen Nachhall hat: „Ich bin ein sehr ehrgeiziger Typ auf dem Feld. Der Gegner soll Angst vor mir haben. Deswegen schaue ich grimmig.“ Fünf Monate später, Mitte Februar 2022, nach bisher 15 Pflichtspieleinsätzen für Werder Bremen klingt Lars Lukas Mai plötzlich anders. Zwar weiterhin selbstbewusst, das schon, dafür aber ein gutes Stück gelassener.

„Am Anfang ist es mir nicht leicht gefallen“, sagt Mai, der im Vorjahr bei Darmstadt 98 noch Stammspieler gewesen war, bei Werder aber oft zuschauen muss. „Da habe ich mich ein bisschen bei meinem Bruder ausgeheult. Ich habe ihm immer direkt geschrieben: Das kann doch nicht schon wieder sein!“, berichtet Mai und erklärt, dass er inzwischen geduldiger geworden sei. „Mein Bruder hat mich immer ein bisschen gebremst und gesagt: Gib Gas, deine Zeit kommt noch. Das habe ich mir zu Herzen genommen. Ich habe gelernt, dass es auch zum Erwachsensein dazugehört.“

Werder Bremen: Lars Lukas Mai musste Tod seiner Mutter im Herbst 2020 verkraften

Zu seinem großen Bruder Sebastian, der bei Dynamo Dresden unter Vertrag steht, hat Mai – wie zu seinem Vater auch – ein sehr enges Verhältnis. Im Herbst 2020 musste die Familie den Tod der Mutter verkraften, worüber Lars Lukas Mai kürzlich erstaunlich offen gesprochen hat. Mittlerweile geht sein Blick wieder nach vorne, möchte er fußballerisch die nächste Stufe erreichen. Noch bis Sommer ist Mai vom FC Bayern München an Werder Bremen ausgeliehen. Und dann? „Komplett abwegig ist gar nichts“, sagt er auf die Frage, ob er sich einen Verbleib an der Weser vorstellen könne. Und: „Aber jetzt will ich erst mal die Saison erfolgreich zu Ende bringen.“

Das würde ganz sicher auch Vater Lars und Bruder Sebastian freuen. Von Letzterem hatte sich Lars Lukas Mai jüngst zum Wechsel der Haarfarbe inspirieren lassen. „Er hat seine blond gefärbt und gesagt, dass ich es auch mal ausprobieren soll. Das Feedback war bisher nur positiv“, strahlt Mai, der nun alles daran setzen wird, dass auch diese speziellen anderen Rückmeldungen positiv bleiben. Jene, die ihm sein Vater nach den Spielen von Werder Bremen aufs Handy schickt. (dco)

Rubriklistenbild: © Imago Images / Voelker

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