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Florian Kohfeldt in Aktion: Werder Bremen spielte nur 2:2 gegen den SC Freiburg - an der Taktik des Cheftrainers lag es nicht.

Werder 2:2 gegen Freiburg

Werder in der Analyse: Gute Aufstellung und noch bessere Umstellungen – An Kohfeldts Taktik lag es nicht

Von Tobias Escher. Bis wenige Sekunden vor Schluss sah Werder Bremen gegen den SC Freiburg wie der sichere Sieger aus. Trainer Florian Kohfeldt hatte seine Mannschaft zunächst clever aufgestellt, nach der Pause stellte er passend um. Doch eine altbekannte Schwäche sorgte dafür, dass Werder trotz Überlegenheit nur einen Punkt holte.

Manchmal genügt eine einzige Zahl, um die Saison einer Mannschaft zusammenzufassen. Werder Bremens Pechzahl lautet sieben. So viele Tore haben die Bremer in dieser Spielzeit bereits nach Standardsituationen kassiert. Es ist der schlechteste Wert der Liga. Gegen den SC Freiburg verschenkten die Bremer aufgrund ihrer Standardschwäche mal wieder zwei Punkte. Dabei waren sie über weite Strecken der Partie überlegen.

Werder Bremen gegen den SC Freiburg in der Taktik-Analyse: 4-3-3 gegen 4-4-2

Florian Kohfeldt schenkte gegen den SC Freiburg Yuya Osako sein Vertrauen. Osako begann in der Rolle einer falschen Neun: Gegen den Ball besetzte er die zentrale Stürmer-Position, bei eigenem Ballbesitz ließ er sich etwas fallen. Linksaußen Milot Rashica und Rechtsaußen Leonardo Bittencourt agierten nominell auf den Außen-Positionen, rückten jedoch weit ein, sodass sie praktisch vor Osako als Halbstürmer agierten.

Bremens Spielidee lautete, gegen Freiburgs 4-4-2 in den Raum zwischen den gegnerischen Viererketten zu gelangen. Osako positionierte sich immer wieder zwischen den Linien, der Japaner wartete auf Zuspiele. Diese sollte er sofort diagonal weiterspielen: Rashica und Bittencourt starteten dazu vor das Tor. Bereits nach wenigen Minuten führte solch ein Spielzug zum Führungstreffer (9.).

Werder Bremen zog sich in der Folge zurück. Sie überließen Freiburg den Spielaufbau, wohl wissend, dass diese ihre Probleme mit der Spieleröffnung aus der Abwehr haben. Bremen stellte sich in einem 4-1-4-1-System auf, ließ Freiburgs Abwehr Zeit am Ball. Die Freiburger hatten jedoch große Mühe, das Spiel in die Bremer Hälfte zu tragen.

Freiburg mit Ballbesitz, Werder Bremen mit Kontern

In der Folge ließ sich Robin Koch immer öfter aus dem zentralen Mittelfeld in die Abwehr fallen. Das erlaubte wiederum Freiburgs Außenverteidigern, weit nach vorne zu rücken. Christian Günter und Jonathan Schmid rückten an Bremens Abwehrkette. Die Bremer reagierten, indem sie ihre Abwehrkette weit auffächerten. Teils ließ sich Nuri Sahin fallen, um die breit stehende Viererkette aufzustocken.

Dadurch wiederum öffneten sich Räume zwischen Bremens Ketten. Freiburg bekam diese zwar angespielt, Bremen zog sich in der Folge jedoch gut zusammen. So konnte Freiburgs von der linke Seite einrückender Außenstürmer Vinzenco Grifo zwar zwischen den Linien an den Ball gelangen; er leitete jedoch kaum Chancen ein.

Vielmehr waren es die Bremer, die in der Folge Möglichkeiten hatten. Im Konterspiel griff Bremen vor allem über die linke Seite an. Rashica startete von Linksaußen immer wieder in den freien Halbraum. Er war praktisch an jedem Konter beteiligt.

Und doch waren es nicht die Bremer, die den nächsten Treffer erzielten (28.). Jiri Pavlenka patzte. Freiburg hatte Bremens Keeper mustergültig mit einem 4-4-2-Pressing unter Druck gesetzt und ihm die Zuspielwege ins Mittelfeld abgeschnitten. Dennoch: Der Ballverlust fiel in die Kategorie unnötig.

Florian Kohfeldts Systemumstellung bringt Werder Bremen zurück ins Spiel

Unnötig war auch, dass Werder Bremen nach dem Ausgleichstreffer etwas überhastet nach vorne spielte. Freiburg schloss nun besser die Räume zwischen den Linien. Ihrerseits fanden sie häufiger den freien Raum neben Sahin.

Florian Kohfeldts Systemumstellung in der Pause löste das Problem. Er beorderte Bittencourt auf die linke Abwehrposition. Bremen agierte fortan mit einer Fünferkette in einem 5-3-2-System. Die drei Sechser sicherten das Zentrum vor der Abwehr, es entstand nur noch selten ein Freiraum im Mittelfeld. Auf dem Flügel wiederum konnte die Fünferkette das Aufrücken der Freiburger Außenverteidiger besser kontrollieren.

Die Grafik zeigt Freiburgs Struktur im Aufbau: Koch ließ sich fallen, dadurch konnten die Außenverteidiger vorrücken. Nach der Pause konterte Kohfeldt dies, indem er auf eine Fünferkette umstellte.

Auch offensiv hatte die neue Formation des SV Werder Bremen Vorteile: Dadurch dass Bittencourt und Rashica nun beide über die linke Seite kamen, etablierte Bremen hier ein dynamisches Duo. Fast jeder Angriff lief über diese Seite. Bremen nutzte aus, dass Freiburgs halbrechter Verteidiger Philipp Lienhart einen gebrauchten Tag erwischte. Über die linke Seite leitete Bremen auch den Führungstreffer ein (59.).

Werder Bremen gegen Freiburg souverän – bis auf die Standardverteidigung

Freiburgs Trainer Christian Streich reagierte auf den Führungstreffer, indem er ebenfalls auf ein 5-3-2-System umstellte. Der eingewechselte Mike Frantz (64., für Grifo) ging auf die Achter-Position, Koch agierte nun durchgehend in der Innenverteidigung. Freiburg konnte in der neuen Formation gegen den Ball wieder mehr Zugriff erlangen: Die Gäste spiegelten Bremens Formation, jeder Freiburger war einem Bremer Spieler zugeordnet.

Offensiv blieben die Freiburger aber harmlos. Werder Bremen zog sich immer weiter im 5-3-2 zurück. Mit der Einwechslung von Sebastian Langkamp (86., für Rashica) stellte Kohfeldt sogar auf eine noch defensivere 5-4-1-Formation um. Als kurz darauf auch noch Yanik Haberer die Gelb-Rote Karte sah (87.), schien die Partie entschieden.

Doch Bremens Standardschwäche machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Ömer Toprak verlor nach einem Eckball Nils Petersen aus den Augen, er traf zum 2:2. Mit diesem Fehler machte sich Werder Bremen eine starke Leistung zunichte. Kohfeldts Systemumstellung zur Pause hatte Bremen auf die Siegerstraße geführt. Leider ist in dieser Saison bei Werder nur auf eins Verlass: Dass sie bei ruhenden Bällen schwimmen. Sieben Gegentore sprechen eine deutliche Sprache.

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