Josh Sargent (v.l.), Davie Selke und Niclas Füllkrug von Werder Bremen im DFB-Pokal-Spiel gegen Carl Zeiss Jena
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Josh Sargent (v.l.) und Davie Selke standen gegen Carl Zeiss Jena in der Startelf von Werder Bremen, gegen Hertha BSC ist allerdings auch Niclas Füllkrug wieder ein Kandidat für die erste Elf.

Nach Carl Zeiss Jena - vor Hertha BSC

Konkurrenzkampf der Werder-Stürmer: Sargent punktet, Selke sorgt für Ärger, Füllkrug scharrt mit den Hufen

Jena – Seine Chancen, an den langen Ball zu kommen, waren nicht besonders groß, was Davie Selke, Stürmer des SV Werder Bremen, aber nicht davon abhielt, es zu versuchen – und zwar mit aller Macht.

Im Laufduell mit Jenas Dennis Slamar hakte sich Davie Selke kurz vor der Pause mit dem Arm bei seinem Gegenspieler unter, griff ihm von hinten ans Trikot – und kam letztlich im Strafraum selbst zu Fall. Es folgten: Ein paar vermutlich weniger nette Worte von Slamar, ein energisch aufspringender Selke, dann eine Rudelbildung und schließlich Gelbe Karten für beide Spieler. „Da eine Rudelbildung anzuzetteln, war vollkommen unnötig“, ärgerte sich Florian Kohfeldt, Trainer des SV Werder Bremen, nach dem DFB-Pokal-Spiel gegen Carl Zeiss Jena über Selke, der den Vorzug vor Niclas Füllkrug erhalten hatte und somit Teil einer etwas überraschenden Bremer Angriffsformation gewesen war.

Im 4-4-2-System bildeten Selke und Josh Sargent einen nominell wuchtigen Zweiersturm, den Kohfeldt in dieser personellen Zusammensetzung während der Vorbereitung nicht getestet hatte. „Der Gedanke vor dem Spiel war, dass wir viele Aktionen im Strafraum haben wollten“, erklärte der Trainer. „Wir wollten mit Yuya Osako und Leo Bittencourt eigentlich etwas breiter spielen, so dass sie den Flügel überladen. Beide sollten in die Box nachgehen. Das hat in der ersten Halbzeit leider nicht geklappt, in der zweiten dann aber deutlich besser.“

Werder Bremen: Verdrängt Niclas Füllkrug Davie Selke gegen Hertha BSC wieder aus der Startelf?

In der Tat war es Sargent, der für Werder Bremen mit seinem Kopfballtreffer kurz nach dem Seitenwechsel die Tür zum Sieg aufschloss. Auch darüber hinaus hatte der US-Amerikaner vieles probiert, wenn auch dabei nicht immer die richtige Entscheidung getroffen. Davie Selkes Bilanz las sich am Ende des Abends so: Drei vergebene Großchancen und bereits erwähnte Rudelbildung. Kurz: Für den treffsichersten Bremer während der Vorbereitung hätte es in Jena besser laufen können, was im Nachgang der Frage „Warum eigentlich nicht Füllkrug von Beginn an?“ Nachdruck verlieh.

Kohfeldts Antwort: „Lücke ist gesundheitlich fit und auf einem guten Weg. Ich halte es auch für möglich, dass er gegen Hertha oder spätestens gegen Schalke ein Kandidat für die Startelf ist, aber wir wollen es immer noch langsam angehen lassen.“ Das ist verständlich, schließlich ist Niclas Füllkrug nach seinem Kreuzbandriss gerade erst wieder richtig fit. Da müssen auch mal 15 Minuten als Joker in Jena reichen. „Wir haben mit ihm eine lange Saison vor uns“, weiß Kohfeldt, dem natürlich klar ist, dass Füllkrug auf Einsätze brennt. Und restlos überzeugt hatte den Trainer sein Zweiersturm aus Jena ja bekanntlich auch nicht. (dco)

Im Angriff des SV Werder Bremen passte es in der Vorbereitung: Tahith Chong (v.l.), Niclas Füllkrug, Davie Selke, Josh Sargent und Johannes Eggestein schossen 19 der 24 Tore in den Testspielen.

Zur letzten Meldung vom 7. September 2020:

Werder Bremen torhungrig und treffsicher: Aber welchen Wert haben die Testspiel-Tore von Davie Selke und Co.?

Bremen – Das letzte Wort hatte Davie Selke. In der Schlussphase des siebten und damit abschließenden Testspiels der Vorbereitung von Werder Bremen schnappte sich der 25-Jährige am Samstagnachmittag den Ball, legte ihn auf den Elfmeterpunkt – und drosch ihn wenig später humorlos zum 7:0-Endstand gegen den BSV Rehden in die Maschen.

Kurz danach war Feierabend, Spiel vorbei, und die Saison-Vorbereitung des SV Werder Bremen damit auch. Sieben Siege in sieben Testspielen von Davie Selke und Co., eine weiße Weste also haben diese Wochen im August und September hervorgebracht und – besonders auffällig – 24 Bremer Tore, erzielt von gleich zehn verschiedenen Schützen und darunter wiederum sieben Stürmer. Werders Offensive, so scheint es, hat das Visier kurz vor dem Pflichtspielstart bereits scharf gestellt, was für den Verein freilich eine gute Nachricht ist. Aber eben auch eine, die man (noch) mit Vorsicht genießen sollte.

„Unsere Stürmer haben in den letzten Wochen alle getroffen und so für sich geworben. Es ist ein guter Konkurrenzkampf, der die Spieler gegenseitig anstachelt“, freut sich Sportchef Frank Baumann – und hebt hervor: „Es ist im Sturm immer gut, wenn man nachlegen und verschiedene Spielertypen bringen kann. Ich glaube, dass wir da sehr gut aufgestellt sind.“

Werder Bremen: Davie Selke ist mit fünf Toren der Sommer-Torjäger im Team

Beim Blick auf die nackten Testspiel-Zahlen ist dem nicht zu widersprechen, denn Werder Bremen hatte in der Tat nicht den einen Sommer-Torjäger, sondern strahlte vorne durch die Bank weg Gefahr aus. Dank des späten Elfmeters gegen Rehden setzte sich Mittelstürmer Davie Selke mit Treffer Nummer fünf die Testspiel-Torjägerkrone auf und verdrängte Flügelstürmer Johannes Eggestein (vier Tore) auf Rang zwei. Auch die zentralen Angreifer Josh Sargent und Niclas Füllkrug hatten mehrfach getroffen, ebenso wie die Außenbahn-Flitzer Milot Rashica und Tahith Chong. Yuya Osako, den Trainer Florian Kohfeldt als hängende Spitze sieht, trug sich immerhin einmal in die Liste ein. „Wir haben vorne eine große Bandbreite an Spielern, die Tore machen können“, sagt der Coach, der früher, lange vor seiner Bundesliga-Karriere kurzzeitig mal Mathematik studiert hatte und nicht nur deshalb weiß: „Wir sind nur schwer ausrechenbar.“

Viele treffsichere Stürmer in der Mannschaft – das ist für jeden Coach ein äußerst willkommener Umstand. Aber auch einer, der die Sache mit dem Binnenklima schwierig machen kann. „Es geht jetzt die Phase zu Ende, in der alle spielen. Das wird etwas mit unserer Gruppe machen“, sagt Kohfeldt, bezogen zwar auf seinen kompletten Kader, aber in keinem anderen Mannschaftsteil dürften sich die Härtefallentscheidungen so häufen wie im Angriff. Ein Luxusproblem, klar. Gehändelt werden muss es aber trotzdem. Der Trainer will es mit „vielen Einzelgesprächen“ lösen, um alle bei Laune zu halten, damit auch die Profis, die zunächst nicht spielen dürfen, da sind, wenn sie gebraucht werden. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Variabilität im Angriff des SV Werder Bremen, die Kohfeldt derzeit so viel Freude macht, Bestand hat. „Wir können sehr zentrumslastig spielen, aber auch flügellastig, und dank der fünf erlaubten Wechsel können wir das auch während des Spiels ändern“, schwärmt der Trainer.

Werder Bremen erzielte 24 Tore in sieben Vorbereitungsspielen - 20 davon waren Stürmer-Tore

Zur Wahrheit dieses so torreichen Bremer Testspiel-Sommers gehört allerdings auch, dass Werder Bremen bei der Auswahl seiner Gegner einem bestimmten Plan gefolgt ist, den Kohfeldt kurz und knapp so umreißt: „Ich wollte Spiele gewinnen in der Vorbereitung und mir keine Gegner suchen, von denen wir auf die Fresse kriegen.“ Trotzdem seien starke Gegner dabei gewesen, „alles in allem war es rund“. Ob Selke und Co., die sieben der 24 Sommer-Tore nunmal gegen den Regionalligisten Rehden erzielt haben, diese beeindruckende Ausbeute auch in der Bundesliga fortsetzen können, wird sich also erst noch zeigen müssen.

Generell sieht Trainer Kohfeldt allerdings nicht nur die Stürmer in der Pflicht, wenn es ums Toreschießen geht. „Schön wäre, wenn wir auch das Thema zweite Reihe ein bisschen mehr forcieren könnten“, sagt er, denn „dieser Mix aus einer vordersten Reihe, die Tore schießt, was uns im letzten Jahr brutal gefehlt hat, und einem torgefährlichen Mittelfeld, wäre wichtig für uns.“ Gelingt das, stehen die Chancen gut, dass Werder Bremen in der neuen Saison wieder mehr Tore schießt als die mageren 42, die im Vorjahr am Ende den fünftschlechtesten Wert der Bundesliga bedeutet hatten. (dco)

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