Florian Kohfeldt in Aktion: Der Cheftrainer des SV Werder Bremen dirigierte seine Mannschaft auch gegen den 1. FC Köln lautstark von der Seitenlinie.
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Florian Kohfeldt in Aktion: Der Cheftrainer des SV Werder Bremen dirigierte seine Mannschaft auch gegen den 1. FC Köln lautstark von der Seitenlinie.

Werder gewinnt 6:1!

Taktik-Analyse: Wie Werder das Wunder gegen Köln geschafft hat

Bremen - Trainer Florian Kohfeldt hat beim 6:1-Sieg gegen den 1. FC Köln die richtige Taktik gewählt. Zugleich profitierte Werder Bremen von einem Gegner, der mit dem Kopf bereits in der Sommerpause war. Tobias Escher analysiert die Partie im Taktik-Check.

Vor der Saison hatte Werder Bremen einen Traum: Niclas Füllkrug, Milot Rashica und Yuya Osako sollten das Sturmtrio bilden. Gemeinsam sollten sie den Abgang von Max Kruse vergessen machen. Füllkrug sollte als Stürmer im Strafraum Präsenz zeigen, Osako Tore vorbereiten und Rashica als Dribbler für das gewisse Etwas sorgen. Doch in einer Spielzeit der Pleiten, Pech und Pannen machten Verletzungen und Formschwächen diesen Traum zunichte. Es dauerte bis zum letzten Spieltag, ehe alle drei gemeinsam in der Startelf stehen konnten. Gegen den 1. FC Köln bewiesen sie, wie gut sie harmonieren.

Werder Bremen-Taktik: Raute gegen Kölns 5-3-2-Formation

Florian Kohfeldt schickte seine Elf in einer 4-3-1-2-Formation auf das Feld. Rashica und Füllkrug bildeten zusammen einen Doppelsturm. Füllkrug agierte dabei tororientierter, während Rashica sich hinter oder neben dem Strafraumstürmer positionierte. Osako agierte als Zehner hinter dieser Doppelspitze.

Im Mittelfeld agierte Werder Bremen gegen Köln mit einer sogenannten Raute. Hinter Osako agierten drei weitere zentrale Mittelfeldspieler. Der tiefste von ihnen, Kevin Vogt, ließ sich immer wieder in die Abwehr fallen. Er unterstützte die Innenverteidiger im Spielaufbau. Dadurch konnten die eigenen Außenverteidiger weit vorrücken. Sie besetzten die Flügel, die in Bremens System freiblieben. Werder Bremen hatte dank dieser Formation sowohl eine Überzahl im Zentrum als auch Angriffswucht über die Flügel.

Köln besetzte das Mittelfeld nur mit drei Akteuren. Sie starteten mit einer 5-3-2-Formation ins Spiel. Werder nahm dieses Dreier-Mittelfeld über eine enge Manndeckung aus dem Spiel. Vogt konnte als vierter Spieler im Zentrum flexibel reagieren, sobald sich ein Kölner Stürmer fallenließ. Somit hatte Werder Bremen das Zentrum sowohl defensiv als auch offensiv unter Kontrolle.

Werder Bremen-Taktikanalyse: Köln geistig in der Sommerpause

Werder Bremen übernahm früh die Kontrolle über das Spiel. Sie ließen dabei den Ball nicht lange in den eigenen Reihen laufen. Immer wieder suchten die Verteidiger den Passweg nach vorne zu Rashica und Osako. Beide boten sich hinter dem gegnerischen Mittelfeld an. Sie leiteten den Ball auf die Flügel weiter. Hier gelangten Bremens offensive Außenverteidiger häufig hinter die Abwehr. Das lag nicht zuletzt an der fehlenden Gegenwehr der Kölner. Deren Außenverteidiger rückten häufig aus der Abwehrkette, ohne dass Köln wirklichen Druck auf den ballführenden Bremer ausübte. Es entstand ein unorthodoxes 3-1-4-2-Gebilde, das Bremen die Möglichkeit bot, das Mittelfeld zu überspielen und anschließend über die Flügel vor das Tor zu gelangen.

Werder Bremen gegen den 1. FC Köln: Die Grafik zeigt, welche Vorteile Werder mit einer Raute besaß. Im Mittelfeld hatten die Bremer einen numerischen Vorteil, selbst wenn Vogt sich fallenließ, standen sie Drei gegen Drei. Die Außenverteidiger gelangten wiederum häufig hinter die gegnerischen Außenverteidiger.

Die Kölner Spieler hinterließen den Eindruck, als befände sich die Mannschaft bereits in der Sommerpause. Der halbrechte Verteidiger Toni Leistner wurde bereits nach 34 Minuten ausgewechselt, nachdem er bei den ersten beiden Bremern Treffern (22., 27.) den Zweikampf verweigerte. Vor dem 0:3 durch Füllkrug (29.) duckte sich Sebastiaan Bornauw einfach unter einer Flanke weg. Köln machte es Werder Bremen leicht, die Vorteile im Mittelfeldzentrum und auf den Flügeln in Tore umzumünzen.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Auch Systemumstellung hilft Köln nicht

Köln fand erst ins Spiel, als Trainer Markus Gisdol seine Formation umstellte. Mit der Einwechslung von Marco Höger (für Leistner) agierte Köln in einer 4-4-2-Formation. Nach der Pause stellte Gisdol auf ein 4-4-1-1 um. Köln ließ nun den Ball in der eigenen Viererkette besser laufen, sie überspielten bewusst das überfüllte Zentrum. Werder Bremen zog sich nach dem 3:0 zunächst etwas weiter zurück, sie postierten sich im 4-3-1-2 in der eigenen Hälfte. Nach der Pause bauten sie wieder Druck auf: Sie pressten nun in einer 4-3-3-artigen Variante. Im Spielaufbau ließ sich Vogt nun praktisch permanent fallen, um mit den Innenverteidigern eine Drei-Mann-Überzahl herzustellen gegen Kölns Zwei-Mann-Sturm.

Werder Bremen überließ den Kölner den Ball. Hatte Bremen in der ersten halben Stunde noch über 60% Ballbesitz, sank dieser in der zweiten Halbzeit auf unter 50%. Die Bremer lauerten auf Konter. Mit Josh Sargent (45., für Füllkrug) kam ein schneller Stürmer, der häufiger hinter die gegnerische Abwehr startete. Werders Offensive schraubte das Ergebnis auf ein 6:1 hoch. Werder gelang damit der Sprung auf Rang 16, da Fortuna Düsseldorf gegen Union Berlin patzte.

Taktik-Analyse: Werder Bremen hat sein Sturmtrio gefunden

Florian Kohfeldt kann sich glücklich schätzen: Nicht nur hat seine Mannschaft nach dem furiosen 6:1-Sieg die Chance, über den Umweg Relegation die Klasse zu halten. Kohfeldt hat auch endlich ein Sturmtrio gefunden, das funktioniert. Füllkrug bot Präsenz im Strafraum, er startete immer wieder in die Tiefe. Damit befreite er Osako und Rashica, die sich auf ihre technischen Stärken konzentrieren konnte. Hundertprozentig zufrieden wirkte Kohfeldt nicht; gerade in der ersten Halbzeit rief er häufig seinen Spielern zu, sie sollen noch öfter in die Tiefe starten. Doch der klare 6:1-Erfolg macht Hoffnung, dass Werder Bremen endlich eine Lösung gefunden hat für die Probleme im Sturm. Vielleicht trägt Werder das sogar durch die Relegation.

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