Werder Bremens Remis beim VfL Wolfsburg in der Taktik-Analyse: Die Mannschaft von Trainer Ole Werner bewies, dass sie auch in der Bundesliga mithalten kann!
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Werder Bremens Remis beim VfL Wolfsburg in der Taktik-Analyse: Die Mannschaft von Trainer Ole Werner bewies, dass sie auch in der Bundesliga mithalten kann!

Werder-Spiel in der Analyse

Taktik-Analyse: Mit dem VfL Wolfsburg mitgehalten - Werder Bremens Matchplan funktioniert auch in Liga eins

Bremen - Ole Werner hielt auch bei seiner Bundesliga-Premiere an seinem 5-3-2-System fest. Gegen den VfL Wolfsburg funktionierte das überraschend gut. Warum Wolfsburg die erste Halbzeit verschlief und wieso Werder sich über zwei verlorene Punkte ärgern muss, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Wie wird Werder Bremen als Erstligist auftreten? Diese Frage umtrieb zahllose Werder-Fans vor der Rückkehr in die Bundesliga. Das 2:2 gegen den VfL Wolfsburg lieferte erste Anhaltspunkte, in welche Richtung Werder steuert: Coach Ole Werner hielt am 5-3-2-System aus dem Vorjahr fest. Seine Spieler interpretierten das System jedoch defensiver.

Werners Startaufstellung überraschte nicht. Wie bereits in der Vorsaison setzte der Coach auf ein 5-3-2-System. Neuzugang Jens Stage rückte für den an Corona erkrankten Romano Schmid gegen den VfL Wolfsburg in die Startelf. Mitchell Weiser agierte als Rechtsverteidiger gewohnt offensiv, während sich Anthony Jung auf links zurückhielt. Das Spiel von Werder Bremen war also durch eine Unwucht auf den Flügeln gekennzeichnet.

Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg in der Taktik-Analyse: Ole Werner hält auch in der Bundesliga am 3-5-2-System fest

Nicht nur Werder Bremen feierte seine Rückkehr in die erste Liga. Auch Wölfe-Coach Niko Kovac saß erstmals seit 1008 Tagen wieder auf einer Bundesliga-Bank. Der neue Coach der Wölfe setzte auf eine Mischung aus 4-3-3 und 4-2-3-1. Josip Brekalo begann überraschend als Zehner, Matthias Svanberg agierte auf der Doppelsechs neben Maximilian Arnold.

Früh spürte man, dass Wolfsburgs Mittelfeld nicht eingespielt war. Die Abstände zwischen Arnold und Svanberg waren entweder zu groß oder zu klein. Die Wolfsburger versuchten, die Lücken im Zentrum über eine enge Formation aufzufangen. So verteidigten die Wölfe mit ihren beiden Viererketten äußerst eng, sie deckten gerade einmal eine Hälfte des Feldes ab. Schon in der Anfangsphase zeigte sich, dass das System des VfL Wolfsburg einige Lücken bot. Zwar gingen die Wölfe durch einen genialen Pass von Patrick Wimmer früh in Führung (11.). Doch die erste Halbzeit gehörte klar Werder Bremen.

Die Grafik zeigt die Lücken, die Werder Bremen in der ersten Halbzeit gegen den VfL Wolfsburg auszunutzen wusste. Auf der halblinken Seite stand Jens Stage häufig frei. Werder konnte das Spiel auch auf die rechte Seite verlagern, wo Mitchell Weiser häufig vollkommen freistand.

Die Bremer fanden die Lücken in der Wolfsburger Formation. Zum einen ließ Wolfsburgs enge Verteidigung Lücken auf den Flügeln. Wenn Bremen den Ball auf der linken Seite hatte, stand Mitchell Weiser auf der rechten Seite vollkommen frei. Da Wolfsburg kaum Druck ausübte auf die Bremer linke Seite, konnte diese den Ball in Ruhe auf Weiser verlagern.

Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg in der Taktik-Analyse: Bremer nehmen Lücken im Wolfsburger Mittelfeld dankend an

Zum anderen öffneten sich auch im Wolfsburger Mittelfeld immer wieder Räume. Durch die schlechte Staffelung zwischen Svanberg und Arnold stand vor allem Stage immer wieder frei. Er bekam den Ball im linken Halbraum. Der Neuzugang konnte ihn entweder nach links weiterlegen oder selbst in den Strafraum flanken. So leitete Stage den Ausgleich ein (21.) und bereitete das 2:1 mit einer Flanke mustergültig vor (23.)

Werder erarbeitete sich in der ersten Halbzeit ein klares Übergewicht. Sie fanden nicht nur die Lücken in der gegnerischen Abwehr. Sie verteidigten auch konsequent. Wie in der zweiten Bundesliga setzt Werder auf eine mannorientierte Spielweise. Gerade im zentralen Mittelfeld suchen die Bremer das direkte Duell. So führte Jens Stage etwa zahlreiche Duelle gegen Svanberg. Auch Christian Groß zeigte sich gewohnt umtriebig, er rückte immer wieder aus dem Mittelfeld weit nach vorne, um den Druck zu erhöhen.

Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg in der Taktik-Analyse: Josuha Guilavogui krempelt Spiel der Hausherren um

In der zweiten Halbzeit trat der VfL Wolfsburg gänzlich anders auf. Niko Kovac brachte Josuha Guilavogui für Svanberg. Der Franzose bildete eine kompakte Doppelsechs mit Arnold, gemeinsam schlossen sie das Zentrum. Stage stand nun seltener frei und konnte kaum noch für Entlastung bei Werder Bremen sorgen.

Nach und nach kristallisierte sich auch Wolfsburgs Offensivplan heraus. Ridle Baku rückte als Rechtsverteidiger weit vor, aus der Viererkette wurde im Spielaufbau so eine Dreierkette. Dadurch konnte Rechtsaußen Wimmer ins Zentrum rücken. Der VfL Wolfsburg versuchte nun immer wieder, über seine Seite anzugreifen. Werder Bremen wurde weit in die eigene Hälfte gedrückt, verteidigte aber konzentriert im 5-3-2.

Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg in der Taktik-Analyse: Bremer Abwehr unterläuft klassischer Fehler

Im Verlauf der zweiten Halbzeit krempelte Niko Kovac seine gesamte Offensive um. Keiner der vier offensiven Startspieler blieb auf dem Platz. Am Ende stürmte Max Kruse als Zehner hinter Jonas Wind. Die vielen Wechsel halfen dem Spiel des VfL Wolfsburg nur bedingt. Zwar hatten sie nun die Kontrolle über den Ball, zu Chancen kamen die Gastgeber gegen Werder Bremen jedoch kaum.

Gerade als Werder etwas zu schwimmen begann, stabilisierte Ole Werner seine Defensive durch die Einwechslung von Nicolai Rapp (76.). Er interpretierte die Position defensiver als der ausgewechselte Leonardo Bittencourt. Zugleich konterte Werder Bremen nach der Einwechslung von Oliver Burke (80.) wieder etwas wuchtiger.

Eine Unachtsamkeit genügte, um den sicher geglaubten Sieg doch noch zu verspielen. Nach einer kurz gespielten Ecke beging Werder Bremens Abwehr einen klassischen Fehler: Sämtliche Spieler bewegten sich ein bis zwei Schritte nach vorne, verfolgten nur noch den Ball. Dadurch konnte sich Guilavogui im Rückraum wegstehlen. Mit seinem Ausgleichstreffer (84.) avancierte er zum Matchwinner des VfL Wolfsburg.

Werder Bremen: Remis beim VfL Wolfsburg zeigt, dass der Aufsteiger in der Bundesliga mithalten kann

Einerseits gibt es auf Bremer Seite genug Gründe zur Freude. Die Mannschaft bewies, dass sie auch in der Bundesliga mithalten kann. In der ersten Halbzeit überzeugte Werder Bremen offensiv. Nach der Pause funktionierte Werners 5-3-2-System auch defensiv. Andererseits muss Werder sich auch ärgern: Beim 2:2-Unentschieden gegen den VfL Wolfsburg ließ Werder zwei Punkte unnötig liegen. Im letzten und im eigenen Drittel muss Werders Spiel noch konsequenter werden. Sonst sammelt Werder nur Lob für eine disziplinierte taktische Leistung – aber nicht die Punkte, die der Klub im Abstiegskampf benötigt.

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