Der Champions-Leauge-Aspirant Borussia Mönchengladbach kam gegen den SV Werder Bremen nicht über ein 0:0-Remis hinaus. Ganz zum Ärgernis von Fohlen-Coach Marco Rose.
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Der Champions-Leauge-Aspirant Borussia Mönchengladbach kam gegen den SV Werder Bremen nicht über ein 0:0-Remis hinaus. Ganz zum Ärgernis von Fohlen-Coach Marco Rose.

0:0-Remis am 28. Spieltag

Taktik-Analyse: Werders Anpassungen machen Gladbach das Leben schwer

Von Constantin Eckner. Der SV Werder Bremen ging als klarer Außenseiter in die Heimpartie gegen Borussia Mönchengladbach konnte sich aber bravourös schlagen. Gerade als die Kräfte der Fohlen schwanden, war Werder zur Stelle.

Ein torloses Remis gegen Borussia Mönchengladbach hätten im Vorfeld der Begegnung gewiss die meisten bei Werder Bremen als großen Erfolg bewertet. Doch nach dem Schlusspfiff gestern Abend beschlich einen das Gefühl, dass eigentlich mehr drin gewesen wäre. Die lange Zwangspause der Bundesliga hat Gladbach nicht gutgetan, denn die Fohlen brauchen ein immens hohes Fitnesslevel, um ihre Art von Fußball über die gesamte Spiellänge zu verfolgen.

Werder erlebte hautnah, wie die Kräfte bei Gladbach sichtlich nachließen, das Pressing weniger intensiv war und sich Lücken im Mittelfeld auftaten. Dass die Bremer allerdings die erste Halbzeit schadlos überstanden und in der zweiten Halbzeit die Schwächephasen der Gäste zu nutzen wussten, hatte auch und gerade mit taktischen Anpassungen von Florian Kohfeldt zu tun.

Christian Groß als pendelnder Defensivanker im Zentrum von Werder Bremen

Die offensichtlichste Änderung im Vergleich zum 1:0-Sieg beim SC Freiburg war die Hereinnahme von Christian Groß in die Werder-Startelf. Zunächst schien es so, als würde Kohfeldt mit dieser personellen Entscheidung lediglich dafür sorgen, dass er drei zentrale Verteidiger für eine Fünferkette auf dem Rasen stehen hat. Aber Groß besetzte die mittlere Position in der Fünferkette recht selten und pendelte stattdessen zwischen Abwehr und Mittelfeld.

In diesen Grundformationen spielten Bremen und Gladbach am Dienstagabend. Christian Groß agierte für Werder in einer Hybridrolle.

Nach der ersten Phase im Spielaufbau rückte der Bremer Veteran ins zentrale Mittelfeld hinter Davy Klaassen und Maximilian Eggestein. Im Rückwärtsgang sollte er sich dann zwischen Niklas Moisander und Miloš Veljković fallen lassen, um die Mitte zu verdichten und die defensive Kompaktheit von Werder im eigenen Strafraum zu erhöhen. Diese Rolle erforderte hohes Spielverständnis von Groß und war mit viel Vertrauen von Kohfeldt in seinen Spieler verbunden.

Denn die Bewegungsabläufe und genauen Positionierungen von Groß in den einzelnen Spielphasen konnten nicht auf dem Reißbrett vorgezeichnet werden, sondern waren sehr situationsabhängig. Ob Kohfeldt im Vorfeld der Partie genau erahnte, wie Gladbach auftreten würde, ist schwerlich zu beantworten. In jedem Fall war die Rolle von Groß wichtig, um den entscheidenden Ballbesitzspieler auf Seiten der Gäste – namentlich Lars Stindl – phasenweise aus dem Spiel zu nehmen.

Werder Bremen gegen Gladbach: Lars Stindl wird nach und nach aus dem Spiel genommen

Die Gladbacher spielten ihrerseits in einem 3-4-1-2 mit Stindl auf der Zehnerposition als freier Bewegungsspieler, der sich nach Belieben in diversen Räumen aufhielt und damit die Balance im Angriffsspiel seiner Mannschaft mitbestimmte. In der ersten Halbzeit genoss er noch einige Freiheiten und destabilisierte sogar die Defensive Werders, indem er sich etwa neben Christoph Kramer zurückfallen ließ und damit Klaassen zu sich lockte. Das öffnete wiederum Lücken für den umtriebigen Marcus Thuram.

Als Klaassen dann im Verlauf der ersten 45 Minuten seltener die Verfolgung antrat und Stindl im zentralen Mittelfeld gewähren ließ, konnte Gladbachs Spielmacher gelegentlich die Sturmspitzen der Fohlen mit präzisen Anspielen füttern. Erst als sich Klaassen und Groß die Deckungsaufgaben aufteilten und Stindl weitestgehend neutralisierten, wurde Gladbachs Offensive entscheidend geschwächt.

Werder Bremen nutzt die Lücken gegen nachlassendes Pressing

Zur taktischen Schwächung der Gladbacher kamen die erwähnten schwindenden Kräfte in der zweiten Halbzeit hinzu. In den ersten Phasen der Partie machten die Fohlen mit ihrem Angriffspressing den Bremern das Leben schwer. Die drei Offensivspieler der Gäste attackierten mit großer Intensität die ersten Aufbauspieler von Werder, sodass Moisander oder Veljković zumeist den Ball nur in großer Eile auf die Außenbahnen spielen konnten. Dort schoben jedoch die Flügelverteidiger der Gladbacher sofort nach, weshalb beispielsweise Theo Gebre Selassie keine Chance hatte sich zu drehen.

Fotostrecke: Werder gegen Gladbach ohne Tore, aber mit Leidenschaft

Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach
Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach © gumzmedia/nordphoto/Pool
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Stattdessen entstand leichte Panik im Passspiel der Bremer. Gerade die erzwungenen Rückpässe von Gebre Selassie und Marco Friedl nutze Gladbach als Signal für die nächste Pressingwelle. Das Ergebnis waren zumeist hastige Schläge der Bremer Innenverteidiger. Landete ein Ball mit ein wenig Glück doch einmal bei Joshua Sargent oder Milot Rashica, fehlte es der Angriffsreihe an Unterstützung, weil sich sowohl Werders Mittelfeldspieler als auch die beiden Außenverteidiger im Aufbau tief positionierten, um als Anspielstationen gegen Gladbachs Pressing zu fungieren.

Werder Bremen: Leonardo Bittencourt geht auf die „Zehn“

In der zweiten Halbzeit genossen Moisander und Veljković jedoch mehr Platz während der Spieleröffnung. Die offensive Dreierreihe von Gladbach stand tiefer und versuchte die Räume im Mittelfeld eng zu halten. Etwas überraschend gelang es Werder Bremen allerdings, die trotzdem vorhandenen Lücken mit flüssigem Passspiel auszunutzen. Das lag nicht nur an Klaassen und Eggestein, sondern auch an den regelmäßigen Vorstößen der Außenverteidiger, die vielleicht keine Spielmacher sind, aber als Durchlaufstationen für Angriffe doch nützlich sein können.

Einen letzten entscheidenden Kniff, den Kohfeldt fand, betraf die Staffelung im Angriff. Mit der Einwechslung von Leonardo Bittencourt änderte Werders Cheftrainer die Aufteilung ganz vorn. Bittencourt kam nicht über die Außenbahn, sondern positionierte sich auf der Zehnerposition hinter Rashica und Sargent – und später Davie Selke. Der Vorteil: Die beiden Stürmer konnten die Verteidiger von Gladbach beschäftigt halten und im Pressing sogar mit ihren Läufen aus der Mitte in Richtung der äußeren Halb- und Außenverteidiger für mehr Druck sorgen, weil sie mit ihren Bewegungen den Spielaufbau der Gladbacher vor sich hertrieben.

Auch dadurch ergaben sich frühe Ballverluste für die Gäste und Umschaltsituationen für Werder Bremen. Am Ende reichte es nicht zum Sieg, aber die Leistung der Werder-Spieler und auch ihres viel gescholtenen Trainers sollten Hoffnung für die anstehenden Partien auf Schalke und gegen Eintracht Frankfurt geben.

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