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Trainer Florian Kohfeldt verliert das Taktik-Duell mit Eintracht Frankfurts Adi Hütter. Bei Werder Bremen bleibt die Offensive die große Baustelle.

DFB-Pokal-Aus in Frankfurt

Taktik-Analyse: Werder fehlt die zündende Idee

Auch gegen Eintracht Frankfurt setzt sich das alte Muster fort: Zunächst hält Werder Bremen defensivtaktisch gut mit, ehe ein Gegentor das Team aus dem Konzept bringt. Die große Baustelle bleibt die Offensive, meint unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Werder Bremens 3:2-Pokalsieg gegen Borussia Dortmund war nicht nur der emotionale Höhepunkt einer an Höhepunkten armen Bremer Saison. Es war zudem die einzige Partie im Jahr 2020, in der Werder Bremen ein eigener Treffer gelang. In den übrigen sechs Partien blieben die Grün-Weißen ohne eigenes Tor. (Düsseldorf und Augsburg schenkten sich jeweils ein Eigentor ein.)

Die Hoffnung, im Lieblingswettbewerb DFB-Pokal endlich mal wieder ins Tor zu treffen, erfüllte sich jedoch nicht. Gegen Eintracht Frankfurt hielt Bremen zwar in der ersten Halbzeit gut mit. Als es nach dem Rückstand aber darum ging, selbst Akzente zu setzen, scheiterte Werder.

Werder Bremen: Kevin Vogt als Formationsspringer gegen Eintracht Frankfurt

Florian Kohfeldt nahm im Vergleich zur 0:2-Niederlage beim BVB zwei Änderungen vor: Der gesperrte Maximilian Eggestein sowie der wiedergenesene Kevin Vogt kehrten in die Startelf zurück. Auf den ersten Blick änderte sich damit nichts an der taktischen Formation: Vogt reihte sich defensiv in die Dreierkette ein, Eggestein rückte ins zentrale Mittelfeld. Bremen verteidigte in einem 5-2-3.

Bei Ballbesitz war Vogts Rolle recht komplex. Immer wieder rückte er aus der Innenverteidigung vor, um das zentrale Mittelfeld aufzustocken. Vogt agierte als Mischung aus zentraler Innenverteidiger und Sechser. Das Kalkül: Er sollte flexibel agieren und somit das Pressing der Frankfurter aushebeln.

Diese schienen jedoch gut eingestellt zu sein auf diesen Kniff. Zehner Daichi Kamada nahm Vogt in enge Deckung, sobald dieser vorrückte. Die Flügelstürmer rückten wiederum weit nach vorne, um zusammen mit Stürmer Andre Silva Bremens Innenverteidiger anzulaufen. Frankfurt agierte in der eigenen 4-2-3-1-Formation äußerst flexibel, extrem mannorientiert und vor allem enorm aggressiv. Vom Anpfiff weg zwangen die Frankfurter den Bremern Zweikämpfe auf.

Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt: Kein Raumgewinn auf beiden Seiten

Auch im Spiel gegen den Ball überzeugte Werder Bremen zunächst nicht. Kohfeldt setzte – wie bereits in den vergangenen Pokal- und Liga-Partien – auf ein enges Fünfeck im Zentrum. Die beiden Außenstürmer rückten dazu weit in die Mitte. Der Gegner sollte keine Bälle ins zentrale Mittelfeld spielen können.

Die Eintracht hebelte das Bremer Konstrukt jedoch immer wieder aus. Die Doppelsechs aus Djibril Sow und Stefan Ilsanker wich dazu auf die Flügel aus. Sie kamen neben Bremens Fünfeck an den Ball. Frankfurts Außenverteidiger agierten wiederum enorm offensiv. Dadurch konnten die Außenstürmer einrücken und Richtung Tor starten. Gerade Filip Kostic versuchte dies immer wieder.

Werder Bremen hatte in dieser Phase Glück, dass Eintracht Frankfurt diese Ansätze nicht wirklich ausspielte. Stattdessen versuchten sie früh, den Ball hinter die Abwehr zu schlagen – ohne Erfolg. Werders Fünfer-Abwehrkette stand (bis auf kleinere individuelle Fehler) stabil.

Die Grafik zeigt das Aufbauspiel von Eintracht Frankfurt. Sie umgingen das enge Fünfeck im Zentrum von Werder Bremen, indem die Doppelsechs auf die Flügel auswich.

Werder Bremen zeigt lange vermisste Angriffsmuster

Es dauerte einige Minuten, ehe Bremen besser in die Partie fand. Die drei Stürmer interpretierten ihre Rollen nun freier. Sie folgten im Spiel gegen den Ball Sow und Ilsanker. Werder stand damit zwar im Zentrum nicht mehr so kompakt, Frankfurt konnte einige kleinere Angriffe durch die Mitte fahren. Dafür aber erlangten sie mehr Zugriff auf das gegnerische Aufbauspiel.

Auch im Spiel mit dem Ball griffen die Rädchen nach und nach besser. Die Verteidiger entledigten sich ihrer Manndecker mit kleineren Dribblings. In dieser Phase gab es sogar einige Angriffsmuster zu bestaunen, die man bei Bremen längere Zeit vermisst hat: Die Verteidiger eröffneten das Spiel mit einem Diagonalpass, auf dem Flügel wurde der Ball sofort auf die andere Seite gespielt. So entstand auch die größte Chance: Davie Selke köpfte eine Flanke von rechts auf Keeper Kevin Trapp (35.).

Werder Bremen konnte die stärkere Phase aber nicht mit einem Tor krönen. Im Gegenteil: Nach einem regeltechnisch korrekten, aber harten Eingriff des Videoassistenten bekam Frankfurt einen Elfmeter zugesprochen. Silva verwandelte (45.+6).

Werder Bremen fehlt mal wieder die zündende Idee in der Offensive

Die Dynamik, die durch den Führungstreffer nach der Pause entstand, war gar nicht nach dem Bremer Geschmack. Sie mussten nun das Spiel gestalten, während Frankfurt auf Konter lauerte. Vogt agierte nun wieder stärker als zentraler Innenverteidiger, um seiner Mannschaft Struktur zu verleihen. Frankfurt war darauf jedoch gut vorbereitet: Sie pressten nun häufig in einem 4-3-3, um Bremens drei Innenverteidiger zuzustellen.

Werder fehlte mal wieder eine zündende Idee, wie sich der Defensivblock des Gegners knacken ließe. Weder bot sich ein Spieler im Zehnerraum an noch schufen die Stürmer genug Tiefe, um den Gegner nach hinten zu drücken. Werders Spiel plätscherte vor sich hin. Stattdessen waren es die Frankfurter, die mit einem Schnellangriff auf 2:0 erhöhten (60.). Ihr Plan ging auf.

Werder Bremen-Taktik-Analyse: Es hakt an zu vielen Stellen

Werder-Trainer Florian Kohfeldt hielt lange an seinem System fest. Der eingewechselte Yuya Osako (66.) übernahm eins zu eins die Rolle von Leonardo Bittencourt. Erst mit der Einwechslung von Joshua Sargent (82., für Vogt) erfolgte ein Systemwechsel: Er ging in den Sturm, Bremen griff fortan in einem 4-3-3 an. Die Frankfurter indes zogen sich immer häufiger in einer Fünferkette zurück. Sie verteidigten die Führung routiniert. Daran änderte auch die Rote Karte gegen Kostic nach einem rüden Foul an Ömer Toprak nichts (90.+2).

So löst sich die Hoffnung in Staub auf, dass Werder Bremen die trostlose Saison mit einem starken Abschneiden im DFB-Pokal beschönigen könnte. Derzeit hakt es an zu vielen Stellen. Vor allem die Offensivschwäche macht dem Team zu schaffen. Somit ist Werder nun in sieben von acht Partien des Jahres 2020 ohne eigenes Tor.

Fotostrecke: Silva und Kamada kegeln Werder aus dem Pokal

Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt
Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © dpa
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Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt © gumzmedia
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