Florian Kohfeldt im Spiel von Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf.
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Florian Kohfeldt im Spiel von Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf.

Rückrundenauftakt gegen Fortuna Düsseldorf

Werder gegen Düsseldorf in der Analyse: Taktik der kleinen Schritte

Nach dem 1:0-Sieg zum Rückrunden-Auftritt kann Werder Bremen etwas durchatmen. Doch noch sind nicht alle Probleme der Hinrunde gelöst. Unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher analysiert Werders knappen Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf.

Werder Bremens Fans erhofften sich von dem Start ins Fußballjahr 2020 nicht weniger als einen Neubeginn. Nach der verkorksten Hinrunde sollte alles besser werden. Doch Trainer Florian Kohfeldt hatte in der Winterpause gerade einmal zwei Wochen Zeit, sein Team zu verbessern. Manches funktionierte bereits besser als vor der Winterpause – jedoch nicht alles.

Werder Bremen: Neu formiertes 5-3-2-System

Kohfeldt schickte seine Elf gegen Fortuna Düsseldorf in einer 5-3-2-Formation auf das Feld. Der Transfers von Kevin Vogt deutete bereits an, dass diese Variante in der Rückrunde häufiger zum Einsatz kommen könnte: Die Paradeposition des Hoffenheimer Leihspielers liegt im Zentrum einer Dreier-/Fünferkette.

Vom Anpfiff weg war zu spüren, dass Werder Bremen mit einem Erfolgserlebnis aus der Winterpause starten wollten. Sie suchten den direkten Weg nach vorne. Nach Ballverlusten wurde energisch nachgesetzt, nur um sofort wieder den Ball nach vorne zu spielen.

Auffällig war die Rolle von Milot Rashica: Bremens umtriebiger Stürmer ließ sich häufig ins offensive Mittelfeld fallen. Er sollte mit Pässen direkt aus der Abwehr bedient werden. Im Anschluss verlagerte Werder das Spiel häufig auf die rechte Seite. Leonardo Bittencourt rückte dort als Rechtsverteidiger weit nach vorne. Maximilian Eggestein unterstützte Bittencourt, teilweise sicherte er dessen Vorstöße auch ab.

Die Grafik zeigt ein typisches Angriffsmuster von Werder: Rashica ließ sich in den Zehnerraum fallen. Er spielte den Ball nach Rechtsaußen.

Werder Bremen und die alten Probleme im Sturm

In der Anfangsviertelstunde gelangte Werder Bremen über diese Kombinationen immer wieder in die Nähe des Strafraums, jedoch zu selten hinein. In dieser Hinsicht hatte sich wenig im Vergleich zur Hinrunde verändert: Noch immer fehlen taktische Mittel, um vom Flügel ins Zentrum zu gelangen. Gegen Bremens körperlich unterlegene Stürmer konnte Düsseldorf fast jede Hereingabe klären.

Das führt zum zweiten Problem: Werders Stürmern fiel es schwer, Bälle zu halten und abzulegen. Entweder sie kamen in Situationen, in denen sie mit Tempo auf die Abwehr zulaufen konnten – oder sie verloren den Zweikampf. Nie gelangte Bremen in Szenen, in denen der Gegner zurückweichen musste und sie das Spiel neu aufbauen konnten.

Dadurch entstand ein offenes, hektisches Spiel. Fortuna nutzte Werders häufige Ballverluste, um selbst schnell nach vorne zu spielen. Sie fokussierten vor allem das Spiel über den einrückenden Rechtsaußen Steven Skrzybski. Mal ließ sich die Schalker Leihgabe fallen, mal startete er hinter die Abwehr. Die Abstimmung zwischen Niklas Moisander und Außenverteidiger Marco Friedl war auf dieser Seite nicht immer optimal.

Fortuna Düsseldorf findet ins Spiel

Dass die Partie keine Ruhephasen bot, begünstigte im weiteren Verlauf Düsseldorf. Sie passten ihr Pressing leicht an: Zunächst hatten sie noch Probleme, Pässe von Bremens Halbverteidigern auf die Stürmer zu verteidigen. Mit der Zeit rückten die Außenstürmer weiter ins Zentrum. Düsseldorf leitete mit dem eigenen 4-3-3-System die Bremer auf die Flügel.

Werder Bremen versuchte, Düsseldorfs Pressing mit mehr Bewegung im Zentrum zu kontern. Vogt rückte aus dem Abwehrzentrum im Spielaufbau dynamisch nach vorne – eine Praxis, die man sonst eher selten sieht. Nuri Sahin ließ sich im Gegenzug einige Male fallen. Dieser ungewohnte Aufbau funktionierte noch nicht wie gewollt: Vogt wurde zu selten eingebunden, zu häufig konnten die nachrückenden Düsseldorfer Mittelfeldspieler den langen Ball provozieren.

Im Spielaufbau mag die Neujustierung der Abwehrkette noch Zeit benötigen. Im Spiel gegen den Ball harmonierte die neu formierte Fünferkette bereits gut. Werder Bremen stand in der letzten Linie stabil, zumal sich auch Sahin häufig fallen ließ. Das hatte mit zunehmender Spielzeit jedoch eine Unterzahl im Mittelfeld zur Folge. Hatte Bremen in der ersten Viertelstunde noch sechzig Prozent Ballbesitz, sank dieser Anteil bis zur Pause auf fünfzig Prozent.

Werder Bremen: Wackelige Schlussphase in Düsseldorf

Er sollte im Verlauf der zweiten Halbzeit noch weiter sinken. Dabei kam Werder zunächst gut aus der Kabine. Vogt verblieb fortan in der Abwehr, er rückte im Spielaufbau nicht mehr vor. Das brachte mehr Klarheit ins Spiel nach vorne. Zudem spielte Bremen die Situationen auf dem rechten Flügel nun konsequenter aus.

Nach dem Führungstreffer durch einen Standard ließen sich die Bremer weiter fallen. Die Abwehrkette zog sich in die eigene Hälfte zurück. Düsseldorf konnte den Ball nun aus der Abwehr ins Mittelfeld tragen. Hier trat vor allem der eingewechselte Kevin Stöger in Erscheinung: Seine Bälle auf die Flügel brachten die Fortuna in Richtung Tor.

Letzten Endes konnte Werder die Angriffsversuche der Fortuna abwehren. Während diese im 4-2-4 alles nach vorne warfen, verteidigte Werder Bremen im kompakten 5-3-2. Ein Sonderlob gebührt der Abwehrkette, die sich im eigenen Strafraum gut staffelte. Umso schwerer wiegen die Gelb-Rote Karte gegen Niklas Moisander (95.) sowie die drohenden Verletzungen von Ömer Toprak (angeschlagen ausgewechselt) und Kevin Vogt (Gehirnerschütterung). In Hinsicht Personalsituation geht die Rückrunde so weiter, wie die Hinrunde aufgehört hat. Auch taktisch war der Sieg gegen Düsseldorf erst der Anfang einer langen Rückrunde.

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