Klaus Fischer, Ehrenpräsident des SV Werder Bremen, feiert seinen 80. Geburtstag.
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Klaus Fischer, Ehrenpräsident des SV Werder Bremen, feiert seinen 80. Geburtstag.

Ehrenpräsident blickt zwiegespalten auf Werder Bremen

Klaus-Dieter Fischer wird 80: „Mr. Werder“ will keine Versöhnung

Bremen – Der Tag nach Weihnachten ist „Klaus-Dieter-Fischer-Tag“ – und das nun schon seit 80 Jahren. Am Sonntag feiert Fischer seinen runden Geburtstag – und unter normalen Umständen hätte es für ihn eine große Party gegeben. Ausgerichtet natürlich vom SV Werder Bremen. Denn Fischer wird nicht umsonst „Mr. Werder“ genannt, eine Sporthalle des Vereins trägt sogar seinen Namen. Aber was ist in diesen Tagen und Monaten schon normal?

Doch nicht allein die Corona-Pandemie hat eine Feier verhindert, sondern auch das schon sehr lange etwas angespannte Verhältnis zwischen dem Ehrenpräsidenten und den aktuell Verantwortlichen des SV Werder Bremen. Eine Versöhnung ist nicht in Sicht, was bei Fischers Vita mit 66 Jahren Mitgliedschaft und 50 Jahren in diversen Funktionen fast schon tragisch wirkt. „Es ist traurig“, gesteht Klaus-Dieter Fischer im Gespräch mit der DeichStube und flüchtet sich in Galgenhumor: „Es passt zur Covid-Situation: Ich darf keinen sehen – und ich will auch keinen sehen.“

Sein Verhältnis zur „oberen Etage“, wie er die Vertreter der Geschäftsführung und des Aufsichtsrates nennt, tendiere „gegen Null“. Nur bei Sportchef Frank Baumann und Trainer Florian Kohfeldt sei das anders, zu ihnen habe er noch ein bisschen Kontakt. Mit seinem Nachfolger Hubertus Hess-Grunewald ist er sich dagegen schon lange nicht mehr grün. Auch nicht mit Klaus Filbry, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, und Aufsichtsratschef Marco Bode.

Werder Bremen: Klaus-Dieter Fischer will im Streit mit den Club-Verantwortlichen nicht nachgeben

Der Streit bei Werder Bremen war im Sommer eskaliert, als Fischer in Folge kritischer Interviews seine beiden Plätze in der Ehrenloge räumen sollte, um die Dauerfehde nicht zum Problem im Weserstadion gerade im Umgang mit Ehrengästen und Sponsoren werden zu lassen. Fischer machte die Geschichte via „Bild“ öffentlich, die Gegenseite wehrte sich medial. „Bei der Schlacht mit Worten gab es viele Verletzte auf beiden Seiten“, bedauert Fischer. Als Ehrenpräsident könnte er nun einlenken. „Ich will aber nicht der alte, weise Mann sein“, sagt der 80-Jährige und interpretiert seine Rolle anders: „Ich möchte weiter meine Meinung sagen und werde das auch tun.“

Natürlich macht er sich Sorgen um seinen SV Werder Bremen– sportlich und wirtschaftlich. „Ich glaube an den Klassenerhalt, aber es wird schwer.“ Noch größer sei die Aufgabe, Werder auch finanziell erstklassig zu halten. „Investoren sind die einzige Chance, dass wir es schaffen können.“ Nur sei die Akquise alles andere als einfach. Schon zu seiner Zeit als Geschäftsführer habe der Club vergeblich nach einem strategischen Partner gesucht. „Meine Hoffnung bleibt, dass wir ein Modell ähnlich wie Arminia Bielefeld hinbekommen, wo sich viele regionale Partner gemeinsam engagieren.“ Natürlich müsse das etwas größer sein, denn die Ansprüche seien bei Werder mit der ruhmreichen Vergangenheit inklusive Europapokalsieg schon andere als beim Fahrstuhlclub aus Ostwestfalen.

Klaus-Dieter Fischer: Das war mein persönlicher Werder-Bremen-Moment

„Als ich mich 1970 mit Franz Böhmert zur Wahl gestellt habe, da haben wir untereinander besprochen, dass wir gerne mal mit Werder international dabei sein wollen“, erinnert sich Fischer an seine Anfänge als 3. Präsident, um nicht ohne Stolz anzufügen: „Wir haben es irgendwann tatsächlich geschafft, obwohl es uns damals auch nicht gut ging.“ Solche Visionen brauche es, wenngleich er zumindest an dieser Stelle seine Nachfolger in Schutz nimmt: „Damals war die Bundesliga viel enger beieinander. Für Werder ist das internationale Geschäft heute fast unmöglich, es geht eigentlich nur ums Überleben.“

Da macht der Rückblick schon mehr Spaß – und Fischer keinen Hehl daraus, wie er diese Zeit sieht: „Es erfüllt mich schon mit Stolz, dass ich alle elf Titel als Mitglied miterlebt habe und neun davon mitgestaltet habe.“ Fischer war lange der Vize-Präsident hinter Böhmert, daher auch sein Spitzname „Vize“. Aus dem Ehrenamt wurde dann 2003 ein Vollzeit-Job. Er hörte als Direktor der Bremer Verwaltungsschule auf, wurde einer von vier, später nur noch drei Geschäftsführern der ausgegliederten Profi-Abteilungen. „Es war einfach toll, mit 63 Jahren noch einmal so eine interessante Aufgabe übernehmen zu dürfen.“ 2014 trat Fischer dann als Geschäftsführer und Präsident des Clubs zurück, wurde zum ersten Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt und die Werder-Sporthalle in der Hermine-Berthold-Straße in Bremen in Klaus-Dieter-Fischer-Halle umbenannt.

Wenn er seinen Werder-Moment schlechthin benennen soll, „dann habe ich Christoph Dabrowski vor Augen, wie er 1999 das 1:0 gegen Schalke macht und uns quasi vor dem Abstieg rettet“. Es war nach dem Rauswurf von Trainer Felix Magath das erste Spiel unter Thomas Schaaf. Unvergessen sei natürlich auch der 1:0-Sieg 1988 gegen Frankfurt zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft, „als mir Otto Rehhagel beim Jubeln die Brille von der Nase haut“.

Lieblingsspieler bei Werder Bremen? Klaus-Dieter Fischer: „Naldo!“

Fischer könnte noch viele dieser Geschichten erzählen, er hat sogar ein Buch darüber geschrieben. Aber der 80-Jährige hat auch kein Problem damit, die Vergangenheit zu komprimieren – wie zum Beispiel bei der Rubrik Lieblingsspieler. „Naldo“, legt sich der Ur-Werderaner sofort auf den Brasilianer fest, der von 2005 bis 2012 das Trikot mit der Raute trug und heute als Co-Trainer beim FC Schalke 04 arbeitet. „Naldo hat sich fantastisch bei uns entwickelt, als Sportler und als Mensch.“ Der Abwehrspieler sei immer bereit gewesen, auch neben dem Fußball Termine für Werder wahrzunehmen. Speziell im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR), den Fischer bei den Grün-Weißen mit Aktionen wie „100 Schulen, 100 Vereine“ mit aufgebaut hat.

Eine Extra-Erwähnung bekommen auch noch Max Kruse und Fin Bartels. „Sie hätte ich gerne noch hier“, sagt Fischer: „Max ist einfach ein besonderer Typ, von denen es nicht viele gibt. Und Fin ist menschlich absolut top.“ Gleiches gelte auch für Per Mertesacker – „und ganz viele andere“, wie Fischer schnell noch hinterherschiebt. Und Otto Rehhagel und Thomas Schaaf hätten gewiss wieder zu den ersten Gratulanten an seinem Geburtstag gehört: „Sie sind etwas ganz Besonderes für mich.“ Die Werder-Familie eben, mit der Fischer ausgerechnet seinen 80. Geburtstag nicht richtig feiern kann. Dafür wollte er sich mit seiner Frau Anne an seinem Ehrentag ein Glas Champagner und ein gutes Essen gönnen. Gerne würde er mit ihr weitere Kreuzfahrten rund um die Welt machen. „Aber da müssen wir uns wegen Corona wohl noch etwas gedulden.“ Gleiches gilt für die Versöhnung mit seinen Nachfolgern beim SV Werder. (kni)

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