Die Taktik von Werder Bremens Coach Markus Anfang ging gegen den FC Heidenheim auf.
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Die Taktik von Werder Bremens Coach Markus Anfang ging gegen den FC Heidenheim auf.

Werders 3:0 gegen den FCH in der Analyse

Änderungen geglückt! Werder Bremen meldet sich gegen Heidenheim mit neuer Aufstellung zurück im Aufstiegsrennen - die Taktik-Analyse

Werder Bremen meldet sich mit einem 3:0-Erfolg gegen den FC Heidenheim eindrucksvoll zurück. Ein wichtiger Grund für den klaren Sieg war das Spielsystem von Trainer Markus Anfang. Er hat Einiges im Vergleich zu den vergangenen Partien geändert und blieb sich dennoch treu, meint unter Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Wenn eine Mannschaft 0:3 verliert, erwarten die Fans im folgenden Spiel „eine Reaktion“. Anders solle das Team auftreten, mehr kämpfen, sich besser präsentieren. Nach der 0:3-Niederlage des SV Werder Bremen gegen Dynamo Dresden wurde jedoch nicht nur von den Spielern, sondern auch vom Trainerteam eine Reaktion gefordert. Markus Anfangs System schien zuletzt entschlüsselt, manche Fans forderten eine Abkehr vom ewiggleichen 4-3-3-System. Einen „Plan B“ hat Anfang gegen den 1. FC Heidenheim indes nicht präsentiert. Dafür wandelte er sein bekanntes 4-3-3-System so weit ab, dass seine Mannschaft weniger ausrechenbar und stabiler agierte als zuletzt.

Personelle Rochaden bei Werder Bremen

Auf dem Papier blieb sich Anfang treu. Auch gegen Heidenheim lief Werder Bremen in einer Mischung aus 4-3-3 und 4-2-3-1 auf. In der Praxis agierte sein Team jedoch merklich anders als in den vergangenen Partien. Das lag in erster Linie an der Wahl des Personals. Anfang veränderte sein Team auf mehreren Positionen. So begann Romano Schmid im offensiven Zentrum. Mitchell Weiser rückte von der Rechtsverteidiger- auf die Rechtsaußenposition, wodurch Eren Dinkci von der rechten auf die linke Seite wechselte. Jean-Manuel Mbom übernahm die offene Position des Rechtsverteidigers.

Diese Aufstellung sorgte für mehr Stabilität als die zuletzt praktizierten Varianten. Mbom interpretierte die Rechtsverteidiger-Position defensiver als Weiser zuletzt. Er rückte nicht permanent nach vorne, sondern höchstens ins zentrale Mittelfeld. Werders Spiel war somit symmetrischer: Beide Außenverteidiger verblieben auf einer Höhe.

Werder Bremen mit einer Fünf-Fünf-Aufteilung

Werder hatte somit eine recht klare Aufteilung im Spielaufbau: Die Viererkette plus Sechser Ilija Gruev verblieben tief, die übrigen fünf Akteure boten sich in der gegnerischen Hälfte an. Damit hatte Werder Bremen zwar weniger Anspielmöglichkeiten vor dem Ball, stand dafür aber auch nach Ballverlusten stabiler. Permanent sicherten fünf Spieler ab.

Im offensiven Spielaufbau biss man sich mit dieser Variante zunächst die Zähne aus an der Heidenheimer Defensive. Diese liefen nominell ebenfalls in einer Mischung aus 4-2-3-1 und 4-3-3 auf. Auf dem Feld war diese Aufteilung praktisch nie zu erkennen, da die Heidenheimer Spieler sich hauptsächlich am Gegner orientierten. Heidenheims Mittelfeld klebte an Werders Mittelfeld. Selbst wenn sich Zehner Schmid auf eine Höhe mit Stürmer Marvin Ducksch begab, folgte ihm sein Gegenspieler. So wurde aus der Heidenheimer Viererkette häufig eine Fünfer- oder gar Sechserkette.

Die Grafik zeigt die enorm mannorientierte Defensive der Heidenheimer. Wenn Schmid vorrückte, ließ sich sein Gegenspieler häufig in die Abwehrkette fallen. Werder öffnete so zwar den Raum im Mittelfeldzentrum, fand aber zu selten einen Weg, diesen Raum auch zu bespielen.

Werder Bremen tat sich schwer damit, diese enorm mannorientierte Defensive des Gegners zu umspielen. Zunächst versuchte Schmid, sich weit zurückfallen zu lassen. Er bekam jedoch selten Bälle, sodass er sich später weiter vorne positionierte. Damit drückte Werder das gegnerische Mittelfeld nach hinten. Die entstehende Lücke (siehe Grafik) konnte Werder aber kaum bespielen. Dem stabilen Fünfer-Aufbau gelang es immerhin, gegen das halbhohe Pressing des Gegners keine Bälle zu verlieren. Ballverluste am Mittelkreis gab es selten; anders als gegen Dresden, als allen drei Gegentreffern Ballverluste im Mittelfeld vorausgingen.

Werder Bremen gegen Heidenheim mit Schwächen auf dem linken Flügel

Offensiv versuchte der FC Heidenheim, mit Rochaden und Positionswechseln die Bremer durcheinanderzubringen. Auch bei Heidenheim rückten die Außenverteidiger ins Mittelfeldzentrum. Die Sechser wiederum bewegten sich auf die Flügel oder nach vorne. Werder Bremen konterte das enge Zentrum des Gegners, indem sie sich selbst eng zusammenzogen. So hatten sie Heidenheims Spielaufbau im Griff.

Auf den Flügeln stand Werder wiederum ziemlich offen. Gerade nach schnellen Spielverlagerungen kamen die Bremer nicht hinterher. Heidenheim kam entsprechend zu Chancen, wenn die Außenverteidiger ausnahmsweise nicht einrückten, sondern Überzahlen auf den Flügeln herstellten. Besonders auf der linken Seite war Werder verwundbar.

Dennoch war die Partie im Großen und Ganzen ausgeglichen. Heidenheim kam nur zu wenigen Chancen. Auch Werder überwand das gegnerische Mittelfeld kaum. In einem dermaßen engen Spiel kam es nicht überraschend, dass individuelle Fehler die Partie entschieden. Werder erzielte nach der Halbzeitpause zwei schnelle Tore, eins per Standard (50.) und eins nach einem kapitalen Fehlpass des Gegners (52.). Die Tore brachten Werder Bremen auf die Siegerstraße.

Stabilität bei Werder Bremen zahlt sich aus

Nach der 2:0-Führung zahlte sich Werders Stabilität aus. Sie konnten nun auf ihr stabiles 4-2-3-1-Mittelfeldpressing setzen. Heidenheim musste etwas offensiver agieren und die Sechser weiter vorschieben. Dadurch waren sie verwundbar nach Kontern. Spätestens nach dem Treffer zum 3:0 (64.) erlangte Werder Bremen die totale Kontrolle über die Partie. Die weiteren Wechsel vom Heidenheimer Trainer Frank Schmidt sollten nur noch Schadensbegrenzung betreiben.

Werders Fans haben eine Reaktion gefordert. Welch bessere Reaktion hätte es geben können, als eine 0:3-Niederlage mit einem 3:0-Sieg zu vergelten? Trainer Anfang blieb dabei seinem System treu, änderte aber genug, um seinem Team die entscheidende Wendung zu geben. Dennoch war auch gegen den 1. FC Heidenheim nicht alles Gold, was glänzte. Werder Bremen stand stabiler, gerade vor der Pause fehlte aber die Durchschlagskraft. Auch in dieser Hinsicht wird nun wieder eine Reaktion vom Trainerteam erwartet. So aber ist nun einmal Fußball: Das nächste Spiel ist immer das schwerste. (tbs) Lest auch: Fragezeichen bei verletztem Füllkrug: Werder Bremen hofft auf schnelle Rückkehr.

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