Werder Bremen gegen Mainz 05 in der Taktik-Analyse: Darum ging der Matchplan von Trainer Ole Werner nicht auf.
+
Werder Bremen gegen Mainz 05 in der Taktik-Analyse: Darum ging der Matchplan von Trainer Ole Werner nicht auf.

Darum ging der Werder-Matchplan nicht auf

Taktik-Analyse: Werder Bremen muss gegen kompakte Mainzer Lehrgeld zahlen

Bremen - Die eine Mannschaft sammelt 70 Prozent Ballbesitz, die andere fährt zwei erfolgreiche Konter – und am Ende gewinnt das Konterteam. Werder Bremen ließ sich von einer kompakten wie laufstarken Mainzer Mannschaft den Schneid abkaufen, meint DeichStube-Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Angesichts der bisherigen Saison lässt sich leicht verdrängen, dass Werder Bremen als Aufsteiger nur ein Ziel kennt: den Klassenerhalt. Alle paar Wochen gibt es Spiele, die Werders Anhänger daran erinnern. Zuletzt fiel darunter das 0:1 gegen den FC Augsburg, als Werder sich von einem kampfstarken Gegner den Schneid abkaufen ließ. Auch bei der 0:2-Niederlage gegen Mainz 05 war der Gegner schlicht zu clever für die Bremer. Die Abstiegskampf-Veteranen vom Main konterten die Truppe von der Weser eiskalt aus.

Fünferkette gegen Fünferkette: Werder Bremen gegen Mainz 05 in der Taktik-Analyse

Werder-Trainer Ole Werner musste seine Mannschaft nur auf einer Position umbauen im Vergleich zum 2:1-Erfolg in Hoffenheim. Amos Pieper ersetzte den verletzten Milos Veljkovic. Werder Bremen begann die Partie in der bekannten 5-3-2-Formation. Auch sonst setzte Trainer Werner auf die gewohnten taktischen Mittel: Auf rechts rückte Mitchell Weiser weit vor, während sich Linksverteidiger Anthony Jung etwas zurückhielt. Der FSV Mainz 05 begann ebenfalls in einer 5-3-2-Formation. Die Mainzer bestechen in dieser Saison vor allem durch ihre hohe Kompaktheit. Die Spieler halten ihre Positionen, sodass der Gegner kaum Raum vorfindet, um nach vorne zu spielen. Nur vier Teams haben in dieser Saison weniger Schüsse zugelassen als die Mainzer.

Zumindest in der Anfangsphase setzten die Mainzer nicht auf ihre kompakte, abwartende Spielweise. Jae-Sung Lee rückte aus dem Mittelfeld nach vorne, um zusammen mit den beiden Stürmern Bremens Dreierkette anzulaufen. Bremen setzte in den Anfangsminuten ebenfalls auf ein hohes Pressing. Romano Schmid rückte vor, damit Werder die Mainzer Dreierkette permanent unter Druck setzen konnte.

Kompakt, kompakter, FSV Mainz 05: So lässt sich das Spiel zusammenfassen. Das 5-3-2 der Gäste bot keinerlei Räume für Werder Bremen im Mittelfeld. Wenn die Bremer über die Flügel angriffen, rückte Mainz konsequent heraus.

Werder Bremen mit Chancen in der Anfangsphase: Der Matchplan gegen Mainz 05 in der Taktik-Analyse

In der Anfangsviertelstunde führten beide Teams zahllose Zweikämpfe auf der gesamten Länge des Feldes. Kein Spieler durfte den Ball annehmen, ohne dass ihm sofort ein Gegner auf den Füßen stand. Kein Team konnte die Kontrolle über die Partie an sich reißen. Besonders Mainz 05 versuchte, direkt nach Ballgewinnen vor das Tor zu gelangen. Sie spielten den ersten Pass fast blind nach vorne auf die Flügel. Die Stürmer wichen aus, um diese Bälle anzunehmen. Auch Werder Bremen spielte schnell und konsequent nach vorne. Sie suchten wie gewohnt Niclas Füllkrug im Zwischenlinienraum. Er ließ sich fallen, um Bälle auf Marvin Ducksch oder Romano Schmid abzulegen. Werder gelangen es in der Anfangsphase häufiger als Mainz, schnell in die gegnerische Hälfte zu gelangen. Ducksch zeigte sich noch umtriebiger als sonst und sprengte die Mainzer Deckung. Häufig rückten die Mainzer Mittelfeldspieler zu weit vor, sodass Werder jede Menge Platz vor der Abwehr vorfand. Nach 17 Minuten konnte Werder bereits fünf Torschüsse verbuchen.

Mainz setzt gegen den SV Werder Bremen auf Kompaktheit und Konter - die Taktik-Analyse

In der Folge zogen sich die Mainzer weiter zurück. Anstatt Werders Dreierkette früh im 3-4-3 zu attackieren, verteidigten sie fortan in einem kompakten 5-3-2. Sie schlossen mit dieser Formation das Zentrum. Sobald Werder Bremen den Ball auf die Flügel spielte, rückte Anton Stach bzw. Lee heraus, um den ballführenden Spieler zu stellen. Kaum eine Mannschaft beherrscht das Verschieben besser als die Mainzer.

Die Dynamik der Partie änderte sich. Ab der 15. Minute lag Werders Ballbesitz bei knapp 70 Prozent. Ihre Dreierkette ließ den Ball laufen. Die Verteidiger suchten eine Lücke im Mainzer Defensivverbund – vergeblich. Die Mainzer wiederum spielten sofort nach Ballgewinnen den Pass auf die Außen. Sie wollten den SV Werder Bremen über Kompaktheit und Konter knacken. Ihre Strategie, direkt im Umschaltmoment die Flügel anzusteuern, ging in der 36. Minute auf. Rechtsverteidiger Danny da Costa tankte sich durch und bediente Marcus Ingvartsen.

Taktik-Analyse: Mainz verwaltet die Partie nach Führung gegen Werder Bremen

In der Folge wagten sich die Mainzer noch seltener aus ihrer kompakten Ordnung. Sämtliche Feldspieler zogen sich im 5-3-2 in die eigene Hälfte zurück. Nach Ballgewinnen steuerten sie weiterhin die Flügel an, banden dabei aber selten mehr als drei oder vier Spieler in die eigenen Konter ein. Die defensive Kompaktheit stand stets im Vordergrund. Werder Bremen versuchte, das Spiel in die Breite zu ziehen. Weiser hielt seine Position auf Rechtsaußen, Ducksch half auf der linken Seite aus. Doch egal, wie häufig Werner von der Seitenlinie „Spiel breitziehen!“ auf den Rasen rief: Es öffnete sich keine Lücke im Mainzer Verbund. Stach und Lee verschoben im Mittelfeld konsequent von einer Seite zur anderen.

Manch ein Werder-Akteur mag gehofft haben, mit dem eigenen Ballbesitzspiel den Gegner müde zu spielen. Doch die Mainzer sind bekannt für ihre Ausdauer. Die laufstärkste Mannschaft der Liga legte am Ende knapp sechs Kilometer mehr zurück, auch bei den Sprints lag sie mit 255 zu 207 klar vorne. Jede noch so kleine Lücke wurde sofort von einem Mainzer geschlossen.

Der Matchplan von Trainer Ole Werner in der Taktik-Analyse: Werder Bremen muss gegen Mainz 05 Lehrgeld bezahlen

Insofern war die Partie nach dem erfolgreichen Konter zum 0:2 (66.) entschieden. Werder Bremen kam keine zündende Idee, um das kompakte 5-3-2 des Gegners zu bezwingen. Daran änderten auch Ole Werners Wechsel nichts. Weder Oliver Burke als zweiter Stürmer noch der komplette Austausch des Mittelfelds verbesserten das Bremer Offensivspiel. Werder musste Lehrgeld bezahlen. Die Bremer waren der Aufgabe nicht gewachsen, die Defensive eines lauf- wie kampfstarken Gegners zu umspielen. Am Ende spürte der neutrale Zuschauer deutlich, welche Mannschaft über Jahre erfolgreich den Abstiegskampf bestanden hat – und welche Mannschaft gerade erst aus der Zweiten Bundesliga aufgestiegen ist.

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare