Trainer Julian Nagelsmann und Sportdirektor Markus Krösche, der eine Vergangenheit bei Werder Bremen hat, sorgen bei RB Leipzig für Erfolg.
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Trainer Julian Nagelsmann (l.) und Sportdirektor Markus Krösche, der eine Vergangenheit bei Werder Bremen hat, sorgen bei RB Leipzig für Erfolg.

Vor dem Bundesliga-Duell am Samstag

So viel Werder steckt in RB Leipzig: Europapokal-Furore, Star-Abgänge und ein Ex-Bremer als Macher des Erfolgs

Eine Erfolgsstory ohne Makel, dieser Werdegang von RasenBallsport Leipzig, wie sie sich offiziell nennen. Der Club aus Sachsen, dem nicht nur Traditionalisten aus der Branche den Status eines gewöhnlichen Verein absprechen, stattdessen von einem Konstrukt und Marketinginstrument des Red-Bull-Konzern sprechen, hat einen beispiellosen Siegeszug hingelegt. Die Etappen: 2013 noch in der Regionalliga, danach ein Jahr in der 3. Liga, 2015 Aufstieg in die Zweitklassigkeit, seit 2016 im Oberhaus als einer der Gegner des SV Werder Bremen.

Aufstieg auf nationaler Ebene, begleitet von einem ebenso so rapiden Erklimmen der Höhen auf internationalem Parkett: RB Leipzig ist in dieser Hinsicht in dieser Epoche, was Werder Bremen zu Beginn dieses Jahrtausends im kontinentalen Fußball war. Werder kam damals aus einer mehr als vierjährigen Erfolgsdelle nach dem Weggang von Otto Rehhagel, meldete sich 1999 mit dem Einstieg von Thomas Schaaf zurück und mischte danach wieder im Konzert der Großen mit. Die Renaissance der Bremer, gipfelnd im Double 2004, kam damals überraschend, so unverhofft wie aktuell der ungebremste Siegeszug der Leipziger.

Die Parallelität fällt auf: In Dortmund und München, ja selbst in Mönchengladbach und Leverkusen waren Erfolge auf europäischem Sektor kalkulierbar. Aber zu jener Zeit in Bremen? Oder in der Neuzeit in Leipzig?

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Werder Bremen früher, RB Leipzig heute: Dauergast im Europapokal

Doch beide Teams schafften es, in der Königsklasse des Kontinents präsent zu sein. Werder Bremen vollbrachte dieses Kunststück von 2004 bis 2011 gleich sechsmal, was zuvor schon zu Otto-Zeiten 1993 gelungen war. Leipzigs Serie ist noch beeindruckender: Obwohl erst im fünften Jahr in der Bundesliga haben sich die Emporkömmlinge schon dreimal für den auch finanziell mehr als lukrativen Wettbewerb der europäischen Giganten qualifiziert und streben dies auch in dieser Spielzeit wieder sehr ambitioniert an.

Dauergast in Europa? Überwintern in der Champions League, also noch dabei zu sein, wenn es im Frühjahr in der Knockout-Phase ernst wird? RB Leipzig hat dies in der schweren Gruppe mit Manchester United, dem Tuchel-Klub Paris Saint-Germain und dem türkischen Meister Basaksehir geschafft. Ein Ende der internationalen Erfolgsphase ist noch nicht in Sicht.

Das Auftreten im letztjährigen Wettbewerb hat Mut gemacht. Titelverteidiger Liverpool bereits draußen, Real und Barca bereits ausgeschieden, Juventus und Manchester City nur noch in der Zuschauerrolle – doch Leipzig, der große Underdog, war noch im Rennen. Erst im Halbfinale gegen Paris Saint Germain war beim Finalturnier in Lissabon Endstation. Zum zweiten Mal erst dabei und im Wettstreit des europäischen Hochadels schon so weit gekommen.

RB Leipzig trumpft in der Champions League auf - mehr noch als einst Werder Bremen

„Wir sind sehr stolz“, meldete sich Oliver Mintzlaff, der Vorsitzende der Geschäftsführer, zu Wort. Und Kevin Kampl, einer der erfahrenen Mitglieder im Kader, umschrieb den Stellenwert dieses Resultats mit diesen Worten: „Der Club wurde international noch einmal eine Stufe nach oben gehoben.“

International ist der Novize aus den neuen Bundesländern damit sogar erfolgreicher als die Bremer. Diese scheiterten zumeist in der Gruppenphase und zementierten somit das Bild des beachteten, aber doch gescheiterten Außenseiters. Nur zweimal erreichte Werder Bremen das Achtelfinale, in dem 2005 Olympique Lyon und ein Jahr später Juventus Turin das Stoppsignal setzten.

Für den größten Erfolg der Grün-Weißen sorgte der Umweg über den UEFA-Pokal: Als Tabellendritter in der der Champions League ausgeschieden, doch für den „Cup der Verlierer“ (Franz Beckenbauer) qualifiziert, kämpfte sich Werder mit Siegen über AC Mailand, St. Etienne, Udinese und dem Hamburger SV während der legendären „Norddeutschen Wochen“ ins Finale von Istanbul: 1:2 nach Verlängerung gegen Schachtar Donezk.

RB Leipzig-Sportdirektor Markus Krösche hat eine Vergangenheit bei Werder Bremen

Wie geht es weiter in Leipzig? Kann das hohe Niveau gehalten werden? Es ist Julian Nagelsmann, erst 33 Jahre jung und schon ein so erfolgreicher „alter Hase“, zuzutrauen, dass er den eingeleiteten Prozess bei dem Spitzenclub fortführen und vollenden kann. Jahrelang stand RB Leipzig für den von Ralf Rangnick inspirierten Umschaltfußball, Nagelsmann hat diese Eigenart bereichert um besseres Positionsspiel und eine gekonnte Ballbesitz-Philosophie. Alle rühmen den jungen Coach. Als „erfolgsbesessen, detailverliebt und vorbildlichen Teamplayer“ lobt RB-Chef Mintzlaff den begabten Fußballlehrer, der aus den vielfältigen Möglichkeiten, die der finanzkräftige Brausegigant seinem Geschäftszweig bietet, eine Menge herausholt.

In dieser Saison ist der letztjährige Herbstmeister besonders gefordert. Dies weiß auch Markus Krösche, der als Sportdirektor das schwere Erbe des umtriebigen Rangnick angetreten ist. Krösche, der Aufsteiger in der Branche, absolviert nach der Lehre beim SC Paderborn und Bayer Leverkusen nun seine Meisterprüfung bei einem Erstligisten, der längst zu den Riesen zählt. Bisher hat sich der Manager mit Bremer Vergangenheit in seiner neuen Rolle bewährt. Der 40-Jährige, der 55 Partien für die Werder-Amateure von 1999 bis 2001 bestritt, den Sprung in die von Thomas Schaaf dirigierte „Erste“ indes nicht schaffte, ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst.

Es ist wie einst auch bei Werder Bremen: Mit den Erfolgen der Mannschaft steigern sich Bekanntheitsgrad und Attraktivität der einzelnen Spieler. Das Beispiel in Leipzig: Timo Werner, der Torgarant, seit dem Aufstieg 2016 immer an vorderster Front, einer, der in 159 Pflichtspielen sage und schreibe 95 Treffer markierte. Dieser Werner also, in Leipzig wie in der Nationalelf eine feste Größe, wechselte für festgeschriebene 53 Millionen Euro zum FC Chelsea.

Werder Bremen und RB Leipzig: Abgang von Stars mit Folgen?

In Bremen wirkte sich damals der Abgang der Stars negativ aus. Einige der Schlüsselspieler wechselten die Seiten, als das Team von Erfolg zu Erfolg eilte. Die wichtigsten Verkäufe, chronologisch geordnet: 2002 Torsten Frings nach Dortmund, 2004 Ailton zu Schalke, 2006 Johan Micoud zu Bordeaux, 2007 Miroslav Klose zu Bayern München, 2009 Diego zu Juventus Turin und 2010 Mesut Özil zu Real Madrid. Die Individualisten fehlten, die Klasse der Werder-Elf sank kontinuierlich. Ein beispielloser Niedergang im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts.

Auch bei RB Leipzig könnte sich diese Problematik auftun. Wenngleich die Macher vorbeugen wollen. Bis auf Werner, so die Devise, die Boss Mintzlaff ausgegeben hat, sollte kein weiterer Stammspieler verkauft werden. Werner machte von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch, war insofern nicht weiter an den Club zu binden. Doch Führungsspieler wie Abwehrass Dayot Upamecano, wie die deutschen Internationalen Lukas Klostermann oder Marcel Halstenberg oder die Österreicher Marcel Sabitzer und Konrad Laimer konnten gehalten werden.

So muss nur der Verlust des sprintstarken Stürmers Werner aufgefangen werden. „Wir können ihn nicht eins zu eins ersetzen“, weiß Kaderplaner Krösche. In der Gruppe der Offensivkräfte wollen sie dies versuchen. Mit Kandidaten wie dem altgedienten Dänen Yussuf Poulsen sowie den neu gewonnen Hee-Chan Hwang, den für neun Millionen von der Filiale aus Salzburg geholten Koreaner, oder den Norweger Alexander Sörloth (zuletzt Trabzonspor) soll dies gelingen. Bislang hat es funktioniert: Auch ohne die Rakete Werner mischt die Nagelsmann-Truppe im Vorderfeld mit und trumpft kontinental auf. (hgk) Auch interessant: So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen RB Leipzig aussehen. Und: So seht Ihr das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen RB Leipzig live im TV und im Live-Stream.

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