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Florian Kohfeldt hatte seine Mannschaft gegen Fortuna Düsseldorf taktisch gut eingestellt - aber individuelle Unzulänglichkeiten verhinderten einen Sieg von Werder Bremen zum Bundesliga-Start.

Nach 1:3-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf

Werder-Taktik-Analyse: Dominanter Spielaufbau, aber fehleranfällige Defensive

Von Tobias Escher. Fast 70 Prozent Ballbesitz, doppelt so viele Torschüsse abgegeben wie Gegner Fortuna Düsseldorf: Trotzdem verlor Werder Bremen zum Bundesliga-Auftakt mit 1:3. Welche Fehler die Werder-Abwehr gemacht hat, erläutert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Verteidiger haben heutzutage mehr Aufgaben, als einfach nur das eigene Tor zu verteidigen. Sie sind erster Fixpunkt im Spielaufbau. Ihre Pässe leiten das Spiel ein. Entsprechend wichtig ist es, dass die Verteidiger über eine gute Passtechnik verfügen. Werder Bremen hatte in Niklas Moisander bereits einen spielmachenden Innenverteidiger im Kader. Nun haben sie mit Ömer Toprak einen weiteren hinzugefügt. Im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf war der Neuzugang gleich präsent – im Guten wie im Schlechten.

Aufbau-Dreierkette gegen passive Düsseldorfer

Florian Kohfeldt hielt an der taktischen Variante aus dem Pokalspiel fest. Werder begann in einem 4-3-3-System. Yuya Osako übernahm erneut die Rolle des Stürmers, interpretierte sie aber im Stile einer falschen Neun. Immer wieder ließ sich der Japaner ins offensive Mittelfeld fallen.

Im Fokus standen aber zunächst andere Akteure. Nachdem Düsseldorf zunächst im 4-4-2 hoch pressten, zogen sie sich bereits nach knapp zehn Minuten in die eigene Hälfte zurück. Sie lauerten auf Konter. Werder übernahm die Kontrolle über das Spiel.

Die Grafik zeigt Werders Dreierkette im Aufbau und Osakos Rolle als falsche Neun.

Ein Manko der vergangenen Saison war die Tatsache, dass Werder in Moisander nur einen spielstarken Verteidiger hatte. Für den Gegner war es leicht ausrechenbar, dass Moisander den auslösenden Pass in die Tiefe spielt und nicht etwa sein Nebenmann. Gegen Düsseldorf deutete sich bereits an, dass Toprak das Team in dieser Hinsicht bereichert: Auch er suchte immer wieder den Pass ins Mittelfeldzentrum, bediente die Achter oder den zurückfallenden Osako.

Auch Linksverteidiger Marco Friedl schaltete sich in den Aufbau ein. Er blieb auf der linken Seite tief, während Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie weit nach vorne rückte. Diese Asymmetrie im eigenen Aufbauspiel sorgte auch dafür, dass Werder wesentlich häufiger über die rechte Seite angriff als über die linke. Maximilian Eggestein unterstützte Gebre Selassie immer wieder auf der rechten Seite.

Werder Bremen rückt nach der Pause auf

In der ersten halben Stunde kontrollierte Bremen das Spiel. Torchancen spielten sie nur wenige heraus. Die Spieler hielten recht starr die Positionen, wodurch im letzten Drittel der Überraschungseffekt fehlte. Dafür aber griff Bremens Gegenpressing, es war immer ein Spieler in Ballnähe, der einen Düsseldorfer Konter abwürgen konnte. Auch dieses Muster kennt man aus der vergangenen Bremer Saison: In der ersten Halbzeit soll der Gegner müde gespielt, in der zweiten attackiert werden.

Blöd nur, dass Bremen nach 36 Minuten aus dem Nichts heraus einen Gegentreffer hinnehmen musste. Ein Ausrutscher der Bremer Abwehr – im wahrsten Sinne des Wortes, legte sich Toprak doch auf den Boden – brachte Rouwen Hennings in eine gute Schussposition.

Nach der Pause warf Bremen sofort alles nach vorne. Eggestein und Klaassen zeigten sich wesentlich umtriebiger, verließen auch mal ihre Positionen. Die Abwehr streute mehr riskante Pässe bei, sodass Werder mit wesentlich mehr Geschwindigkeit in die gegnerische Hälfte kam. Leider verschlief Werders Abwehr kurz nach dem Ausgleichstreffer (47.), nach einem geklärten Ball herauszurücken. Werders Abwehr stand mindestens fünf Meter zu tief, sodass Karaman nach einem langen Ball und anschließender Ablage direkt abschließen konnte (1:2). Hierbei sah Keeper Jiri Pavlenka alles andere als gut aus. Es kam allerdings noch schlimmer, als Bremen nach einer Ecke das 1:3 hinnehmen musste (64.). Drei Fehler, die ein bis dahin recht makelloses Spiel zerstörten.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt wirft alles nach vorne

Kohfeldt dachte nicht daran aufzugeben. Mit der Einwechslung von Niclas Füllkrug (65., für Rashica) stellte Werder auf ein 4-1-3-2-System um, Osako ging ins offensive Mittelfeld. Friedhelm Funkel reagierte sofort und brachte mit Marcel Sobottka einen weiteren Sechser. Düsseldorf verteidigte fortan noch defensiver im 4-1-4-1.

Bremen gelangte trotzdem in den Strafraum. Mit Füllkrug und dem später eingewechselten Claudio Pizarro (71., für Friedl) hatte Bremen nun mehr Kopfballstärke auf dem Feld, sodass sie häufiger über die Flügel angreifen konnten. Aber die meiste Gefahr entfachten sie noch immer über Kurzpass-Kombinationen durch das Zentrum. Diese Mechanismen greifen noch aus der Vorsaison. Jeder Werder-Angriff endete jedoch bei Fortuna-Keeper Zackary Steffen.

Nach der Einwechslung von Joshua Sargent (82., für Toprak) war Werder komplett offensiv aufgestellt. Gebre Selassie war plötzlich Innenverteidiger, die Außenverteidiger-Positionen bekleideten die Eggestein-Brüder. Logischerweise kam Düsseldorf nun vermehrt zu Kontern, Funkels Team blieb aber weiterhin recht harmlos. Es blieb beim 1:3.

Fotostrecke: Fan-Proteste und drei Gegentore zum Saison-Start

Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © gumzmedia
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Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © dpa
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Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf © dpa
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Fazit

25:12 Torschüsse, 67 Prozent Ballbesitz, über ein halbes Dutzend guter Chancen. Das Einzige, was an Werders Leistung nicht stimmte, war das Ergebnis. Die Gegentore offenbarten keine taktischen, sondern eher individuelle Schwächen. So muss man nach dem Spiel konstatieren, dass Spielstärke bei Innenverteidigern heute ein wesentlicher Faktor ist. Ihr Hauptfach bleibt jedoch das Verteidigen – und hier hat Bremens Viererkette in den entscheidenden Situationen gepatzt.

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Unser Spielbericht: Vorne ohne Coolness, hinten konfus - so verpatzte Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf den Saison-Start. Und als wäre die Niederlage nicht schon schlimm genug, muss Werder Bremen nun auch noch um Milot Rashica bangen: Er wurde mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt.

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