Der SV Werder Bremen verliert das Pokal-Spiel in Paderborn - der Matchplan von Trainer Ole Werner in der Analyse.
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Der SV Werder Bremen verliert das Pokal-Spiel in Paderborn - der Matchplan von Trainer Ole Werner in der Analyse.

Warum Ole Werners Matchplan im Pokal nicht aufgeht

Taktik-Analyse: Werder Bremen mit Paderborns Tempo überfordert

Paderborn - Klassenunterschied? Von wegen! Zweitligist SC Paderborn unterstreicht gegen Werder Bremen, dass er ein heißer Kandidat für den Aufstieg ist. Werder indes tat sich schwer mit dem intensiven Pressing der Gäste. Warum Werders Abwehr Sorgen bereitet und wieso Leonardo Bittencourt die tragische Figur des Abends ist, analysiert DeichStube-Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Ein Name prägte die Berichterstattung vor Werder Bremens Pokalspiel gegen den SC Paderborn: Marvin Ducksch. Nachdem Trainer Ole Werner ihn wegen einer Disziplinlosigkeit aus dem Kader strich, fragten sich viele Werder-Fans, ob das Bremer Spiel ohne den Stürmer überhaupt funktionieren kann. Auf dem Platz war sein Fehlen nur eine kleine Randnotiz. Viel eher belasteten Schwächen in der Abwehr das Bremer Spiel. Erst Leonardo Bittencourts Einwechslung half Werder aus der Misere, ehe im Elfmeterschießen doch noch das Aus folgte.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: SC Paderborn presst früh im 3-4-3

Ole Werner entschied sich, auch ohne Ducksch an der Erfolgsformation der vergangenen Wochen festzuhalten. Werder Bremen lief im bekannten 5-3-2-System auf. Oliver Burke übernahm Duckschs Posten als Niclas Füllkrugs Sturmpartner. Im zentralen Mittelfeld fiel Christian Groß aus. Ilia Gruev rückte von der Achter- zurück auf die Sechser-Position. Jens Stage begann dafür auf der halblinken Seite. Paderborn feiert derzeit in der 2. Bundesliga große Erfolge. Der Tabellenzweite setzt auf gnadenlos offensiven Fußball. Auch im Spiel gegen den Erstligisten ging Trainer Lukas Kwasniok keine Kompromisse ein. Seine Mannschaft spielte mutig nach vorne. Der SC Paderborn begann in einem 3-4-3-System. Die drei vordersten Akteure gingen früh zum Pressing über. Selbst bei Bremer Abstößen standen die drei Stürmer Bremens Innenverteidigern auf den Füßen.

Auch dahinter rückten die Paderborner konsequent nach. Ein Innenverteidiger rückte aus der Kette, sobald sich Füllkrug fallenließ. Dadurch dass Burke – anders als Ducksch – seine Position im Sturmzentrum meist hielt, konnten die Paderborner beim Herausrücken den Fokus auf Füllkrug legen. Wenn ein Verteidiger herausrückte, füllten die übrigen Innenverteidiger sofort die Lücke.

Der SC Paderborn störte Werder Bremen früh. Das Paderborner 3-4-3-System setzte Werders Abwehr unter Druck. Die Paderborner Flügelspieler schafften es im Umschaltmoment immer wieder hinter die Verteidigung zu gelangen.

Werder Bremen verliert in Paderborn zu schnell den Ball: Die Taktik-Analyse

Werders Schwächen in der ersten Halbzeit einzig auf das Fehlen von Ducksch zu schieben, ginge aber zu weit. Der SV Werder Bremen kam überhaupt nicht in die Räume, in denen Ducksch als ausweichender Stürmer hätte helfen können. Sie scheiterten meist bereits daran, das hohe Drei-Mann-Pressing der Paderborner zu umspielen. Diese lenkten Werder geschickt in Pressingfallen, wo sie sofort mit mehreren Spielern attackierten. Werders Schwierigkeiten, den Ball gegen das hohe Pressing zu behalten, legten in der Folge die Probleme in der Defensive offen. Paderborn sicherte nach Ballgewinnen nur kurz den Ball. Das hatte den Zweck, Werder ins Gegenpressing zu locken. Sobald Werder aber nur leicht aufrückte, suchten sie sofort den Pass in die Tiefe. Paderborns Außenstürmer wählten immer wieder den Weg von der Seitenlinie in die Tiefe.

Hier fand der SC Paderborn 07 eine Bremer Schwäche, die zuletzt bereits Mainz (0:2) und Augsburg (0:1) konsequent ausgenutzt haben. Werders Abwehrkette agiert nicht immer auf einer Höhe. Schleicht sich ein Stürmer auf den Flügeln davon, hat er eine gute Chance, seinem Gegenspieler zu entwischen und dabei nicht im Abseits zu stehen. Paderborn nutzte dies ganz gezielt, um hinter Bremens Abwehr zu gelangen. Nicht selten kamen diese Pässe von den Paderbornern Außenverteidigern. Hier lag der zweite große Kniff von Kwasniok: Rechtsverteidiger Julian Justvan und Linksverteidiger Raphael Obermair liefen selten die Linie entlang, sondern rückten ständig ins Zentrum hinein. Sie sprengten damit das Bremer Defensivsystem, das auf einer engen Manndeckung fußt. Werder Bremens Außenverteidiger mussten weit einrücken, um Justvan und Obermair zu stellen. Dadurch vergrößerten sich die Lücken auf den defensiven Flügeln noch weiter.

Taktik-Analyse: Leonardo Bittencourt bringt Werder Bremen zurück ins Spiel

Ole Werner ließ nach dem Spiel kein gutes Haar an Werders ersten sechzig Minuten. Seine Spieler verloren ständig den Ball, ließen viele Räume unbesetzt und verloren entscheidende Zweikämpfe. Hinzu kam die eklatante Schwäche im Gegenpressing. Nach Ballverlusten ließen sich manche Spieler fallen, während andere die Rückeroberung versuchten. Solch ein inkonstantes Verhalten direkt nach einem Ballverlust bestraft ein Gegner wie Paderborn. Bei beiden Gegentreffern verpatzte Werder Bremen das Gegenpressing.

Erst nach rund einer Stunde gelang es Werder, Kontrolle über die DFB-Pokal-Partie zu erlangen. Der gewichtigste Grund war der Gegner: Paderborn musste dem hohen Tempo Tribut zollen. Die Paderborner zogen sich nun einem 5-3-2 in die eigene Hälfte zurück. Mainz hatte mit dieser Formation Werder am vergangenen Wochenende in den Wahnsinn getrieben. Doch Paderborn verteidigte nicht so kompakt wie die Mainzer, sondern ließ auf den Flügeln immer wieder Lücken. Werder Bremen stieß in diese Lücken – auch dank Leonardo Bittencourt. Nach seiner Einwechslung (64.) entpuppte sich der Routinier als Schlüsselspieler. Immer wieder wich er auf die Flügel aus oder besetzte den Raum zwischen den Linien. Praktisch jede gelungene Offensivaktion lief über ihn. Das 1:2 erzielte er selbst (65.), das 2:2 leitete er ein (84.).

Am Ende fehlt Werder Bremen die Kraft: Die Taktik-Analyse zum Pokal-Spiel in Paderborn

In der Verlängerung kehrte der SC Paderborn 07 wieder zur Spielweise der ersten sechzig Minuten zurück. Die Paderborner störten Werder Bremen früh im 3-4-3. Sie wiesen im Zweikampf aber kein so gutes Timing auf wie zu Beginn der Partie; kein Wunder nach neunzig aufreibenden Minuten. Da auch Werder die Intensität im Pressing hochhielt, aber durchaus Lücken bot, entstand eine Verlängerung mit hohem Tempo und zahlreichen Ballverlusten. Beide Teams hätten das Spiel für sich entscheiden können. Werder tat es eigentlich auch, doch der Schiedsrichter erkannte ein reguläres Tor nach einer Ecke ab (101.).

So wurde Bittencourt am Ende nicht der gefeierte Held, sondern die traurige Figur des Abends. Sein vergebener Elfmeter besiegelte das Pokalaus in der zweiten Runde. Gerade in der ersten Halbzeit erwischte Werder Bremen keinen guten Tag gegen einen clever eingestellten Gegner. Es setzte sich der Trend der vergangenen Bundesliga-Partien fort: Im Umschaltverhalten schwächelt Werder, sodass der Gegner die Lücken auf den Flügeln bespielen kann. Ole Werner wird hier ansetzen müssen. Denn wenn Werder weiter derart viele Chancen zulässt, ist es egal, wer vorne stürmt.

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