Der SV Werder Bremen um Cheftrainer Florian Kohfeldt war bei RB Leipzig chencenlos.
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Der SV Werder Bremen um Cheftrainer Florian Kohfeldt war bei RB Leipzig chancenlos.

Werder verliert 0:3 in Leipzig

Taktik-Analyse: Bekannte Schwächen, erwartbares Ergebnis – Werder ohne Chance in Leipzig

Keine Neuigkeiten in Leipzig: So kann man den Auftritt des SV Werder Bremen beim 0:3 zusammenfassen. Das Team von Florian Kohfeldt hat mit altbekannten Schwächen zu kämpfen, schreibt unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Die Erwartungen waren gering. Kaum ein Fan des SV Werder Bremen dürfte einen Sieg bei Titelkandidat RB Leipzig erwartet haben. Doch selbst die geringen Hoffnungen entpuppten sich als zu hoch gegriffen. Bei der 0:3-Niederlage agierte Bremen zu keiner Zeit auf einer Leistungsebene mit Leipzig – weder körperlich noch technisch noch taktisch.

Werder Bremen gegen RB Leipzig: 5-2-3 gegen 5-3-2

Florian Kohfeldt musste angesichts der Gelb-Sperre von Stürmer Davie Selke umstellen. Yuya Osako übernahm die vakante Position im Sturmzentrum. Er interpretierte den Part im Stil einer falschen Neun und ließ sich bei Ballbesitz fallen. Milot Rashica und Leonardo Bittencourt sollten als einrückende Außenstürmer für Tiefe sorgen.

An der Grundformation veränderte Kohfeldt indes nichts. Bremen agierte wie in den vergangenen Partien in einer Mischung aus 3-4-3 und 5-2-3. Bei gegnerischem Ballbesitz versuchte Werder Bremen, vor allem das Zentrum engzuhalten. Die drei Stürmer postierten sich relativ zentral. Sie sollten den gegnerischen Spielaufbau auf die Außen lenken.

Julian Nagelsmann hielt Werder eine 5-3-2-Formation entgegen. Vor der Abwehr sicherte Konrad Laimer ab. Er übernahm Osako, sobald dieser zurückfiel, rückte teilweise aber auch im Pressing weit nach vorne. Dani Olmo indes agierte in einer Mischrolle aus Zehner und Achter. Mit dieser flexiblen Anordnung wollte Leipzig das Mittelfeld beherrschen.

Werder Bremen und das Abziehbild der vergangenen Partien

Aus taktischer Sicht zeigte Werder Bremen dieselben Stärken und Schwächen wie in den vergangenen Partien. Gegen den Ball arbeitete Werder durchaus solide. Der Dreiersturm schloss die Zuspielwege ins Zentrum. Auf den Flügeln wiederum gingen die Außenverteidiger aktiv nach vorne und schoben immer wieder auf die gegnerischen Außenverteidiger. Auch die Innenverteidiger rückten intelligent heraus, sobald sich Olmo zwischen die Linien schlich. RB Leipzig kreierte aus dem Spielaufbau bis zur Pause keine große Chance.

Das hilft wenig angesichts Werders frappierender Schwäche nach Standards. Leipzig hatte sich nicht einmal allzu komplexe Varianten zurechtgelegt. Beim Freistoß zum 0:1 (17.) überluden die Leipziger die vom Ausführungspunkt entfernte Seite – eine Routinevariante bei Hereingaben von der Seite. Hier will sich die angreifende Mannschaft zum Vorteil machen, dass der Ball lange in der Luft ist und über die Köpfe der vorne stehenden Spieler hinwegfliegt. Der Plan ging auf: Werder verpasste den Zeitpunkt zum Einlaufen, gleich drei Leipziger hatten sich einen Vorsprung erarbeitet.

Das 2:0 (39.) fiel noch simpler: RB Leipzig schwärmte nach einer Ecke vom Elfmeterpunkt aus, wollte so die Manndecker abwimmeln; auch dies eine absolute Routinevariante. Torschütze Patrik Schick kam frei zum Abschluss, nachdem er Milos Veljkovic leicht schubste. Werder Bremen steht nun bei 17 Standard-Gegentoren. Nur Mainz verteidigt ruhende Bälle schlechter.

Die Grafik zeigt, wie kompakt Werder Bremen und RB Leipzig im Zentrum agierten. Kohfeldt und Nagelsmann wollten den Gegner hier neutralisieren – und es gelang ihnen auch.

Keine Entlastung für Werder Bremen in Leipzig

Das zweite große Manko der Bremer bleibt das Spiel mit dem Ball. Leipzig ließ Werder überraschend viel Zeit zur Entfaltung: Nagelsmanns Spieler störten ihre Gegner nicht früh, sondern zogen sich an den Mittelkreis zurück. Auch sie setzten auf eine hohe Kompaktheit im Zentrum.

Beim SV Werder Bremen sah man das bekannte Muster: viele Querpässe in der Abwehr, wenig Bewegung, wenig Tiefe. Weder Bittencourt noch Rashica starteten in die Spitze. Werder konnte zwar immer wieder den Raum vor der Abwehr überladen. Sie scheiterten allerdings an einem unermüdlich ackernden Laimer – und an der völlig fehlenden Tiefe im eigenen Spiel. Selbst wenn Bremen auf die Abwehr zulief, gab es keinen Spieler, der in der Tiefe anspielbar war. Raumgewinn konnte Bremen nur erzielen, sobald die Außenverteidiger weit vorrückten.

Leipzig verwaltet die Partie gegen Werder Bremen

Nach der Pause wollte Werder Bremen in einem neu formierten 5-3-2-System das Comeback schaffen. Bittencourt rückte ins Mittelfeld und sollte vermehrt aus der Tiefe kommen. Nagelsmann indes hatte seine Außenverteidiger angewiesen, offensiver zu agieren und in die Schnittstellen der Bremer Abwehrkette zu starten. Bereits nach wenigen Sekunden ging der Plan auf bei Nordi Mukieles Treffer zum 3:0. Wie bereits des Öfteren in dieser Saison sah Bremen bei einem langen Ball nicht gut aus.

Das 3:0 beendete faktisch das Spiel. Leipzig schaltete in den Verwaltungsmodus. Zunächst verteidigten sie in einem kompakten 5-3-2, ehe sie in der letzten halben Stunde Ball und Gegner laufen ließen. Werder Bremen fand nicht mehr zurück in die Partie. Hoffnung kann Bremen kaum schöpfen aus dieser Partie. Vielmehr unterstreicht sie die Entwicklung unter Florian Kohfeldt in den vergangenen Wochen. Angesichts der eigenen Schwäche nach Standards sowie der völlig fehlenden Tiefe im Offensivspiel bleibt Werder fest im Abstiegskampf verwurzelt.

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