Die Abstimmung bei Werder Bremen fehlte. Die Krise nach der Paderborn-Pleite ist perfekt.

0:1-Niederlage am 14. Bundesliga-Spieltag 

Taktik-Analyse: Werders Auftritt gegen Paderborn - Von Dominanz wenig zu spüren

Gegen den SC Paderborn sollte Werder Bremen der Befreiungsschlag aus dem Tabellenkeller gelingen. Doch die 0:1-Niederlage vermehrt die Zweifel an der Qualität der Bremer Mannschaft. Wieso die Bremer gegen den Aufsteiger nicht dominant auftraten, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Eigentlich sollte die Krise längst vorbei sein. Wenn die Verletzten zurückkehren, könne Werder Bremen endlich aus dem Vollen schöpfen – und dann ja vielleicht sogar vor der Winterpause noch den Anschluss an die oberen Tabellenplätze schaffen. So lautete die Hoffnung für den Bremer Fußball-Dezember. Die Wahrheit sieht anders aus: Beim 0:1 gegen den SC Paderborn offenbarte die Bremer Mannschaft fehlende Abstimmung.

Stabiles Grundgerüst

Trainer Florian Kohfeldt schickte seine Elf in einer Mischung aus 4-3-3 und 4-4-2 auf den Rasen. Bei eigenem Ballbesitz agierte Yoya Osako als zentraler Stürmer einer Dreier-Angriffsreihe. Im Spiel gegen den Ball rückte Davy Klaassen aus dem Mittelfeld nach vorne. Diesen Wechsel der Formationen sah man unter Kohfeldt in der Vergangenheit häufig: Das 4-4-2 soll Stabilität im Spiel gegen den Ball schaffen, das 4-3-3 soll Anspielstationen in der Offensive bieten bei Ballbesitz.

Werder Bremen zeigte sich bemüht, das Spiel von der ersten Minute an zu dominieren. Die Bremer spielten ein äußerst aggressives Pressing: Paderborn sollte im eigenen Spielaufbau keine Zeit erhalten, Bremens Angreifer störten schon am gegnerischen Strafraum. Dadurch dass mit Osako, Klaassen sowie den Außenstürmern gleich vier Akteure weit vorrückten, hielt Bremen den Druck hoch.

Das Pressing funktionierte. Werder übte Druck aus und zwang den Gegner zu ungenauen Abspielen. Nicht optimal war die Reaktion, sobald die erste Linie im Pressing überspielt war. Bremen rückte teils zu aggressiv aus der Abwehrreihe, was zu Lücken im Verbund führte. Ein stärkerer Gegner hätte diese Lücken wohl ausgenutzt. Nicht so Paderborn: Ihnen mangelte es an Genauigkeit im Passspiel, gerade in der Bremer Hälfte kamen zu wenig Zuspiele an.

Werder Bremen: Keine Dominanz im Ballbesitz

Im Spiel gegen den Ball agierte Bremen relativ druckvoll und dominant. Das lässt sich über das Spiel mit Ball nicht behaupten. Gegen Paderborns 4-4-2-Pressing fanden die Bremer zwar häufig eine Lösung. Meist ließ sich Philipp Bargfrede aus dem Mittelfeld fallen, um gegen Paderborns Doppelsturm eine Drei-gegen-Zwei-Überzahl herzustellen.

Das Problem war eher, wie Bremen agierte, sobald sie in der gegnerischen Hälfte waren. Osako war bemüht, als zurückfallender Stürmer Bälle zu halten und weiterzuleiten. Ihm gelang dies zu selten. Bremen kam praktisch nie in Situationen, in denen sie in der gegnerischen Hälfte den Ball halten konnten.

Die Grafik zeigt Bremens Formation gegen den Ball. Mit dem 4-4-2 konnte Bremen viel Druck auf den Gegner ausüben.

Stattdessen spielten die Bremer jeden Angriff schnell zu Ende. Das führte beizeiten zu Hektik. Vor allem aber verleitete es Werder dazu, häufig den Pass auf die freien Flügel zu wählen. Von hier gab es aber keine Strategie, wie der Ball ins Zentrum hätte zurückgespielt werden können. Flanken waren angesichts fehlender Präsenz im Strafraum keine Option. Der Strafraum blieb allgemein sträflich unterbesetzt. Das lag nicht zuletzt daran, dass Milot Rashica und Leonardo Bittencourt ihn fast nie besuchten.

Raute nach der Pause

So entstand ein zähes Spiel mit wenig Chancen auf beiden Seiten. Am ehesten gelangte Werder gefährlich vor das Tor, wenn sie im halbrechten Raum Maximilian Eggestein fanden. Er wagte es, auch aus der Distanz auf das Tor zu schießen.

Nach der Pause versuchte Kohfeldt, mit einer Systemumstellung die Offensive anzukurbeln. Bremen agierte jetzt recht deutlich in einer Raute: Osako übernahm die Zehnerposition, Rashica und Bittencourt agierten vor ihm. Im Verlaufe der Partie tauschte Kohfeldt das Personal aus: Pizarro agierte schlussendlich als Stürmer, Benjamin Goller auf der Zehn, Bittencourt auf der Acht und Eggestein auf der Sechs.

Geholfen hat es wenig. Bremen konnte den Druck im Spiel gegen den Ball zwar erhöhen, sie zwangen Paderborn häufiger auf den Flügeln. Das schmeckte den Gästen nicht. Nach vorne blieb das Spiel der Bremer aber weiterhin harmlos. Nach der Auswechslung Osakos fehlte ein spielmachender Zehner, der zumindest versuchte, Bälle auch einmal zu halten. Bremen verlor den Ball zu schnell. Kohfeldts Elf setzte sich praktisch nie in der gegnerischen Hälfte fest.

Fazit

Als das Spiel auf ein leistungsgerechtes 0:0 zusteuerte, gelang Paderborns Sven Michel der Siegtreffer (90.). Bremens Schlussoffensive in den wenigen Minuten danach versandete. Abermals mangelte es an Präsenz im gegnerischen Strafraum. Damit ist die Bremer Krise vollendet: Statt sich aus dem Abstiegskampf zu befreien rutschte Bremen nur stärker hinein.

Noch bitterer ist eine Zahl: 53%. So wenig Ballbesitz hatten die Bremer in einem Spiel gegen einen individuell unterlegenen Gegner. Das sah in der vergangenen Saison noch anders aus. Wieder mehr Dominanz in das eigene Spiel bringen – so lautet das mittelfristige Ziel für Kohfeldt. Kurzfristig wird er vor allem die Defensive stabilisieren müssen. Am kommenden Wochenende heißt der Gegner Bayern München.

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