Trainer Florian Kohfeldt und Werder Bremen setzten sich im DFB-Pokal-Spiel gegen Hannover 96 souverän durch.
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Trainer Florian Kohfeldt und Werder Bremen setzten sich im DFB-Pokal-Spiel gegen Hannover 96 souverän durch.

3:0-Erfolg am Mittwoch

Klarer Sieg im DFB-Pokal: Werder kontert Hannovers Intensität - die Taktik-Analyse

Hannover 96 wollte Werder Bremen ein intensives Spiel aufzwängen. Werder nahm an – und gewann spätestens nach dem 1:0 die Oberhand. Taktik-Kolumnist Tobias Escher analysiert für die DeichStube die letzte Bremer Partie des Jahres.

Pokalspiele gegen einen unterklassigen Gegner sind meist eine undankbare Angelegenheit: Scheidet der Erstligist aus, blamiert er sich bis auf die Knochen. Gewinnt er, applaudiert kaum jemand; ein Weiterkommen sei schließlich Pflicht. Hinzu kommt, dass unterklassige Teams sich meist auf die Defensive konzentrieren. Es folgen meist zähe Abnutzungskämpfe gegen einen mauernden Gegner. Nicht groß anders war dies beim Gastspiel des SV Werder Bremen in Hannover. Doch als die Bremer erst einmal in Führung gegangen waren, brach der Matchplan von Hannover 96 in sich zusammen.

Coach Florian Kohfeldt wusste, dass er in Hannover auf eine kämpferisch starke Mannschaft trifft. 96 lebt von der Intensität: Trainer Kenan Kocak möchte, dass seine Spieler den Gegner kurz hinter der Mittellinie attackieren. Sie sollen den Spielaufbau des Gegners in die Mitte lenken und dort zuschlagen.

Werder Bremen-Taktik-Analyse: Hannover 96 hat durch enge Formation Lücken auf den Flügeln

Gegen Werder Bremen stellte Kocak seine Mannschaft dafür in einem 4-2-3-1-System auf. Die Besonderheit: Die Flügelspieler rückten weit in das Zentrum ein. Auf Rechtsaußen kam mit Dominik Kaiser sogar ein gelernter Sechser zum Einsatz. Hannovers Außenstürmer liefen den Gegner früh an, sie sorgten für eine Überzahl im Zentrum.

Kohfeldt stellte dem Gegner ein 3-4-2-1-System entgegen. Die Außenverteidiger bewegten sich dabei weit nach vorne: Sie sollten nicht nur für Breite, sondern auch für Tiefe sorgen. Die enge Formation der Hannoveraner hatte auf den Flügeln Lücken, welche die Bremer Außenverteidiger attackieren sollten.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen Hannover 96: Theodor Gebre Selassie immer wieder frei

Zunächst funktionierte das Aufrücken der Außenverteidiger nur mäßig. Hannovers Angreifer zeigten ein gutes Timing im Pressing. Gerade die Idee, Kaiser auf dem Flügel spielen zu lassen, funktionierte im Spiel gegen den Ball: Kaiser lief Niklas Moisander so an, dass dieser keine Bälle nach Außen spielen konnte.

Werder Bremen verhedderte sich zunächst im intensiven, aggressiven Pressing der Gäste. Doch mit der Zeit begannen sie, die Lücken im gegnerischen System zu finden: Maximilian Eggestein wich immer wieder leicht auf die Außen aus, um hier den Ball hinter Hannovers erster Pressinglinie zu erhalten. Er gab den Ball nach Linksaußen weiter zu Ludwig Augustinsson, der an die Grundlinie durchlaufen konnte.

Nun machte sich die hohe Rolle der Außenverteidiger bezahlt. Hannover 96 deckte im eigenen Strafraum zwar Stürmer Joshua Sargent eng. Dafür stand am langen Pfosten immer wieder Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie frei. Seine erste Chance vergab der Tscheche noch (27.), beim zweiten Versuch war der Ball drin (30.).

Die Grafik zeigt den Plan von Hannover 96 im Spiel gegen den Ball. Die Außenstürmer liefen die Innenverteidiger von Werder Bremen seitlich an, sodass diese keinen Pass auf die Außen spielen konnten. Maximilian Eggestein fand aber die Lücken hinter ihnen.

Werder Bremen-Taktik-Analyse: Hannover 96 ohne Offensivplan, nur mit Intensität

Hannover schockte dieser Führungstreffer sichtlich. Vor dem zweiten Treffer durch Josh Sargent (32.) konnte Moisander einfach durch das Mittelfeld spazieren. Die bis zu diesem Zeitpunkt so aggressiven Hannoveraner gaben nur Begleitschutz.

Die Bremer 2:0-Führung zerstörte den Hannoveraner Plan. Dieser war ganz auf die eigene Defensive ausgerichtet. Offensiv hatten sie wenige Ideen, wie sie den Bremern hätten gefährlich werden können. Diese hatten das Spiel mit einem aggressiven 3-4-3-Pressing gut im Griff.

Nach der Pause versuchte Hannover 96, offensiver zu agieren. Auch hier verfolgten sie eigentlich nur ein Konzept: Intensität. Die Außenverteidiger rückten weit vor, Stürmer Hendrik Weydandt kämpfte um lange Bälle und Flanken. Flüssig war der Spielaufbau der Hannoveraner nicht.

Werder Bremen-Taktik-Analyse: Konter gegen Hannover 96 erfolglos - Tahith Chong fällt oft falsche Entscheidungen

Werder Bremen verpasste es in dieser Phase, die Partie zu beruhigen. Hannovers Spiel war gänzlich darauf ausgelegt, Bremen in Zweikämpfe und Laufduelle zu verwickeln. Anstatt das Spiel in dieser Phase zu beruhigen, konterte Werder Intensität mit Intensität. Auch sie warfen sich in die Zweikämpfe, spielten wilde Pässe nach vorne, machten viele unnötige Sprints.

Das wäre verzeihbar gewesen, wenn einer der zahlreichen Kontermöglichkeiten zu einem Tor geführt hätte. Tahith Chong verblieb zwar als zweiter Stürmer meist vorne, um auf den Flügeln die hohe Rolle der Außenverteidiger auszunutzen. Praktisch nie fällte er die richtige Entscheidung, sobald er den Ball bekam. Die meisten Konter verendeten auf halbem Wege.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen Hannover 96: 3:0 beruhigt DFB-Pokal-Spiel merklich

Erst nach einer Viertelstunde Hannoveraner Totaloffensive gelang Werder Bremen das ersehnte 3:0 (60.). Das beruhigte die Partie merklich. Kocak versuchte zwar noch, mit einer Umstellung auf ein 3-3-4 den Anschlusstreffer zu erzwingen. Kohfeldt brachte mit Patrick Erras (74., für Romano Schmid) einen weiteren Sechser und stellte damit auf ein 5-3-2 um. Bremen konnte die Partie nun verwalten. Kohfeldt nutzte die klare Führung, um jungen Talenten Spielzeit zu schenken.

Pflichtaufgabe erfüllt: Dieses Fazit bleibt nach der Partie gegen Hannover 96. Gegen einen intensiven, aber fußballerisch schwachen Zweitligisten hatte Werder letztlich wenig Mühe, die Partie für sich zu entscheiden. Spiele gegen unterklassige Teams sind eben undankbare Aufgaben für einen Erstligisten.

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