Niclas Füllkrug und Oliver Burke sind beim SV Werder Bremen in der laufenden Saison bislang zwei Experten für späte Tore - sehr zur Freude von Trainer Ole Werner.
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Niclas Füllkrug und Oliver Burke sind beim SV Werder Bremen in der laufenden Saison bislang zwei Experten für späte Tore - sehr zur Freude von Trainer Ole Werner.

Werders Last-Minute-Knipser

Das Beste kommt zum Schluss: Werder Bremen erzielt einen späten Treffer nach dem anderen und stellt einen neuen Bundesliga-Rekord auf

Bochum – Marco Friedl hatte allerbeste Sicht auf die Szenerie. Deshalb konnte er sich auch ganz genau daran erinnern, wie das Spiel seines SV Werder Bremen beim VfL Bochum doch noch in die richtige Richtung kippte. „Beim ersten Treffer kommt der Ball in den Sechzehner. Ich sehe, dass Fülle alleine vor dem Tor steht. In dem Moment wird mir klar: Wenn er den auf den Kopf kriegt, dann scheppert es.“ Der Kapitän sollte Recht behalten. Besagter Niclas Füllkrug setzte zum Flugkopfball an, wuchtete die Kugel ins Netz und ließ die Bremer jubeln.

Da lief bereits die Schlussphase, schon wieder hatte Werder Bremen spät zugeschlagen. Und nicht zum letzten Mal, denn in der Nachspielzeit erhöhte Füllkrug bekanntlich noch per Elfmeter zum 2:0-Endstand. Mit den Bremern, so viel wurde abermals im Ruhrgebiet deutlich, muss in dieser Saison wohl immer gerechnet werden. Zwölf Treffer hat die Mannschaft von Ole Werner bislang erzielt, allein sieben davon fielen erst nach der 86. Minute. In fünf Fällen musste sogar die Nachspielzeit herhalten – ein absoluter Rekord in der Bundesliga nach fünf Spieltagen.

Und es ist ein Trend, der begeistert – aber vielleicht nicht unbedingt gesundheitsförderlich für die Mitfiebernden ist. Das weiß auch Werder Bremens Cheftrainer, der dennoch lächelnd betonte: „Ich leide nicht, weil ich weiß, dass wir als Aufsteiger nicht davon ausgehen können, dass die Spielverläufe grundsätzlich klar für uns sind. Den Luxus hatten wir vielleicht im letzten Jahr hin und wieder mal, aber den werden wir dieses Jahr nicht allzu oft erleben.“ Daher freut sich Ole Werner fast schon auf den Endspurt einer jeden Partie. „Wenn die Schlussphase eng ist, haben wir immer das Gefühl, dass wir nochmal treffen können“, sagte er. „Deswegen ist es für mich eher ein gutes Gefühl.“ Niclas Füllkrug geht es nicht anders: „Das ist sehr gut für den Kopf, für die Mentalität. Wir werden für unseren Glauben und unser Nicht-Aufhören belohnt.“

Späte Treffer von Werder Bremen gegen den VfL Bochum: „Dann haben wir auch das Quäntchen Glück und die Effektivität“

Mit dieser Leidenschaft hat sich der Aufsteiger die Erfolgserlebnisse der bisherigen Spielzeit fraglos verdient. Und es gelingt ihm damit auch, weniger gute Phasen zu übertünchen. In Bochum waren es nämlich eigentlich die Gastgeber, die am Ende dem Sieg näher schienen. Werder Bremen hatte gute Chancen durch Füllkrug (22.), Niklas Schmidt (41.) oder Werder-Angreifer Marvin Ducksch (50./51./60.) ausgelassen, ehe der VfL Bochum immer gefährlicher wurde. „Speziell in der zweiten Halbzeit lief es nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben“, bilanzierte Ole Werner. „Dann haben wir das Quäntchen Glück und auch die Effektivität, um in einer Drangphase von Bochum zu treffen und das Spiel in unsere Richtung zu lenken.“ Auch zwei knifflige VAR-Entscheidungen nach gegnerischen Treffern überstanden die Gäste unbeschadet – wenn es läuft, dann läuft es.

Somit stand gegen den VfL Bochum nun sogar erstmals die Null, nachdem sich das Team zuvor unbefriedigende zehn Gegentreffer eingehandelt hatte. „Das tut der Mannschaft und insbesondere den Defensivspielern gut“, meinte Werder Bremens Coach. „Wenn man sich die individuelle Leistung anguckt und wie viele Zweikämpfe wir geblockt haben, war es eine Steigerung im Vergleich zu den Vorwochen. Deshalb ein Kompliment speziell auch an die Jungs.“

Last-Minute-Sieg gegen den VfL Bochum: Werder Bremen bietet wieder Spektakel und Unberechenbarkeit

Die Bremer waren ihrem Ruf als Unterhaltungskünstler also wieder einmal gerecht geworden. Mehr noch. Der SV Werder besitzt momentan die Eigenschaft eines erstklassigen Thrillers. Immer dann, wenn man gerade denkt, das Ende des Plots nun aber wirklich zu kennen, nimmt die Geschichte doch noch einmal eine völlig unerwartete Wendung. Es ist jetzt etwas mehr als zwei Jahre her, dass der damalige Werder-Trainer Florian Kohfeldt gern betonte, dass es „nicht immer vergnügungssteuerpflichtig“ sei, was sich auf dem Rasen abspiele. Inzwischen ist das anders, Werder Bremen bietet wieder Spektakel und Unberechenbarkeit. Wenn ligaweit Prämien für den besten Unterhaltungswert ausgeschüttet werden würden, besäße der Verein mit ziemlicher Sicherheit ein volleres Festgeldkonto.

Aber auch ohne finanzielle Honorierung avancieren die Bremer wieder zu einer echten Marke. Auch tabellarisch. Durch den Sieg beim Tabellenletzten wurde der Abstand zu den ungemütlichen Regionen des Klassements angenehm aufgepolstert. „Es ist im Großen und Ganzen ein guter Start. Acht Punkte, das liest sich nicht so schlecht“, erklärte Niklas Schmidt. „Das sollte uns Sicherheit und Rückenwind geben, dass wir nächste Woche auch mal wieder ein Heimspiel gewinnen.“ Schon am Freitag (20.30 Uhr, DeichStube-Live-Ticker) ist der FC Augsburg im Weserstadion zu Gast, dann will Werder Bremen wieder begeistern. „Auswärts machen wir es im Moment nicht schlecht. Den gleichen Spirit und die gleiche defensive Leidenschaft müssen wir auch zu Hause auf den Platz bringen“, forderte Schmidt. Die Belohnung holt er sich dann notfalls auch gern erst wieder in der Schlussphase ab. Alles andere wäre ja langweilig. (mbü)
 

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