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Die Freude ist groß bei Werder Bremen - am Sonntag gelang der erste Sieg in dieser Saison gegen den FC Augsburg. 

Licht und Schatten bei Werder-Sieg gegen Augsburg

Werder-Taktik-Analyse: Dominantes Ballbesitzspiel und blöde Fehler 

Der erste Saisonsieg ist geschafft! Doch Werder Bremen tat sich trotz Führung und knapp sechzig Minuten Überzahl schwer. Wieso Werder das Spiel phasenweise dominieren konnte und am Ende trotzdem schwamm, erklärt unser Taktikanalyst Tobias Escher.

Von Tobias Escher - Es war ein Spiel der Neuanfänge. Werder Bremen und FC Augsburg hofften beide, nach den schwachen Ergebnissen zu Saisonstart endlich den ersten Saisonsieg einfahren zu können. Zugleich hatten beide Teams auf dem Transfermarkt zugeschlagen: Bei Werder Bremen begann Neuzugang Michael Lang direkt von Beginn als Rechtsverteidiger. Augsburgs Trainer Martin Schmidt bestückte seine Viererkette gar mit drei erst kürzlich verpflichteten Spielern. Die Hoffnungsträger sollten direkt zünden. Die Folge waren aber eher Abstimmungsprobleme auf beiden Seiten.

Werder Bremen will hinter die Abwehr - und schwimmt selber

Florian Kohfeldt stellte seine Mannschaft in einer Rautenformation auf. Schmidt hielt dem ein 4-2-3-1-System entgegen. Beide Teams verfolgten recht stringente Angriffspläne: Der FC  Augsburg versuchte, den Gegner früh unter Druck zu setzen und nach Ballgewinnen die schnellen Außenstürmer einzusetzen. Werder Bremen hingegen wollte gegen das hohe Pressing des Gegners den Ball direkt hinter die Abwehrkette spielen. Joshua Sargent und Niklas Füllkrug lauerten auf den Ball hinter die Abwehr, auch Yuya Osako bewegte sich in diese Richtung.

Die Pläne beider Teams gingen auf. Das lag nicht zuletzt an der fehlenden Abstimmung der jeweiligen Viererketten. Bei Augsburg verpasste es die Abwehrkette, sich rechtzeitig nach hinten abzusetzen, sobald Werder Bremen zum langen Schlag ansetzte. Da die Mittelfeldspieler zudemNuri Sahin nur unzureichend unter Druck setzten, gelangte Werder in der ersten halben Stunde gleich zweimal hinter die Augsburger Abwehr. Osako (6.) und Sargent (21.) trafen.

Zwischendurch konnte Augsburg jedoch ausgleichen – und auch hier war die Abwehr nicht unbeteiligt. Die Außenverteidiger, eigentlich von Kohfeldt offensiv eingestellt, rückten bei gegnerischen Flügelattacken recht zaghaft heraus. Vor dem Ausgleichstor (12.) konnte Augsburg gleich zweimal unbedrängt flanken. Im Zentrum verpasste es die Abwehr, rechtzeitig zur Manndeckung überzugehen. Die ersten drei Tore verschuldeten die Abwehrreihen durch schlechte Abstimmung.

Die Grafik zeigt die Formation von Werder Bremen im Aufbau. Die Außenverteidiger rückten gegen den FC Augsburg weit nach vorne, Sahin ließ sich leicht versetzt fallen.

Werder Bremen dominant nach Gelb-Roter Karte

Die Gelb-Rote Karte gegen Stephan Lichtsteiner (34.) spielte den 2:1 in Führung liegenden Bremern in die Karten. Konnten sie zuvor gegen Augsburgs hohes Pressing das Spiel noch nicht dominieren, ließen sie nun Ball und Gegner laufen. Augsburg zog sich im 4-4-1 weit zurück. Gerade Sahin fand nun vor der Abwehr große Räume. Er ließ sich immer wieder leicht fallen und verlagerte das Spiel. Bremen konnte die Partie nun dominieren gegen einen passiven Gegner.

Leider verteidigte Werder Bremen in der ersten Situation nach der Pause zu offensiv, rückte mit sämtlichen Gegnern in die gegnerische Hälfte. Augsburg kam zum Ausgleich (46.). Die Grün-Weißen konnten nun nicht mehr nur verwalten, sondern mussten das Spiel auch gestalten. 

Ihnen gelang es gut, das Spiel immer wieder von einer Seite zur anderen zu verlagern. Die Außenverteidiger rückten aggressiv nach vorne. Dadurch konnten die übrigen Spieler wiederum ins Zentrum einrücken. Werder verpasste es zwar, die zahlreichen Flügelangriffe durch Attacken durch das Zentrum aufzulockern. Nur selten suchte Bremen die Kombinationen über den zurückfallenden Osako. Allerdings hatte Bremen viel Präsenz im Strafraum, kreierte nach Flanken Chancen – und kam durch Osako zum verdienten 3:2-Führungstreffer.

Dominanz von Werder Bremen geht in der Schlussphase verloren

Zwischen der 46. und der 75. Minute hatte Werder Bremen 79% Ballbesitz, schnürte den Gegner am Strafraum ein. Leider konnten sie diese Dominanz in der Schlussphase nicht aufrechterhalten. Schmidt brachte mit Alfred Finnbogason einen weiteren Stürmer, Augsburg stellte auf ein offensives 4-3-2 um. Sie wagten die totale Offensive und jagten Flanke um Flanke in den Bremer Strafraum.

Viel schlimmer wog, dass Bremen das eigene Pressing gänzlich einstellte. Sie zogen sich zehn, fünfzehn Meter weiter nach hinten zurück. Mit der eigenen Raute erlangte Bremen keinen Zugriff auf die gegnerischen Außenverteidiger, die nun weit nach vorne schoben. Anstatt weiter Ball und Gegner laufen zu lassen, lief Bremen nur hinterher. Nur 40% Ballbesitz hatte Werder in den letzten zehn Minuten.

Es ging gut - Augsburg konnte die Chancen in den Schlussminuten nicht nutzen. Für Werder bleibt aufgrund der schwachen Schlussphase ein fader Nachgeschmack. Noch gelingt es Werder Bremen nicht, das Spiel über neunzig Minuten zu dominieren, selbst wenn sie in Überzahl sind. An diesem Problem wird Werder in der Länderspielpause arbeiten müssen, genauso an den Abwehrschnitzern, die bereits zu acht Gegentoren in drei Spielen geführt haben. Immerhin kann sich Werder Bremen nach dem Spiel gegen Augsburg über die ersten drei Punkte dieser Saison freuen.

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