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Florian Kohfeldt probierte viel gegen Schalke 04, stellte um, korrigierte. Doch am Ende brachen dem SV Werder Bremen einmal mehr einfache Fehler das Genick. 

Nach 1:2-Niederlage gegen Schalke

Taktik-Analyse: Guter Matchplan, gute Umstellungen – aber Werder macht zu viele Fehler

Von Tobias Escher. Lange Zeit war es ein taktisch geprägtes Spiel zwischen Werder Bremen und dem FC Schalke 04. Kein Wunder: Florian Kohfeldt hatte seine Taktik perfekt an das Schalker System angepasst. Doch nach Schalkes Doppelschlag war Bremens Nervosität stärker als der eigene Matchplan.

So manch ein Werder-Fan blickt dieser Tage neidisch nach Gelsenkirchen. Auf Schalke hat Trainer David Wagner eine aufstrebende Mannschaft geformt, die mit Leidenschaft und Offensivstärke um die Europapokal-Qualikation mitspielt. Eigentlich sollte so Werder Bremens Saison verlaufen. 

Das Team von Florian Kohfeldt muss sich nach Pleiten, Pech und Pannen zu Saisonbeginn aber nach unten orientieren. Darum waren die Rollen vor dem Spiel zwischen Werder und Schalke klar verteilt: Schalke wollte weiter offensiv auftreten, Werder den Gegner auskontern.

Werder Bremen im 5-3-2-System gegen die Schalker Raute

Werder gelang es tatsächlich, Schalkes starke Offensive (zuletzt neun Tore in drei Pflichtspielen) aus dem Spiel zu nehmen. Kohfeldt stellte seine Mannschaft auf den Gegner ein: Nuri Sahin rückte in die Innenverteidigung, Philipp Bargfrede agierte als Sechser vor einer Dreierkette. Die entstehende 5-3-2-Formation war vor allem dazu gedacht, das Zentrum zu verdichten.

Die Grafik zeigt Werders Defensivformation gegen Schalkes Offensive: Mit dem 5-3-2 gelang es Werder, das Zentrum zu verbarrikadieren und den Gegner auf die Flügel zu lenken.

Genau in dieser Zone ist Schalke stark aufgestellt: Wagner bevorzugt eine Rautenformation. Sechser Omar Mascarell lässt sich bei Ballbesitz zwischen die Innenverteidiger fallen. Die drei zentralen Mittelfeldspieler vor ihm sollen Anspielstationen kreieren. Genau diese Anspielmöglichkeiten stellte Werder jedoch zu. Das Dreier-Mittelfeld sowie die Dreierkette zeigten hier Präsenz.

Folglich entwickelte die Partie eine Dynamik, die an das klassische David-gegen-Goliath-Spiel erinnert. Schalke ließ den Ball zwischen Mascarell und den Innenverteidiger laufen. Sie fanden jedoch nie einen Weg vorbei an Bremens Abwehrketten. Diese wiederum lauerten auf Konter – und scheiterten an Schalkes starkem Gegenpressing nach Ballverlusten. Bremen gelangen zwar gegen Schalkes Druck einige sehenswerte Kombinationen. Spätestens auf den ersten Pass nach vorne stellte Schalke Zugriff her. Chancen auf beiden Seiten waren Mangelware.

Werder Bremen hatte gegen Schalkes Offensive immer eine Lösung – bis zur 43. Minute

Schalke suchte lange nach einer Lösung gegen Bremens 5-3-2-System. Zunächst war es Mark Uth, der sich als Systemsprenger versuchte. Immer wieder ließ sich der Stürmer fallen, um Bremer Abwehrspieler aus der Kette zu ziehen. Irgendwann agierte er gänzlich im Mittelfeld. Bremen reagierte sofort und zog Sahin ebenfalls ins Mittelfeld. Bremens entstehende 4-4-2-Formation neutralisierte Uths tiefere Rolle.

Ebenfalls versuchte Schalke, Bremen über die Flügel zu knacken. Ihre Mittelfeldspieler wichen häufig aus: Amine Harit ging immer wieder auf die linke Seite, Daniel Caligiuri nach rechts. Im 5-3-2 konnte Werder diese ausweichenden Bewegungen gut verteidigen. Im 4-4-2 standen sie im Zentrum etwas enger, wodurch sie weniger Zugriff auf die Flügel erhielten. Insgesamt hatten sie aber wenig Probleme mit diesen Flügelangriffen.

Bis zur 43. Minute. Schon zuvor verpasste Bremen in einigen Situationen den richtigen Moment, Schalkes Angreifer zu stören. Die Abwehr- und Mittelfeldkette zog sich weit zurück, ohne Druck auszuüben. Vor dem (unglücklichen) 0:1eskortierte Bremens Abwehr sowohl Flankengeber Caligiuri als auch Harit, griff aber nicht ein.

Florian Kohfeldt entlockt Werder Bremen in Hälfte zwei etwas mehr Offensivpower

Das 0:2 kurz nach der Pause war nicht weniger unglücklich. Bremen hatte zuvor versucht, die durch den ersten Gegentreffer entstandenen Kräfteverhältnisse anzunehmen: Sie postierten sich weiter vorne im 4-4-2, wollten das Spiel in die Hand nehmen. Sebastian Langkamps folgenschwerer Ballverlust machte der Aufholjagd einen Strich durch die Rechnung. Benito Raman nahm ihm den Ball ab und traf (53.).

Auch danach zeigte sich Schalke äußerst griffig im Pressing. Wagner stellte seine Elf nach der Pause auf ein 4-4-2 um, später brachte er für das zentrale Mittelfeld den schnellen und zweikampfstarken Weston McKennie (73., für Uth). Besonders Milot Rashica sah sich zu jeder Zeit zwei bis drei Gegenspielern ausgesetzt. Schalke zog sich sehr gut um den Ball zusammen, jagte Bremen auch hinterher, wenn diese dem Druck entgingen. Sie hielten die Bremer damit vom Tor entfernt.

Mit der Einwechslung von Claudio Pizarro (55., für Sahin) stellte Kohfeldt taktisch um. Yuya Osako gab den Zehner hinter Pizarro (halblinks) und Rashica (halbrechts), Werder agierte also mit einer Mittelfeldraute. Vor allem Rashicas neue Position half dem Spiel: Werder hatte nun mehr Breite im vorderen Drittel, Rashica sah sich zudem meist nur noch einem Gegenspieler ausgesetzt. Bremen kam vornehmlich über den rechten Flügel am Schalker 4-4-2 vorbei.

Schalke spielt auf Zeit - Werder findet keine Lösungen

Den starken Zwischenspurt zwischen Minute 60 und 80 konnte Werder in den Schlussminuten nicht bestätigen. Schalke konnte in den Schlussminuten wieder vermehrt Bälle erobern. Sie spielten clever auf Zeit: Statt Konter auszuspielen suchten sie den Weg an die Eckfahne. Offensiv wiederum fanden die Bremer keine Lösungen gegen Schalkes 4-4-2.

Trotz der 1:2-Niederlage war der SV Werder gegen Schalke nicht meilenweit unterlegen. In der ersten Halbzeit konterte Kohfeldt Schalkes Offensivfußball mit einem guten Defensivplan. Nach der Umstellung durch den Pizarro-Wechsel erarbeitete sich Bremen eine Handvoll Chancen. Wie in den meisten Spielen dieser Saison war Bremen auf Augenhöhe mit dem Gegner.

Das alles hilft aber wenig, wenn Bremen sich regelmäßig durch Unachtsamkeiten und Fehler Tore einschenken lässt. Sowohl das erste als auch das zweite Gegentor waren absolut vermeidbar. Wenn die einfachen Dinge nicht funktionieren, braucht man am Ende nicht über Matchpläne oder Umstellungen zu diskutieren.

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