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Über 90 Minuten dirigierte Coach Florian Kohfeldt von der Seitenlinie aus seine Jungs. Geholfen hat es am Ende jedoch nichts: Werder Bremen unterliegt gegen Hoffenheim mit 0:3.

0:3-Niederlage im heimischen Stadion

Taktik-Analyse: Keine Unterstützung, keine Tore - Werders Probleme gegen Hoffenheim

Auf den Sieg gegen Fortuna Düsseldorf folgt die Ernüchterung: Gegen Hoffenheim verlor Werder Bremen 0:3. Warum Werder lange Zeit zumindest defensiv gutstand und am Ende dennoch drei Tore kassierte, erklärt unser Taktikanalyst Tobias Escher.

Never change a winning team: Diese Maxime verfolgte Trainer Florian Kohfeldt gegen Hoffenheim. Einzig Milos Veljkovic rückte neu in die Startelf für den gesperrten Niklas Moisander. Ansonsten vertraute Kohfeldt auf jenes Team, das bereits Düsseldorf mit 1:0 bezwang. Endlich Kontinuität also in dieser auch taktisch so wilden Saison von Werder Bremen?

Werder Bremen: Stabile Defensive im Fokus

Jein. Sowohl Personal als auch Formation waren fast deckungsgleich im Vergleich zum Düsseldorf-Spiel. Werder Bremen stellte sich in einem 5-3-2 auf. Milot Rashica und Joshua Sargent agierten dabei zentraler als noch vor Wochenfrist. Rashica achtete darauf, dass Hoffenheims Sechser Florian Grillitsch keine Zuspiele bekam. Sargent wiederum lenkte den Spielaufbau des Gegners auf die Außen.

Das war das Ziel der Bremer in dieser Partie: Sie wollten Hoffenheims Dreierkette dazu verleiten, auf die Flügel zu spielen. Dort sollte der Gegner isoliert werden. Davy Klaassen (halblinks) und Maximilian Eggestein (halbrechts) rückten aus der Mittelfeldreihe, wenn der Ball auf ihre Seite gespielt wurde. Dahinter deckte Bremen äußerst mannorientiert.

Das Pressing funktionierte. Da die TSG Hoffenheim – ähnlich wie Bremen – auf ein 5-3-2-System setzte, konnte Werder Bremen überall auf dem Feld Mannorientierungen herstellen. War der Gegner erst einmal auf den Flügel gelenkt, hatte Hoffenheim wenig Anspielstationen nach vorne. Selbst wenn sich Stürmer Andrej Kramaric fallenließ, war Werder flexibel genug, ihn zu decken. Werder gelang es fast über die gesamte erste Halbzeit, den Spielaufbau der Hoffenheimer mattzusetzen.

Werder Bremen: Passive Hoffenheimer schwer zu knacken

Doch auch die Bremer versprühten in der ersten Halbzeit wenig Torgefahr. Hoffenheim agierte ungleich passiver als die Bremer. Sie zogen sich in die eigene Hälfte zurück und überließen Bremens Dreierkette den Spielaufbau. Erst ab dem Mittelkreis suchten sie den Zugriff.

Gegen Hoffenheims kompakte Ketten in Abwehr und Mittelfeld gelang Bremen selten effektiver Raumgewinn. Die Probleme ähnelten jenen aus der Partie gegen Düsseldorf: Es fehlte vorne Präsenz, um auch einmal den Ball halten zu können. Immer wieder wurde Rashica gesucht. Der Kosovare blieb mit seinen Dribblings aus dem Zehnerraum jedoch ineffektiv.

Werder Bremen riskierte in dieser Phase wenig. Die Außenverteidiger hielten sich deutlich zurück. Vor allem Linksverteidiger Marco Friedl verblieb meist in der eigenen Hälfte. Da auch Leonardo Bittencourt wenig auffällig blieb und Nuri Sahin ebenfalls tief agierte, waren selten mehr als vier Spieler effektiv vor dem Ball. So mangelte es an Unterstützung im Offensivspiel. Einzig Ömer Topraks überraschende Vorstöße vermochten es, die defensive Ordnung der Hoffenheimer ins Wanken zu bringen.

Werder Bremen nach der Pause etwas passiver

In der zweiten Halbzeit versuchte Werder Bremen, selbst in Kontersituationen zu gelangen. Nachdem Werder in der ersten halben Stunde fast sechzig Prozent Ballbesitz hatte, drehte sich nun das Bild: Zwischen Minute 45 und 75 hatte Hoffenheim sechzig Prozent Ballbesitz. Werder suchte erst in der eigenen Hälfte den Zugriff. Rashica orientierte sich nun hinter Grillitsch und deckte ihn eng, auch Klaassen und Eggestein rückten nicht mehr so zugriffsorientiert nach vorne wie vor der Pause.

Die Grafik zeigt Werders Pressing. Rashica bewachte Grillitsch. Sargent lenkte den Aufbau nach Außen. Dort schlugen dann Klaassen oder Eggestein zu.

Trotzdem änderte sich an der Dynamik des Spiels wenig. Werder stand defensiv weiterhin solide, wurde von wenig kreativen Hoffenheimern aber auch nur selten getestet. Beide Teams schickten fast nie mehr als vier Spieler ins gegnerische Drittel, wodurch die Vorstöße leicht zu verteidigen waren. Bremen half es nicht, dass sie nun die Bälle tiefer gewannen; Hoffenheim ließ sich einfach nicht herauslocken.

Wie so oft in dieser Saison stürzte ein Standard Werder ins Unglück. Davy Klaassen sah beim Klärungsversuch einer Ecke unglücklich aus (65.). Kohfeldt reagierte sofort. Mit Yuya Osako (für Sahin) und Fin Bartels (für Sargent) brachte er zwei frische Offensivkräfte. Er stellte damit auf ein 3-4-3-System um, wobei Osako als zurückfallender Stürmer zwischen Rashica und Bartels agierte. Noch immer mangelte es dem Bremer Spiel an Durchsetzungsfähigkeit im letzten Drittel. Bei Eins-gegen-Eins-Duellen zog Werder Bremen praktisch immer den Kürzeren.

Werder Bremen: Pleiten, Pech, Pannen

Es war keineswegs so, dass Hoffenheim in der Folge ein Offensivfeuerwerk abbrannte. Nach einem gut gespielten langen Ball hatte Christoph Baumgartner Glück, dass Bittencourt die Kugel nicht klären konnte – 0:2 (79.). Als Kohfeldt wenig später Claudio Pizarro brachte, war die Hintermannschaft noch damit beschäftigt, von Fünfer- auf Viererkette umzustellen – 0:3 nach einem eigentlich leicht zu verteidigenden Einwurf (83.). Dass Kohfeldt mit dem Pizarro-Wechsel eigentlich auf ein 4-1-3-2-System umstellen wollte, entpuppte sich als unwichtig angesichts des klaren Rückstands.

Defensiv ließ sich Werder über sechzig Minuten wenig zu Schulden kommen. Tatsächlich lässt sich hier eine klare Leistungssteigerung erkennen im Vergleich zum desolaten Ende der Hinrunde. Die Gegentreffer fielen allesamt nach individuellen bzw. kollektiven Aussetzern.

Nachdenklich stimmt die Offensivleistung. Sobald Bremen das gegnerische Drittel betritt, entspinnt sich beim Zuschauer der Gedankengang: „Das wird doch sowieso nichts.“ Es mangelt an vielem: Eine aggressive Besetzung des gegnerischen Strafraums fehlt genauso wie Durchsetzungsfähigkeit im direkten Zweikampf. Man fragt sich, wie Werder Bremen so wieder Tore schießen will. Neun Tore in den vergangenen zehn Spielen sprechen keine gute Sprache.

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