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Es ist zum Mäusemelken: Werder Bremen und Florian Kohfeldt haben auch gegen die TSG Hoffenheim verloren.

Nach 2:3-Niederlage gegen Hoffenheim

Werder-Taktik-Analyse: Unorthodoxes Spiel mit unorthodoxen Systemen

Von Tobias Escher. Es droht ein Fehlstart: Werder Bremen verliert auch das zweite Bundesliga-Spiel gegen die TSG Hoffenheim. Dass am Ende fünf Tore fielen, war lange Zeit nicht abzusehen: Es waren vor allem die Defensivstrategien beider Trainer, welche die Partie prägten. Unser Taktikanalyst Tobias Escher seziert Werders Niederlage.

Wer die Bundesliga mit der taktischen Brille betrachtet, bekommt nicht immer Abwechslung geboten. Die meisten Trainer setzen auf ähnliche taktische Ideen. Die Liga wird beherrscht von Standardformationen wie dem klassischen 4-3-3, dem 4-2-3-1 oder dem 5-3-2. Es gibt aber auch Ausnahmen. 

Dazu gehörte die Partie zwischen Werder Bremen und der TSG  Hoffenheim. Beide Trainer wählten unorthodoxe Spielsysteme. Doch leider waren genau diese unorthodoxen Spielsysteme ein Grund, warum sich beide Teams über weite Strecken neutralisierten.

Werder Bremen: Nuri Sahin und Ihlas Bebou neutralisieren sich

Florian Kohfeldt schickte seine Mannschaft nominell in einer Raute auf das Feld. Allerdings war diese Raute in der Praxis fast nie zu sehen: Nuri Sahin ließ sich fast permanent in die Abwehrreihe zurückfallen, er stockte die Viererkette damit zu einer Fünferkette auf. Hoffenheims Stürmer Ihlas Bebou agierte in einer ähnlichen Rolle: Mal war er vorderster Angreifer, mal Zehner. Sahin und Bebou neutralisierten sich auf diese Weise.

Auch Zehner Yuya Osako spielte eine Mischrolle. Der Japaner pendelte zwischen Flügel und Zentrum. Häufig agierte Werder mit einer Doppelzehn aus Osako und Johannes Eggestein hinter dem einzigen Stürmer Niklas Füllkrug. Werder verteidigte in einer Art 5-2-2-1.

Die Grafik zeigt die flexiblen Formationen beider Teams: Bei Werder bewegte sich Sahin immer wieder in die Abwehr, Osako agierte als Mischung als Zehner und Linksaußen. Bei Hoffenheim rückte Bebou immer wieder vor und zurück. 

Diese Doppelzehn hatte eine klare Funktion: Sie sollte Hoffenheims Doppelsechs aus dem Spiel nehmen. Sebastian Rudy und Dennis Geiger hatten innerhalb Hoffenheims 5-2-3 eine Schlüsselfunktion, sie sollten das Spiel aus dem Sechserraum diktieren. Werder stellte sie jedoch zu. Hoffenheims Dreierkette hatte große Probleme, das Spiel in die gegnerische Hälfte zu tragen.

Patt-Situation: Die Defensive von Werder Bremen stellt Hoffenheims Offensive matt

Die Formationen, die Kohfeldt und Hoffenheim-Coach Alfred Schreuder wählten, waren nicht nur unorthodox; sie ähnelten sich zudem stark. Nicht nur Sahin und Bebou sowie Hoffenheims Doppelsechs und Werders Doppelzehn neutralisierten sich gegenseitig. Im Mittelfeld-Zentrum entbrannten ständig direkte Duelle.

Werder Bremen profitierte von dieser Patt-Situation stärker als die TSG Hoffenheim. Während sich die Gäste aus Bremen zurückzogen und auf Konter lauerten, versteifte sich Hoffenheim auf das Ballbesitzspiel. Sie fanden jedoch selten einen freien Mann vor dem Ball. Ihr Ballbesitzspiel mutierte zum Selbstzweck: Ein Pass nach rechts, ein Pass nach links, zwei Pässe zurück – Hoffenheim kam nicht so recht vorwärts. Zur Pause hatte die TSG fast 60 Prozent Ballbesitz.

Doch auch Werder Bremen versprühte wenig Esprit. Innerhalb ihrer Formation war nicht immer klar, welche Spieler in die Tiefe gehen und welche hinten verbleiben sollen. Das zeigte sich gerade nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Ömer Toprak (17.). Der eingewechselte Kevin Möhwald ging ins Mittelfeld-Zentrum, Maximilian Eggestein wechselte auf die Rechtsverteidiger-Position. Impulse kamen von ihm auf der rechten Seite nicht. Überhaupt blieben die Außenverteidiger beider Teams blass. Über die Flügel konnten die Teams das Patt im Zentrum nicht auflösen.

Werder Bremen gegen TSG Hoffenheim: Torfestival ohne Chancen

Ironischerweise änderte sich bis zur 75. Minute an dieser Pattsituation nichts. Nach der Pause versuchte die TSG Hoffenheim zwar aggressiver vorzurücken auf den Außen, spielerisch fanden sie aber weiterhin kaum statt. Auch Werder Bremen konnte mit der 1:0-Führung im Rücken nicht kontern. Drei der fünf Tore fielen nach Standardsituationen, Hoffenheims Treffer zum zwischenzeitlichen 1:2 war ein Zufallsprodukt nach einem zweiten Ball.

Für eine echte taktische Veränderung sorgte die Gelb-Rote Karte für Johannes Eggestein (78.). Bremen musste angesichts des 1:2-Rückstands auf ein offensives 4-1-3-1-System umstellen. Hoffenheim hatte bereits zuvor mit der Einwechslung von Florian Grillitsch (69., für Robert Skov) auf ein Dreier-Mittelfeld umgestellt, das Werder mit der Dreifach-Zehn umgehend wieder neutralisierte. So erkämpften sie sich durch eine Pressing-Balleroberung das 2:2 (81.).

Nach dem 2:2 stellte Kohfeldt auf ein 5-3-1 um. Der Wechsel auf eine defensivere Formation brachte die nötige Stabilität. Doch Bremens Schwäche nach Standards funkte dazwischen - Hoffenheim erzielte in der 87. Minute das 3:2. Die Kraichgauer drehten zum zweiten Mal ein Spiel, in dem sie sich eigentlich fast keine Chancen erarbeitet hatten.

Fotostrecke: Toprak-Verletzung, Eggestein-Platzverweis und bittere Pleite in Sinsheim

Werder Bremen gegen TSG Hoffenheim
Werder Bremen gegen TSG Hoffenheim © gumzmedia
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Fazit zu Werder Bremen gegen TSG Hoffenheim

Am ersten Spieltag hatte Werder Bremen bei der 1:3-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf viel Pech. Auch gegen die TSG Hoffenheim lief alles gegen Werder, was nur gegen Werder laufen konnte – von einer frühen Verletzung über einen VAR-Einsatz bis hin zu einer dummen Gelb-Roten Karte.

So langsam müssen die Grün-Weißen sich fragen, ob das Pech nicht System hat. Die Abstimmung in der Defensive hapert, Standardsituationen sind die Achillesferse der Defensive. Das unorthodoxe System mag Bremen vor der Pause defensiv stabilisiert haben, bot aber nach vorne recht wenig. Gegen den FC Augsburg geht es bereits darum, einen Fehlstart zu vermeiden.

Mehr News zu Werder Bremen

Zum ergebnistechnisch verkorksten Start von Werder Bremen in die neue Saison gibt es zwei Wahrheiten - ein Kommentar. Derweil hat auch Florian Kohfeldt das Interesse von Werder Bremen an einem Transfer von Nabil Bentaleb öffentlich bekräftigt. Und die Grün-Weißen sind weiter auf der Suche nach Verstärkungen. Doch der Transfer eines weiteren Abwehrspielers gestaltet sich für Werder Bremen schwierig.

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