Naldo umarmt Mitspieler Kevin De Bruyne von hinten und hebt ihn hoch. Beide bejubeln ein Tor für den VfL Wolfsburg.
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Früher bei Werder Bremen, danach beim VfL Wolfsburg: Kevin De Bruyne (l.) und Naldo.

Vor Bundesliga-Spiel am Freitag

So viel Werder steckt im VfL Wolfsburg: Allofs und Ex-Bremer prägten erfolgreiche „Wölfe“

Wer über die Wechselbeziehungen zwischen Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg nachdenkt, landet unweigerlich bei einem Namen. Im Zentrum der Verbindung zwischen den beiden Erstligisten aus dem Norden steht einer, der in der Hansestadt seinen Stempel hinterlassen und Ähnliches in der Volkswagenstadt probiert hat: Klaus Allofs, in Bremen kontinuierlich ein Erfolgsgarant, in Wolfsburg zumindest kurzzeitig.

Als sich Klaus Allofs im November 2012 zu dem Seitenwechsel entschloss, traf der 63-jährige Macher auf zwei alte Bekannte. „Einer der besten Manager in Deutschland“, begrüßte ihn Diego, der Brasilianer, den Allofs 2006 als Nachfolger von Johan Micoud für eine Ablöse von sechs Millionen Euro aus Porto zum SV Werder Bremen geholt hatte. „Es ist gut für uns alle, dass er kommt“, meinte Naldo, der Brasilianer, der durch Allofs‘ Tun 2005 das Erbe von Valerien Ismael im Abwehrzentrum angetreten hatte.

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Werder Bremen: VfL Wolfsburg lockt Manager Klaus Allofs mit viel Geld

Zwei frühere Bremer also als Empfangskomitee für den Manager, der in der niedersächsischen Provinz das aufzubauen gedachte, was ihm im Stadtstaat gelungen war. „Eine neue Herausforderung für mich“ nannte Allofs seinen überraschenden Wechsel zum VfL Wolfsburg. Oft habe er in den letzten Jahren diverse attraktive Angebote erhalten, fügte er hinzu. Wie kolportiert worden war, Offerten selbst vom Branchenriesen FC Bayern München, denen er widerstand.

Doch nun lockte der spendable Verein des mächtigen und potenten Autokonzerns, reizten die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich beim Meister aus dem Jahr 2009 offenbarten. Wer sich erinnert: Perfekt machten die „Wölfe“ den Titel in jener Spielzeit am letzten Spieltag mit einem souveränen 5:1 gegen Werder Bremen. Nun also der Versuch mit Allofs. Ein ungewöhnlicher Personalwechsel, der erste auf dem Sessel eines Managers im Laufe der Spielzeit in der Liga-Historie.

Klaus Allofs holte nicht Thomas Schaaf von Werder Bremen zum VfL Wolfsburg, sondern Dieter Hecking

Der Lockruf des Geldes also und eine strahlende Zukunft, während in Bremen allmählich die Lichter ausgingen. Vorbei die Erfolge, die sich spielend wie am Fließband im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts eingestellt hatten. Rückblende auf die neue Ära: Nach dem Doppel Rehhagel und Lemke folgte die enorm erfolgreiche „Bruderschaft“ zwischen Allofs und Thomas Schaaf, die Koalition der beiden Mannschaftskollegen von einst. Bis es bergab ging, erst recht nach dem Allofs-Abgang. Coach Schaaf blieb nur noch einige Monate.

Lange war spekuliert worden, ob Allofs seinen „Blutsbruder im Geiste“ mit an den Mittellandkanal holte. Doch dies kam für den gebürtigen Düsseldorfer, der von 1990 bis 93 für Grün-Weiß gespielt und den Europapokal der Pokalsieger gewonnen hatte, nicht infrage. Er setzte auf Dieter Hecking als neuen Coach. Und der Geschäftsführer Sport, wie sein offizieller Titel lautete, hatte damit Erfolg. Zumal auch das Bremer Element im Kader funktionierte.

Werder Bremen-Ex-Spieler Diego, Naldo und Kevin De Bruyne beim VfL Wolfsburg

Leistungsträger Diego, von Allofs für den europäischen Fußball entdeckt: Nach dem Zerwürfnis mit Meistercoach Felix Magath zwischenzeitlich zu Atletico Madrid ausgeliehen, wieder im Team und bis 2014 eine Bereicherung.

Leistungsträger Naldo: Den heutigen Trainerassistenten auf Schalke hatte Allofs höchstpersönlich noch zu Wolfsburg transferiert. Ein Wechsel mit Fragezeichen: In einem unglücklichen Zweikampf ausgerechnet mit seinem für Wolfsburg kickenden Landsmann Grafite hatte sich der Publikumsliebling im April 2010 eine schwere Knieverletzung zugezogen: Knochenödem am rechten Knie. Karriereende? Nicht bei Naldo. Er bewährte sich als Stütze der Defensive, wie noch Jahre später auf Schalke.

Leistungsträger Kevin De Bruyne: Noch in Diensten des SV Werder Bremen hatte Allofs das spektakuläre Leihgeschäft mit dem FC Chelsea perfekt gemacht. 2014 holte er den Belgier, inzwischen zu einem absoluten Superstar avanciert, nach Wolfsburg. Und bewies abermals sein glückliches Händchen. Eine Saison lang zauberte der heute 29-Jährige, trug mit zur Vize-Meisterschaft hinter Bayern und zum Pokalsieg 2015 bei. Zu halten war der zu Deutschlands Fußballers des Jahres gekürte Techniker danach nicht mehr – nicht für den VfL, nicht für Allofs. Für die damalige Rekordsumme von 75 Millionen Euro, dem teuersten Transfer in der Liga, wechselte der Ausnahmespieler zu Manchester City.

Werder Bremen: Max Kruse wird in einer Saison beim VfL Wolfsburg nicht glücklich

Allofs und die dreifache Zutat aus Bremen: Es wurde zu einer Erfolgsstory, bei der selbst das gescheiterte Engagement von Aaron Hunt, nur Ergänzungsspieler 2014/15, kaum störte. Im ersten Jahr Platz fünf und die Qualifikation für die Europa League, 2015 dann der zweite Platz in der Meisterschaft, somit die Berechtigung, in der Champions League antreten zu dürfen, sowie der Sieg im Cup. Zur Vollständigkeit: In der europäischen Königsklasse hielt sich der Underdog tapfer und scheiterte erst im Viertelfinale an Real Madrid. In der Liga lief es nicht so, nur Platz acht, gescheitert an der Quali für das internationale Geschäft.

Das alles mit einem gewissen Max Kruse, dem bei Werder Bremen groß gewordenen Exzentriker, der in 32 Spielen nur sechs Tore erzielte und sich nach nur zwölf Monaten verabschiedete. Rückkehr nach Bremen, noch bevor kurz vor Weihnachten 2016 das Aus für Allofs kam, der seitdem eine Schaffenspause einlegte, bis ihn sein Heimatklub, die Düsseldorfer Fortuna, unlängst in den Vorstand berief.

Felix Magath macht VfL Wolfsburg zum Meister, Olaf Rebbe als letzter Wechsel von Werder Bremen

Für eine kurze Spanne danach blieb der „Werder-Grundstoff“ im VW-Verein erhalten. Olaf Rebbe, bei Werder lange Marketingleiter, schließlich als rechte Hand von Allofs allgegenwärtig, war von seinem Herrn und Gebieter nach Wolfsburg gerufen und berufen worden. Zunächst als Leiter Sport engagiert, später als Sportdirektor installiert, führte der Allofs-Lehrling die Geschäfte. Der nun in gleicher Funktion bei PAOK Saloniki tätige 42-Jährige durfte das Erbe seines Meisters bis Sommer 2018 verwalten.

Sein Laufpass markiert das Ende der Wechselgeschichte zwischen Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg, bei der ein Vorfall nicht unerwähnt bleiben soll. Um auf seine zynische Wortwahl zurückzugreifen: Felix Magath durfte in Ruhe weiterarbeiten, „nur halt woanders“. Als vierter der Rehhagel-Nachfolger in Bremen 1999 gnadenlos gescheitert, setzte er ein Jahrzehnt später das dicke Ausrufezeichen, als er die „Wölfe“ zum Titel führte. (hgk) Auch interessant: So seht Ihr das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg live im TV und im Live-Stream.

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