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Werder Bremen steht vor seinem ersten Geisterspiel in der Bundesliga-Geschichte. Stefan Blank hat es schon erlebt: Das Spiel Alemannia Aachen gegen den 1. FC Nürnberg wurde ohne Fans ausgetragen.

Eine Bremer Chance und eine Warnung

Ex-Werder-Profi Blank im Interview: „Geisterspiele sind schrecklich“

Bremen – Der SV Werder Bremen bereitet sich auf das erste Geisterspiel in seiner Bundesliga-Geschichte am Montag gegen Bayer Leverkusen vor, ein Ex-Bremer kann dabei wertvolle Tipps geben. Stefan Blank, der von 2001 bis 2003 für die Grün-Weißen gespielt hat, war im Januar 2004 beim ersten Geisterspiel im deutschen Profifußball dabei.

Wegen Ausschreitungen der Fans musste er mit Alemannia Aachen gegen den 1. FC Nürnberg vor leeren Rängen spielen. Blanks Team gewann 3:2, blieb damit Tabellenführer der Zweiten Liga. Der 43-Jährige findet Geisterspiele trotzdem „schrecklich“. Der DeichStube hat Blank, der in Gelsenkirchen lebt und im Außendienst einer Verpackungsfirma arbeitet, erzählt, was an Spielen ohne Publikum so schwierig ist, warum sie aber auch aus anderen Gründen unvergesslich werden können.

Stefan Blank, wie fühlt sich so ein Geisterspiel als Profi an?

Wie ein Freundschaftsspiel, bei dem es aber um Punkte geht. Das wünsche ich wirklich keinem. Es ist extrem schwer, sich auf das Spiel zu fokussieren. Du stehst im Tunnel, hörst die Einlaufmusik – und eigentlich ist alles wie immer. Doch dann kommst du raus, und da ist niemand. Das ist verrückt. Wir haben erst mal Quatsch gemacht.

Wie bitte?

(lacht) Wir haben in jede Kurve applaudiert, obwohl da niemand war. Die Nürnberger dachten, wir seien total durchgeknallt. Aber wir waren damals eine lustige Truppe mit tollen Charakteren wie Erik Meijer oder auch Willi Landgraf.

Hat das Geisterspiel etwa Spaß gemacht?

Auf keinen Fall. Es war schrecklich. Jedes Wort, das du sagst, hallt durchs Stadion. Da musst du extrem aufpassen, kannst den Gegner nicht wie sonst beschimpfen. Trash-Talk sollte man sich verkneifen. Aber nicht nur das fehlt einem. Es kommt natürlich überhaupt keine Reaktion von den Rängen, nichts Positives, nichts Negatives. Das brauchst du aber als Spieler. Für Werder ist das in der aktuellen Situation besonders bitter.

Warum?

Die Spieler sind doch durch den Abstiegskampf mental ohnehin schon angeschlagen. Da brauchen sie jede Unterstützung. Und in Bremen bekommen sie diese auch, egal, wie es steht. 90 Minuten lang. Das zeichnet die Fans im Weserstadion einfach aus. Deswegen ist dieses Geisterspiel für Werder ein absoluter Wettbewerbsnachteil. Den Leverkusenern wird es nicht viel ausmachen, dass sie in Bremen vor leeren Rängen spielen müssen. Sie werden so selbstbewusst, wie sie gerade sind, ihren Stiefel konsequent runterspielen.

„Festgelegt, dass Werder Bremen absteigt“ 

Ist es fair, die Spiele so auszutragen?

Nein! Aber die Situation ist auch verzwickt. Ich kann die Entscheidungsträger verstehen, dass sie aus Vorsicht Großveranstaltungen absagen. Aber löst das beim Fußball wirklich das Problem? Jetzt rennen die Fans in die Kneipen und gucken sich dort auf engstem Raum die Spiele zusammen an. Und wer weiß, was vor den Stadien passiert? In Aachen haben sie damals rund um das Stadion einen Schutzkreis gezogen, alle zwei Meter stand ein Ordner. Dahinter waren Tausende Fans, die uns dann nach dem Abpfiff gefeiert haben. Wer weiß, vielleicht feiert am Montagabend ganz Bremen. Das Spiel kann auch eine große Chance sein.

Inwiefern?

Wenn die Mannschaft dieses schwierige Spiel gewinnt, dann zeigt das, dass sie doch eine charakterstarke Truppe ist. Zuletzt hatte man schon den Eindruck, dass da Typen wie ein Max Kruse fehlen.

Schafft Werder noch den Klassenerhalt?

Nach dem Spiel in Berlin habe ich mich eigentlich festgelegt, dass Werder absteigt. Sie hatten zwar eine gute Phase im Spiel, aber das reicht nicht. In der Zusammenstellung des Kaders ist da meiner Meinung nach etwas verschlafen worden, da fehlt einfach das Tempo. Und wie schon gesagt, ich sehe auch nicht diese Typen, die die jungen Spieler mitziehen können. Vielleicht ist noch die Relegation drin. Dann aber bitte nicht gegen den Hamburger SV, das wäre die Hölle für den Norden.

Wie sehr fiebern Sie bei Werder noch mit?

Ich weiß gar nicht, ob dass so gut ist, wenn ich meinen Ex-Clubs die Daumen drücke. Die sind inzwischen alle abgestürzt, da ist kein Verein mehr erstklassig (lacht). Im Ernst: Natürlich hoffe ich, dass Werder drin bleibt, der Verein gehört einfach in die Bundesliga. Aber es wird verdammt schwer – und diese Geisterspiele machen es nicht leichter.

Haben Sie noch einen Tipp, wie man so ein Geisterspiel am besten angeht?

Wir haben damals an unseren Abläufen nichts geändert und versucht, uns so gut wie möglich zu konzentrieren. Am Ende haben wir uns einen 3:2-Sieg ermogelt.

Eine Frage darf nicht fehlen: Das Geisterspiel in Aachen wurde auch deshalb so berühmt, weil ein Gespenst durch die leeren Zuschauerränge lief – und das Bild um die Welt ging. Wer war das?

Das war eine coole Aktion. Ein Mitarbeiter aus der Geschäftsstelle hat sich das ausgedacht. Typisch Alemannia, so tickten die Leute damals dort. (kni) 

Stefan Blank

Blanks Karriere

Alter: 43

Vereine: MSV Duisburg (2006 bis 2008), 1. FC Kaiserslautern (2005 bis 2006), Alemannia Aachen (2003 bis 2005), FC St. Pauli (2003), Werder Bremen (2001 bis 2003), VfB Stuttgart (2000 bis 2001), Hannover 96 (1998 bis 2000), SG Wattenscheid (1996 bis 1998), FC Schalke 04 (Jugend).

Bundesliga-Spiele: 39/5 Tore.

Zweitliga-Spiele: 120/22 Tore.

Position: Linker Verteidiger.

Größter Erfolg: DFB-Pokalfinale 2004 mit Alemannia Aachen gegen Werder Bremen (2:3).

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